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Oberösterreicher des Jahres: Sie haben 2018 das Land geprägt

19. Januar 2019, 00:05 Uhr
Begründung: Dank Sepp Hochreiter findet die Linzer Uni weltweite Beachtung. Konzerne wie Google und Porsche wollen mit Hochreiter kooperieren. Dass ich als Bayer Oberösterreicher des Jahres bin, ist schon eine ganz besondere Auszeichnung.“ Sepp Hochreiter, Uni-Professor Bild: Weihbold

Der Linzer Uni-Professor Sepp Hochreiter ist Spitzenforscher für Künstliche Intelligenz, Maria Katharina Moser leitet als erste Frau seit September die Diakonie Österreich, Bilderbuch aus Kremsmünster ist die derzeit spannendste Popband im deutschsprachigen Raum.

Künstliche Intelligenz: Uni-Professor lehrt die Maschinen das Denken

Der Bayer Sepp Hochreiter (51) ist Oberösterreicher des Jahres in der Kategorie "Wirtschaft und Wissenschaft"

Von Dietmar Mascher und Susanne Dickstein

"Wann spielt heute der FC Bayern", ruft Sepp Hochreiter seinem Handy zu. "Heute um 20.30 Uhr gegen Hoffenheim", schallt es zurück. "So was Blödes. Da habe ich eine Telefonkonferenz mit Investoren aus dem Silicon Valley. Die wollen vielleicht ein paar Millionen in Linz investieren", erzählt der Uni-Professor nebenbei.

Für den gebürtigen Bayern sind die Spiele des Rekordmeisters von ähnlichem Interesse wie Schach, Mathematik und die Landwirtschaft. Die Summe dieser Interessen hat den Bauernsohn und potenziellen Hoferben aus Mühldorf am Inn zu einem der Pioniere der Künstlichen Intelligenz gemacht. In seiner Diplomarbeit hat der 51-Jährige das sogenannte "Long Short Term Memory" entwickelt. Es stellt heute die Grundlage für die Spracherkennung moderner Handys und Navigationssysteme dar. Hochreiter kam vor 13 Jahren an die Linzer Uni und übernahm das Institut für Bioinformatik, das heute als "Institute for Machine Learning" geführt wird. Damit ist auch seine Forschungsarbeit grob umrissen: "Ich lehre Maschinen das Denken." Bisher habe sich der Mensch auf die Maschinen einstellen müssen. "Durch Künstliche Intelligenz wird dies umgekehrt. Sie nimmt ihm Routinearbeiten ab. Der Mensch kann sich auf das konzentrieren, was die Arbeitswelt spannend macht", erklärt Hochreiter.

 

Selfie-König von Korea

Seine Forschungstätigkeit hat ihn international berühmt gemacht. Bei Samsung in Korea haben sich die Mitarbeiter angestellt, um mit Hochreiter Selfies machen zu dürfen. Konzerne wie Porsche, Infineon, Bosch und Siemens geben sich die Klinke von Hochreiters Bürotür in die Hand, um mit ihm zusammenzuarbeiten. Allein die Nennung seines Namens in Zusammenhang mit der Forschung ist dem einen oder anderen einen siebenstelligen Betrag wert. "Kürzlich hat mich Google kontaktiert, weil sie in Linz investieren wollen. Dabei hätte ich weitgehend freie Hand", erzählt er.

Obwohl international begehrt, ist es der JKU gelungen, Hochreiter langfristig zu halten. Das erklärt der Informatiker vor allem damit, dass ihm als Bayer die Mentalität der Oberösterreicher zusage. "Hier gilt – genau wie auf dem Stiermarkt – eine Handschlagqualität, die man in Wien oder Berlin so nicht hat. Hier wird umgesetzt und nicht nur geredet."

Seine Frau, eine Musikwissenschaftlerin, und seine drei Kinder hätten so wie er in Linz eine Heimat gefunden. Aber nicht alle sind so technikaffin wie der Familienvater: "Meine Frau hat meine Freundin Alexa aus der Wohnung geschmissen." Der Sprachassistent von Amazon steht jetzt wieder in Hochreiters Uni-Büro. Aber auch dort gibt es einen kleinen Anachronismus: Die Termine trägt der Pionier der Künstlichen Intelligenz mit einem Bleistift in einen Papierkalender ein.

