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Ernst Hofer: Am Ende des sanften Wegs

Von Reinhold Pühringer, 07. November 2023, 04:20 Uhr
Ernst Hofer
Ernst Hofer wird in einem Kimono beerdigt werden. Bild: Fidler/OÖN

Österreichs Judo-Familie kommt heute im Mühlviertel zusammen, um einen Menschen zu verabschieden, der die Tugenden der japanischen Sportart, die übersetzt "sanfter Weg" heißt, in sich vereinte wie kaum ein Zweiter: Ernst Hofer.

Olympia-, WM- und EM-Medaillengewinner werden sich vor dem Hellmonsödter, der vor einer Woche nach langer schwerer Krankheit (ALS) verstarb, ein letztes Mal verbeugen. Obwohl das jüngste von sechs Kindern erst mit 14 Jahren auf der Matte, die ihm später die Welt bedeuten sollte, seine ersten Gehversuche unternahm, brachte es Hofer dank seines unbändigen Willens noch zu ungeahnten Höhen: Weltcupsiege, EM-Siebenter (1994) sowie eine unvergessliche WM in Paris-Bercy, der Kathedrale des Judo-Sports. Erfolge, die sich Hofer hart erarbeiten musste.

"So viele (Wiederholungen; Anm.), wie gehen – und dann noch zwei", war sein Credo, welches erst Trainingspartner und später – als er beim UJZ Mühlviertel, dem Landesverband sowie im Nationalteam Coach war – seine Schützlinge zu hören bekamen. "Auf der Suche nach Größe hat er uns allen furchtlos den Weg geebnet, Matten mit Liegestütz verbogen, bis alle Welt- und Europameister aufgaben", sagt Ex-Europameisterin Sabrina Filzmoser.

Was er verlangte, lebte er vor

Jeder vergönnte es ihm, als er 2007 mit 35 das zweite Mal Staatsmeister wurde. Noch in der Halle wurde er gefeiert, in die Höhe geworfen. Als beim anschließenden Essen die Bedienung ins Schwimmen geriet, war es er – der Held des Tages –, der sich Stift und Zettel schnappte, um den Kellnern zu helfen. Es waren stets seine Taten, die ihn mehr definierten als seine Worte.

Es war das Feuer, das Hofer für seine Leidenschaft entwickeln konnte, und er hatte auch sichtlich Spaß daran, dieses Feuer bei anderen zu entfachen. Einem Kämpfer genügte ein kurzer Blick an den Mattenrand in die Augen von Coach Hofer, um zu spüren, dass er eigentlich neben einem auf der Matte stand und mitkämpfte. Obwohl er als Pädagoge prädestiniert war, entpuppte sich ein Lehrerjob nicht als optimal. "Ich war nur Lehrer, um Trainer zu sein. Montags habe ich mich regelmäßig an der Tafel verrechnet. Wenn du nach einem langen Turnierwochenende erst tief in der Nacht heimgekommen bist und unvorbereitet in der ersten Leistungsgruppe einer vierten Klasse vorne stehst, geht sich manche Rechnung einfach nicht aus", pflegte Hofer wie so oft von sich selbst mit einer Portion Selbstironie zu sprechen.

Sich selbst nie zu wichtig zu nehmen, mit jedem auf Augenhöhe zu sprechen, behielt sich Hofer als Nationaltrainer bei. "Deswegen war er bei allen Verbands- und Vereinstrainern extrem beliebt", sagt Österreichs Judo-Präsident Martin Poiger. "Zum Teil war er auch der sture Mühlviertler, der seinen Prinzipien treu geblieben ist. Was er verlangte, hat er seinen Athleten vorgelebt."

Davon ließ er sich nicht abhalten, als 2018 ALS diagnostiziert wurde. Als ihm die unheilbare Nervenkrankheit nach und nach die Sprachfertigkeit raubte, wog es umso mehr, dass er nie auf große Worte angewiesen gewesen war.

Es muss hart gewesen sein, dass ihm jener Körper, der ihn 2004 nach Athen radeln hatte lassen, schleichend den Dienst versagte. Er wäre nicht Ernst Hofer gewesen, wenn er manch Lebensdauer-Schätzung nicht noch hinausgeschoben hätte. Stütze war ihm seine Petra, die er 2019 geheiratet hat.

Jener Mensch, der zeit seines Lebens Kraft und Stärke verkörperte, sich darüber auch definierte, machte in seinen letzten Jahren einen erstaunlichen Wandel zum aufmerksamen Ratgeber und Mentor für seine Familie durch, sagt sein Bruder Willi Hofer. Im Kreise dieser schlug sein Kämpferherz am 31. Oktober zum letzten Mal.

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Autor
Reinhold Pühringer
Redakteur Sport
Reinhold Pühringer
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