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Oberösterreich

Nazi-Symbole auf dem „Hitlergrab“: Jetzt ermittelt Verfassungsschutz

Von Alfons Krieglsteiner   15. November 2011 18:42 Uhr

Hitler Grab Eltern

LEONDING. Das Grab von Hitlers Eltern im katholischen Friedhof Leonding wird zur unliebsamen Kultstätte: Vor kurzem haben es Unbekannte mit vergoldetem Eichenlaub und einer Vase mit SS-Rune geschmückt. Der Verfassungsschutz ermittelt wegen Verdachts der Wiederbetätigung.

Ein Bediensteter der Stadtverwaltung hatte die Polizei Leonding informiert, dass ein Unbekannter Blumen in eine Vase gestellt habe, auf der in großen Lettern „unvergesslich“ eingraviert war – mit dem Doppel-S in Runenform. Der Grabbesucher gab sich als Wiener Künstler und „Enkel Hitlers“ aus. Wer die Vase aufgestellt hat, ist unklar. Das Landesamt für Verfassungsschutz ermittelt.

Die Polizeiinspektion Leonding hat ihre Patrouillen auf dem Friedhof verstärkt, in den vergangenen zwei Wochen habe es aber keine Vorfälle gegeben, hieß es. Immer wieder sollen deutsche Skinheads an dem Grab Mahnwachen abhalten. Zu Hitlers 120. Geburtstag legten Unbekannte einen stattlichen Kranz mit Schleife ab, zu Allerheiligen war das Grab auffällig geschmückt.

Die Besitzerin, bei der es sich um eine entfernte Verwandte Hitlers handeln soll, lässt solche Ehrbezeugungen regelmäßig entfernen. „Leider gibt das katholische Pfarramt nicht bekannt, wer die Frau ist, sonst hätten wir uns schon mit ihr in Verbindung gesetzt“, sagt Bürgermeister Walter Brunner (SP). Zwar könne es auch im Fall Hitler keine Sippenhaftung geben, „es muss aber alles getan werden, um eine Kultstätte für Ewiggestrige zu verhindern“.

Über das weitere Vorgehen will sich Brunner heute mit Michael Tischlinger, Chef des Landesamtes für Verfassungsschutz, beraten. Zuständig fürs Nutzungsrecht ist die Pfarre. Stadtpfarrer Kurt Pittertschatscher will laut Bürgermeister eine rechtliche Prüfung durch die Diözese anregen. „Wir wollen jetzt herausfinden, wem das Grab gehört und wie oft es Vorfälle gegeben hat“, kündigte Tischlinger an.

„Man soll die Sache nicht so hochspielen“, sagte Hedwig Haberfellner (74), die gestern das Grab ihres verstorbenen Gatten genau gegenüber dem Hitlergrab besuchte. Hauptsache ist für sie, „dass die Gräber ordentlich ausschauen“. Und eine ältere Dame, die anonym bleiben möchte, nahm Hitlers Eltern in Schutz: „Sie können ja nichts dafür, dass der Adolf so geworden ist.“ Auch sie findet es „nicht schlecht“, dass das Grab gut gepflegt erscheint. Nicht zuletzt für die vielen Touristen aus Japan und China: „Die kommen in Bussen her und suchen das Hitlergrab.“

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