 

Pfarrerin, Feministin und die erste Frau an der Spitze der Diakonie Österreich

 

Von Wolfgang Braun

Im Stiftsgymnasium in Wilhering hieß es, sie wolle einmal Päpstin werden. „Das war ein Gag damals, ich weiß gar nicht mehr, ob ich das selbst gesagt habe oder eine Mitschülerin“, erinnert sich Maria Katharina Moser.

Die 44-Jährige aus Eferding wurde 2018 zwar nicht Päpstin, aber als erste Frau (und auch als erste Oberösterreicherin) Direktorin der Diakonie Österreich, die mit rund 9500 Mitarbeitern zu den größten Sozialorganisationen Österreichs zählt.

Begründung: Maria Katharina Moser engagiert sich für sozial Schwache und steht stellvertretend für viele Mitarbeiter in Österreichs Sozialorganisationen. Bild: Weihbold

Sie übernimmt die Diakonie damit in einer Zeit, in der karitative Organisationen auch ins Visier politischer Attacken kommen, vor allem wegen ihres Engagements in der Flüchtlingshilfe. Beim Festgottesdienst anlässlich ihrer Amtseinführung fand Moser dazu deutliche Worte: „Auch wenn der Platzregen der politischen Debatten hereinbricht, auch wenn die Wasser der Sparmaßnahmen kommen, auch wenn die Winde wehen und am Haus der Rechtsstaatlichkeit rütteln, auch wenn sich politische und moralische Haltungen rechts und links von uns verschieben – als Diakonie stehen wir fest auf dem Boden des Evangeliums und tun das, was wir immer getan haben: Menschen ein Leben in Fülle ermöglichen.“

Und woher kommt der eingangs erwähnte „Berufswunsch Päpstin“? „Ich habe mich schon sehr früh in der Kirche engagiert, in jungen Jahren noch in der katholischen Kirche. Die Pfarrgemeinde war ein Ort, in dem wir Junge etwas bewegen konnten und auch ernst genommen wurden“, sagt Moser. Nur dass sie als Mädchen nicht ministrieren durfte, hat sie damals sehr geärgert. Zur evangelischen Kirche ist sie aber erst mit 39 Jahren übergetreten. „Das war ein längerer Prozess“, sagt Moser.

Moser studierte nach der Matura am Stiftsgymnasium Wilhering Theologie in Wien und interkulturelle Frauenforschung in Manila. Beruflich führte sie ihr Weg über eine Gastprofessur an der Universität des Saarlandes und eine siebenjährige Tätigkeit als Journalistin in der Religionsabteilung des ORF zur evangelischen Kirche, wo sie zuerst Vikarin und dann Pfarrerin in Wien-Simmering wurde. Am 1. September 2018 folgte sie schließlich Michael Chalupka als Direktorin der Diakonie Österreich nach.

In ihrer Freizeit liest und kocht Moser gerne. „Ich kann aber auch sehr gut nichts tun“, sagt sie. Sie sei Feministin und ein „kritischer Geist, der immer mehr wissen will“. Der gesellschaftspolitische Stellenwert ihrer Aufgabe als Diakonie-Direktorin ist ihr bewusst: Pflege, Betreuung und Integration von Menschen mit Behinderung, Kinder- und Jugendhilfe sowie Flüchtlingsbetreuung seien die Kern-Aufgaben der Diakonie. „Wir ergreifen Partei für die Menschen, die am Rand stehen. Wie man mit diesen Menschen umgeht, ist ein Seismograph dafür, wie es in einer Gesellschaft um die Würde der Menschen bestellt ist“, sagt Moser.

 

Für Bilderbuch zählt einzig und allein die Musik, der Rest ist nur Beiwerk

 

Das Kremsmünsterer Pop-Quartett krempelt mit seinen herrlich lässigen Pop-Krachern die heimische Musikwelt nachhaltig um.

