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Die Sowjetmentalität ist in Russland unausrottbar

MOSKAU. Der heutige 100. Jahrestag der russischen Revolution ist für die Staatsführung "kein Grund zum Feiern".

Die Sowjetmentalität ist in Russland unausrottbar

Keine Opposition: Die Kommunisten halten sich an die Spielregeln des Kreml. (rts) Bild: APA/AFP/MLADEN ANTONOV

Die russische Staatsführung plant keinerlei Maßnahmen zum 100. Jahrestag der russischen Revolution. "Was gibt es denn da zu feiern?", will Kremlsprecher Dmitri Peskow wissen. Nur die Kommunistische Partei Russlands (KPRF) plant eine Kundgebung. Aber von der erwartet niemand etwas Revolutionäres.

Am 7. November 1917 ergriffen in Russland die Bolschewisten die Macht und errichteten die Sowjetunion, ein Zukunftsexperiment, das die ganze Welt in ein kommunistisches Paradies verwandeln sollte, nach verschiedenen Schätzungen aber 12 bis 60 Millionen Menschen das Leben kostete. 1991 zerfiel die Union, eines ihrer wenigen organisatorischen Überbleibsel ist jene KPRF. Aber die Kommunisten riskieren heute keine politische Randale, die Masse ihrer Landsleute auch nicht. Die Sowjetunion ist untergegangen, aber ihre Mentalität scheint unausrottbar.

Die KPRF gibt sich oppositionell, hält sich aber an die Spielregeln des Kremls. Bei den Duma-Wahlen 2016 holte sie über sieben Millionen Russen oder 13,3 Prozent. "Es ist vor allem die Partei der Rentner, denen sie als Ideologie mythologisierte Sowjetvergangenheit anbietet", sagt der Politologe Juri Korgonjuk. Der Kommunismus als irdische Heilsidee ist praktisch tot, 84 Prozent der Russen glauben jetzt an Gott. Und Wladimir Putin verurteilte kürzlich die Repressalien der Sowjetzeit. "Für diese Verbrechen gibt es keine Entschuldigung." Aber das sei kein Grund, jetzt zur Abrechnung aufzurufen. Die meisten Hinterbliebenen kennen die Namen der Sicherheitsmänner nicht, die ihre Eltern oder Großeltern liquidiert haben. Viele wollen sie auch nicht kennen.

Zurück zur Vergangenheit

Nach dem Zerfall der Sowjetunion hat der KGB als FSB weitergemacht. "Dazu kommt das Staatsfernsehen, das die Repressalien und ihre Opfer klein redet", sagt der Menschenrechtler Lew Ponomarjow. "Und die Gesellschaft ist traumatisiert." Wie Putin, der sein KPdSU-Parteibuch bis heute aufbewahrt, orientiert sich die Masse der Russen moralisch Richtung Vergangenheit. Man klammert sich an sowjetische Kinderbücher und Schlager, dreht reihenweise neue Filme über den "großen, vaterländischen" Sieg im Zweiten Weltkrieg. Alljährlich feiert sich Russland als Alleinretter der Welt vor Hitler. Eine Geschichtsdebatte, die Stalins Herrschaft in die Nähe des Naziregimes stellen könnte, vermeidet man. 34 Prozent der Russen halten Putin für den bedeutendsten Mann der Weltgeschichte, 38 Prozent aber Stalin. Wie unter Stalin haben die Sicherheitsorgane wieder begonnen, potenziellen Oppositionellen als Verschwörern den Prozess zu machen. "Wie damals werden Menschen ohne Beweise verhaftet", sagt der Oppositionelle Ryschkow. 

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Artikel (scholl) 07. November 2017 - 00:04 Uhr
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