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Baier beim Kultur-Talk: Mehr Probelokale und Kooperationen

LINZ. Die freie Kulturszene will, aber kann oft nicht. Es fehlt nicht an kreativen Köpfen, vielerorts aber am Geld. Kulturreferent Bernhard Baier (VP) bezog bei der OÖN-Diskussion zu den Problemen Stellung.

Baier beim Kultur-Talk: Mehr Probelokale und Kooperationen mit großen Häusern

Bekannte Gesichter unter den Zuhörern, etwa Kulturdirektor Julius Stieber (r.). Bild: Weihbold

Immer schwieriger wird es für die Linzer Kulturschaffenden abseits der großen Häuser, finanziell über die Runden zu kommen. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Grundförderung nicht mehr erhöht. Das im April im Gemeinderat verabschiedete Sparpaket sieht nun auch noch bei den frei verfügbaren Fördermitteln Einsparungen in der Höhe von zehn Prozent vor.

Dass der Unmut darüber bei den Kulturschaffenden groß ist, ist klar. Die OÖNachrichten luden deshalb zur Diskussion mit Kulturreferent Vizebürgermeister Bernhard Baier (VP) im "KunstRaum Goethestraße xtd". Eineinhalb Stunden wurde in dem von den OÖN-Redakteuren Helmut Atteneder und Erhard Gstöttner moderierten Gespräch hart, aber fair diskutiert.

1. Mehr Probelokale für Schauspieler und Musiker der freien Szene

"Wie stellen Sie sich die Kulturarbeit in der Stadt vor, was wünschen Sie sich für Linz?", wollte Elisabeth Lacher, die als freie Kulturschaffende arbeitet, wissen. Um die Situation der freien Szene zu verbessern, sind für Baier einige Dinge wesentlich. "Ich möchte die Probensituation der freien Theaterszene verbessern", sagt er.

Derzeit ist es für Schauspieler abseits der großen Häuser oft schwer, Orte zu finden, wo sie Stücke proben können. Neue Räumlichkeiten sollen Abhilfe schaffen. "Wir haben ein konkretes Projekt, das zeitnah umgesetzt werden soll", sagt Baier. In ein bis eineinhalb Jahren soll es so weit sein. Ähnliches gilt für die Musikszene, hier will Baier "binnen Jahresfrist" ein Lokal anbieten können.

2. Künftige Kooperationen der kleinen Bühnen mit den großen Häusern

"Ich habe das Gefühl, dass das Frustpotential in der freien Kulturszene immer größer wird", sagte Nik Raspotnik vom Theater in der Innenstadt. Ihn ärgert, dass etwa über das Musiktheater jede Kleinigkeit, über die weniger bekannten Institutionen nahezu gar nichts berichtet werde.

Um dieses Frustgefühl zu lindern, möchte Baier erreichen, dass es zwischen den großen Häusern und den kleinen Kulturinitiativen zu mehr Kooperationen kommt. So stellte der Vizebürgermeister in Aussicht, dass Werkstätten und Kostümfundus im Musiktheater in Zukunft mitbenützt werden können. "Das setzt aber voraus, dass alles passt und dass man sich aufeinander verlassen kann", sagt der Vizebürgermeister.

3. "Ungerechte" Verteilung der frei verfügbaren Mittel im Kulturbudget

An welche Organisationen die frei verfügbaren Mittel des Kulturbudgets im Vorjahr geflossen sind, wundert Thomas Diesenreiter, Vorsitzender des Stadtkulturbeirates. "Unter anderem bekam das Landesgericht 5000 Euro. Ist das gerechtfertigt, dass solche Institutionen Gelder aus den Ermessensausgaben bekommen?", fragte er. "Ich entscheide das nach dem jeweiligen Projekt", antwortete Baier. Um eine Förderung zu bekommen sei es wichtig, dass das jeweilige Projekt interessant ist, einen Linz-Bezug hat und der Antragsteller aus der Stadt ist.

Diesenreiter ärgert auch, dass das Lentos "zwei Drittel des Betriebs durch eine Spende der Linz AG finanziert". Für freie Kulturschaffende sei es weit schwieriger, Sponsoren zu finden. "Dazu muss man klarstellen, dass die Zuwendung der Linz AG für das Lentos von der Dividende abgezogen wird", sagte Baier. Er könne der Linz AG aber vorschlagen, dass sie die freie Szene mehr unterstütze.

4. Langfristigere Förderungen und somit mehr Planungssicherheit

"Mit den derzeitigen Förderungen ist es schwierig, langfristig zu planen", sagte die freie Kulturschaffende Betty Wimmer und erntete dafür Applaus. Sie forderte, dass es mehr langjährige Förderungen geben soll. Diesen Vorschlag sieht Baier skeptisch. "Ich möchte mir die Flexibilität bei den Förderungen behalten. Es hat auch keinen Sinn, wenn ich jetzt etwas verspreche, was ich nicht einhalten kann", antwortete Baier.

 

Meinungen

"Durch wenige langjährige Förderungen nehmen Sie in Kauf, dass es viele prekäre Arbeitsverhältnisse gibt.“
Elisabeth Lacher, freie Kulturschaffende

"Ist es gerechtfertigt, dass Institutionen wie das Landesgericht Förderungen aus den frei verfügbaren Mitteln bekommen?“
Thomas Diesenreiter, Obmann des Stadtkulturbeirates

"Ich habe das Gefühl, dass das Frustpotential in der freien Kulturszene immer größer wird.“
Nik Raspotnik, Artistic Director im Theater in der Innenstadt, zur Stimmung bei vielen Künstlern abseits der großen Häuser.

"Mit den derzeitigen Fördertöpfen ist es schwierig, langfristig zu planen. Freischaffende können nicht auf ein ,Vielleicht’ hoffen.“
Betty Wimmer, freischaffende Künstlerin

"Herr Baier, jetzt wissen wir, dass die Förderungen nicht mehr werden. Danke. Was empfehlen Sie der freien Szene jetzt?“
Thomas Kreiseder, Kulturmanager

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Artikel 28. April 2014 - 00:04 Uhr
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