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Linz

87 Prozent Migranten an Schulen: "Sind genauso unsere Schüler"

19. Januar 2015 00:04 Uhr

Bis zu 87 Prozent Migranten an Trauns Schulen: "Sind genauso unsere Schüler"
Auf dem Podium: Direktorinnen Elfriede Pogadl und Gabriele Weinbauer (v. l.), Politiker Marie-Edwige Hartig und Bernhard Kuppek, Direktorin Gabriele Stütz, Schulservice-Leiter Alois Rachbauer und Moderator Herbert Schorn

TRAUN. OÖN-Diskussion über die hohe Zahl an Migranten und deren ungleiche Verteilung auf die Volksschulen – VP will Schule im Stadtzentrum durch einen Neubau aufwerten.

Bis zu 87 Prozent beträgt der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund in den Trauner Volksschulen. Wie gehen diese Schulen damit um? Sinkt dadurch das Niveau? Oder eröffnen sich dadurch neue Chancen, auch für die österreichischen Kinder?

Diesen Fragen widmete sich am Freitagabend eine gut besuchte Podiumsdiskussion in der Spinnerei. Mit dabei waren VP-Vizebürgermeister Bernhard Kuppek, zuständig für die Schulen, die Direktorinnen Elfriede Pogadl (VS St. Martin), Gabriele Weinbauer (VS St. Dionysen), Gabriele Stütz (VS Ansfelden), Alois Rachbauer vom Schulservice und die Linzer Grünen-Gemeinderätin Marie-Edwige Hartig, die die VS Traun besuchte. Organisiert hatten die Veranstaltung Natasa Bojanovic und Elvira Susic als Maturaprojekt für die HAK in Traun.

"Können zu wenig Deutsch"

"Die große Herausforderung ist, dass viele Kinder zu wenig Deutsch können, wenn sie in die Schule kommen", sagte Kuppek. "Ohne die Sprache funktioniert Integration nicht. Die Kinder haben dann einen Nachteil, der sich durch die gesamte Schullaufbahn zieht." Außerdem komme von vielen Eltern zu wenig Unterstützung. Die werde allerdings allgemein geringer, sagte Direktorin Stütz: "Lang nicht mehr alle Eltern helfen den Kindern zuhause. Geübt werden muss in der Schule."

Wie hat aber der hohe Migrantenanteil den Unterricht verändert? "Das Wichtigste ist es, auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen", sagt Pogadl. Für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache gibt es zusätzliche Sprachförderkurse. Diese sollten aber nicht nur in Extragruppen, sondern auch im gemeinsamen Unterricht gehalten werden: "Denn das wichtigste Sprachvorbild sind die anderen Kinder." Selbst wenn es kaum mehr deutschsprachige Kinder gibt? "Ja, denn die gemeinsame Sprache ist Deutsch." Pogadl sieht die hohe Zahl an Migrantenkinder pragmatisch: "Das sind genauso unsere Schüler." Das unterstrich eine Mutter aus dem Publikum: "Meine Tochter profitiert davon, dass zwei Lehrerinnen in der Klasse sind."

In St. Dionysen steht Zusammenarbeit hoch im Kurs: So planen etwa alle Lehrerinnen eines Jahrgangs jede Woche gemeinsam den Unterricht. "Das ist eine Bereicherung", sagt Weinbauer. Bei den Schülern werden die Großen angeregt, den Kleinen zu helfen – vom Anziehen bis zum Lesen.

Neue Deutsch-Schularbeiten

In der VS Ansfelden wurden die Deutsch-Schularbeiten verändert – weg vom reinen Aufsatz hin zum mehrteiligen Test. So sollen auch Migranten bessere Chancen haben. Schaffen sie später das Gymnasium? "Nicht alle", meint Stütz, "weil ihnen manchmal die intensive Betreuung fehlt." Eltern, die sich wenig in die Schulangelegenheiten einmischen, mangelndes Interesse vorzuwerfen, sei nicht immer fair, sagte Hartig: "Das ist in vielen Kulturen nicht üblich." Für sie ist vor allem wichtig, wie die Kinder aufgenommen werden: "Ein wertschätzender Umgang ist das Um und Auf."

 

„Lehrer sind erfinderisch“

Migrantenkinder als Herausforderung für Schulen

"Die große Herausforderung ist, dass viele Kinder zu wenig Deutsch können, wenn sie in die Schule kommen.“
Bernhard Kuppek, VP-Vizebürgermeister und Schulreferent

"In manchen Schulen gibt es nicht genug Platz für Gruppenunterricht, aber die Lehrer sind sehr erfinderisch.“
Alois Rachbauer, Leiter des Schulservice der Stadt Traun

"Wir haben 14 Nationen an der Schule. Wir versuchen, dass sich die Kinder gegenseitig helfen.“
Gabriele Weinbauer, Direktorin, Volksschule St. Dionysen

"Im Unterricht ist Sprache wichtig. Die Kinder müssen sich reden trauen.“
Elfriede Pogadl, Direktorin der Volksschule St. Martin

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