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Retten wir die Bienen

Erste Wohnadresse für Wildbienen, die Einzelgänger sind

Von Hannes Fehringer   20. Juni 2018 00:04 Uhr

Erste Wohnadresse für Wildbienen, die Einzelgänger sind
Im „Insektenhaus“ leben viele Mieter.

MICHELDORF. Katrin Lugerbauer lässt Kräuter wachsen und betreibt ein Gästehaus für Insekten.

Die roten Blüten des Klatschmohnes, der auf dem Sandbeet wächst, steuern nicht nur Honigbienen an, denen er die besten Pollen liefert. Wildbienen, die Einzelgänger sind, Wespen, die nicht stechen, und Hummeln tun sich an der bereits rar gewordenen Nahrungsquelle gütlich. Die HTL-Lehrerin Katrin Lugerbauer lässt diese Wildpflanzen bewusst inmitten einer Blütenpracht im Garten ihres Elternhauses in Micheldorf wachsen: "Wenn es für die für uns Menschen so lebenswichtigen Insekten wieder Lebensräume gibt, dann kehren sie auch wieder zurück."

In dem Garten, in dem nur auf den Gehwegen zwischen der Pflanzenwelt Rasen gesät und gemäht wird und der trotz eines hohen Anteils ortsansässiger Wildpflanzen keine Gstätten ist und sehr gepflegt erscheint, brummten im Frühjahr wieder die Mai- und Junikäfer. Über den Teich schwirren Libellen und in einem "Insektenhaus", das Lugerbauer gebaut hat, kriechen Wespen, die wie Flugameisen aussehen, emsig in die Löcher hinein und heraus.

Dem üppigen Bewuchs der Liegenschaft um das Elternhaus ist eine geradezu wissenschaftliche Beschäftigung der Geographie- und Deutschprofessorin mit Botanik, Fauna und Flora vorausgegangen. "Der Garten ist nicht einfach wild aufgegangen, sondern die Pflanzen sind genau ausgesucht", verrät Lugerbauer. Ziel ist die Wiederkehr einer Artenvielfalt, wie es sie früher auf den Wiesen des Kremstales gegeben hat. Zum Lohn flattern Schmetterlinge über die Büsche und Sträucher und setzen sich auf die Blütenkelche, die aus dem Gras leuchten.

Nebenher ist Lugerbauer auch als Bloggerin im Internet für Hobbygärtner eine gute Adresse geworden. Die HTL-Lehrerin hat selber viel mit "Insektenhotels" herumgetüftelt, hat herausgefunden, warum viele der gut gemeinten Unterkünfte aus den Baumärkten unbewohnt bleiben. "Oft sind die Löcher einfach falsch gebohrt", erklärt Lugerbauer. Die Öffnungen der Röhren in Ziegel und Hölzer müssen gut abgefeilt sein, damit sich die Wildbienen und sonstigen Hautflügler nicht an ihnen verletzten. Das Knowhow bietet Lugerbauer auf ihrem Blog gratis zur Nachlese an.

Ihr Faible für das Wachsen und Gedeihen in der Natur hat mittlerweile die ganze Familie angesteckt. Der Hausgarten ist der ganze Stolz von Lugerbauers Mutter. "Wir kaufen kein Gemüse mehr im Supermarkt, weil wir das essen, was aus eigener Erde kommt", sagt Katrin Lugerbauer. Auf den Hochbeeten wachsen Paprika- und Paradeisersorten, die der Massenhandel längst aussortiert hat, die aber in ihrem Geschmack einzigartig sind.

Lugerbauer und ihre ganze Familie wollen das Gartenwissen nicht für sich behalten und mit anderen teilen. Dafür wird einmal im Jahr für einen Besuchstag das Gartentor bei freiem Eintritt für jedermann geöffnet, der bei sich zuhause einen Beitrag für die Natur leisten will. Auf einem Verkaufstischchen gibt es auch Marmelade und andere Kleinigkeiten zur Stärkung zu kaufen, der Erlös kommt einem Sozialzweck in Micheldorf zugute. Die Heidenarbeit mit Harke und Gießkanne macht sich die Familie für Gottes Lohn: "Diese Pracht der Blumen um uns herum, ist der beste und größte Lohn", sagt Katrin Lugerbauer.

Wochenende der "offenen Gartentür" am 30. Juni und 1. Juli, Familie Lugerbauer, Grabenstraße 3,

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