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"Seine große Kunst war einfach unser Alltag!"

Interview mit Ilse Leitl anlässlich der Artemons-Ausstellung zum 120er ihres Vaters, des Künstlers Anton Lutz.

Ilse Leitl Tochter von Anton Lutz

Ilse Leitl, 1966 vom Vater gemalt Bild: Leitl

Von Licht durchdrungen scheinen die Gemälde, Aquarelle, Farbkreide-Arbeiten von Anton Lutz (1894– 1992). Zum 120. Geburtstag des bedeutenden oberösterreichischen Impressionisten und Gründungsmitglieds des MAERZ ist ab heute, 19 Uhr, eine Ausstellung im Kunstmuseum Artemons in Hellmonsödt zu sehen. Wunderbare Landschaften, Stillleben und Akte – virtuose Kompositionen von Masse im Raum. Mit Ilse Leitl (*1926, Mutter von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl), der Tochter von Anton Lutz, sprachen die OÖN über das Leben mit dieser herausragenden Künstlerpersönlichkeit.

 

OÖN: Wie haben Sie als Kind Ihren Vater wahrgenommen?

Ilse Leitl: Ich bin damit aufgewachsen, dass er ständig gemalt hat. Bin mit dem Geruch von Terpentin und Nelkenöl groß geworden. Ob das jetzt im Freien war oder im Atelier, es war untrennbar mit ihm verbunden. Seine große Kunst war einfach unser Alltag!

Haben Sie seine Fähigkeiten bewundert, oder waren Sie manchmal davon genervt? Es kommt bei vielen Kindern die Zeit, wo sie dem, was ihre Eltern machen, kritisch gegenüberstehen.

Genervt war ich nie von seiner Malerei. Sie war mir einfach selbstverständlich. Ich habe auch sehr bewundert, was er da gemacht hat.

Wie ist es Ihnen damit im Kreis Ihrer Freundinnen gegangen? Für viele galt und gilt ja ein Künstler mitunter als Exot.

Mein Vater war nie ein Exot. Er war auch sehr kinderfreundlich, war ja bis zu seinem 34. Lebensjahr Volksschullehrer. Ein sehr geliebter Lehrer übrigens. Er hatte auch einen großen, sehr guten Freundeskreis, darunter Künstler wie Leo Adler oder Paul Ikrath. Wobei ich sagen muss, dass dabei nicht – so wie heute oft – eine hochg’stochene Kunstphilosophie gepflegt wurde. Es war – wie gesagt – die Kunst bei uns einfach selbstverständlich.

Durfte man Ihren Vater stören bei der Malerei?

Er hat sich nicht irritieren lassen. Es war auch oft so, dass wir alle im Garten waren, und mein Vater hat sich mit seinen Pflanzen beschäftigt, gegossen, gejätet. Plötzlich ist er stillschweigend verschwunden und war im Atelier und hat gemalt. Nach ein, zwei Stunden ist er wieder gekommen und hat bei seinen Pflanzen weitergewerkelt. Seine Malerei ging wirklich hundertprozentig in sein Leben ein.

Wie hat Anton Lutz Ihr eigenes Verhältnis zur Kunst geprägt?

Er wollte mich stets fördern. Aber ich hatte ihn natürlich immer als großes Vorbild vor Augen. Ich hätte zwar im Kopf gesehen, was ich machen möchte, das ist aber von der Hand her nicht gegangen. Das war dann nicht lustig.

Zeichnen Sie noch?

Nein. Ich habe unter seiner Anleitung und mit ihm gezeichnet und auch ein bissl aquarelliert, aber: es hat mich nicht "getrieben". Und ich hab damals schon gemerkt: Meinen Vater hat es immer getrieben!

Ist Ihnen die Kunst auch heute noch wichtig?

Ja. Und zwar egal, ob das Malerei ist, Architektur, Musik oder Dichtkunst. Das ist alles für mich hochinteressant. Gerade erst war ich in New York und war natürlich auch im Metropolitan Museum, im Guggenheim, im Modern Art, hab’ mir überall meine Lieblinge rausgesucht. Ich hab’ – natürlich geprägt durch meinen Vater – sehr viel Interesse für die Impressionisten.

Wer ist Ihr absoluter "Liebling" in der Kunstgeschichte?

Monet. Eindeutig.

Da gibt’s ja einen ähnlichen Anspruch und eine inhaltliche Nähe zur Kunst des Anton Lutz?

Inhaltlich ja. Aber ich verwahre mich dagegen, dass er die Impressionisten in irgendeiner Form kopiert hätte. Es wäre ihm zu der Zeit auch gar nicht möglich gewesen, jetzt lang nach Paris zu gehen und die dort zu studieren. Und Reproduktionen hat es damals auch noch keine gegeben. Seine Malerei war also immer absolut eigenständig und unbeeinflusst.

Wie würden Sie den Menschen Anton Lutz in aller Kürze beschreiben?

Lebensfroh!

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Artikel Irene Gunnesch 10. April 2014 - 00:04 Uhr
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