Von Lukas Luger

Mit ihren grenzgenial-bescheuerten Wortschmähs, ordentlich Sex-Appeal und einer großen Portion Coolness haben sie die deutschsprachige Musik per Schocktherapie von ihrer unerträglichen Biederkeit befreit und zu neuen kreativen Höhen geführt: Die vier Kremsmünsterer Burschen von Bilderbuch sind derzeit zweifellos die angesagteste Pop-Band Österreichs! Aber nicht nur in heimischen Gefilden ist der Rummel um Peter Horazdovsky, Michael Krammer, Philipp Scheibl und ihren exaltierten Sänger und Frontmann Maurice Ernst gigantisch, auch in Deutschland euphorisiert das Anfang 2005 im Stiftsgymnasium gegründete Quartett Fans und Kritiker gleichermaßen.

Lobpreisungen, die die überraschend Anfang Dezember veröffentlichte neue Platte „Mea Culpa“ nur weiter befeuerte. So ruhig und tiefenentspannt, dabei gleichzeitig derart hypnotisch und experimentierfreudig wie auf Album Nummer fünf klangen die vier Oberösterreicher noch nie. Doch 2018 war erst der Anfang, für das heurige Jahr basteln Bilderbuch an noch Größerem. Bereits Ende Februar erscheint eine neue CD, die den herrlich versponnenen Titel „Vernissage My Heart“ tragen wird. Als Krönung sind drei groß angelegte Open-Air-Konzerte – zwei in Wien im Schatten von Schloss Schönbrunn und eines auf der Linzer Donaulände – fixiert.

Begründung: Wie kaum eine andere Band im deutschsprachigen Raum verkörpern Bilderbuch aus Kremsmünster derzeit die Zukunft der Popmusik. Bild: Bilderbuch

Popstars, aber auf leiwand

Trotz allenthalben einprasselndem Kritikerlob, ausverkauften Hallen, etlichen Chart-Topplatzierungen – von irgendwelchen Allüren oder Spinnereien ist abseits der Bühne keiner der vier Bilderbuch-Burschen geplagt. Es ist einzig die Musik, die zählt. Nicht das Ego. Nicht der Ruhm. Nicht die Mädels. Bilderbuch sind Popstars, eh klar, aber auf leiwand eben.

Vielleicht sind es ja die Erinnerungen an die harten Karriere-Anfänge, die alle Beteiligten erden. Denn die ersten beiden Bilderbuch-Alben „Nelken & Schillinge“ (2009) und „Die Pest im Piemont“ (2011) erregten bei ihrem Erscheinen quasi keine Aufmerksamkeit, die Konzerte fanden lange ausschließlich in kleinen Clubs vor überschaubarem Publikum statt.

Mehrere „Amadeus“-Awards? Undenkbar! Platz 2 in den Album-Charts? Ein absoluter Traum. Gefeierter Frequency-Headliner? Geh, bitte! Erst mit der fulminanten Single „Maschin“ samt dazugehörigem Video gelang Bilderbuch im Oktober 2013 der Durchbruch – und in den Folgejahren nach und nach die Erfüllung aller drei genannten Karriereschritte.

Vielleicht ist es aber nicht der holprige und kurvenreiche Weg zum jetzigen Erfolg, der die Kremsmünsteraner prägte, sondern es gilt schlicht und einfach, was Maurice Ernst einmal im OÖN-Interview pointiert formulierte: „Am Schluss geht es um uns vier Burschen in einem Raum, die gemeinsam Musik machen. Der Rest drumherum ist nur Beiwerk.“

 

Die Auszeichnung

Eines vorweg: Diese Wahl ist höchst subjektiv. Wer hat während des Jahres in positiver Weise seine Spuren im Land hinterlassen? Wenn wir uns diese Frage stellen, fallen viele Namen, doch am Ende muss eine Entscheidung stehen. 2015 ehrten wir Franz Saxinger, den Bürgermeister von
Kollerschlag, dessen Gemeinde wegen der Flüchtlingswelle besonders gefordert gewesen war. 2017 holten wir die Mühlviertler Brüder Kreisel als Elektro-Pioniere vor den Vorhang.

 

 

 

 

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