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„Dieser Bühnen-Hitler wird lockerer“

Im Linzer Theater Phönix ist Simon Jaritz in „Er ist wieder da“ als Adolf Hitler zu sehen

Simon Jaritz spielt Adolf Hitler

„Er ist wieder da“: Simon Jaritz spielt Adolf Hitler. Bild: Herzenberger

Als Adolf Hitler ist der aus Graz stammende Schauspieler Simon Jaritz (40) derzeit im Linzer Theater Phönix zu sehen. In jener von Theaterleiter Harald Gebhartl geschriebenen Bühnenfassung nach dem Bestseller „Er ist wieder da“ von Timur Vermes: Hitler erwacht in unserer Zeit mitten in Berlin, wird schnell von den Medien entdeckt – und entdeckt diese für sich, um berühmt zu werden.

OÖNachrichten: Haben Sie gezögert, als Sie gefragt wurden, ob Sie Hitler auf der Bühne darstellen möchten?

Simon Jaritz: Ja, ich habe schon ein wenig überlegt, weil Rollen ja auch manchmal mit einem Schauspieler etwas machen. Ich habe das Buch gekannt, habe es dann nochmals gelesen und war mir unsicher, wie man das auf die Bühne bringen könne. Aber Harald Gebhartl hat mich dann doch schnell überzeugen können.

Wie ist das gemeint: Jede Rolle macht etwas mit einem Schauspieler?

Wenn ich beispielsweise den Jago spiele, versuche ich schon zu finden: Wo steckt mein Neid, meine Eifersucht? Hitler ist eine entsetzliche, grauenhafte historische Figur. Da muss ich mich schon distanzieren. Aber man findet auch Abgründe in sich, beispielsweise: wie kann man andere überzeugen von einer Idee, wie Leute manipulieren? Das fasziniert mich auch an dieser Rolle.

Es gibt für diese Rolle äußere Kennzeichen, aber auch den typischen Sprachduktus, die Gestik. Wie haben Sie das einstudiert?

Ich habe mir viele Reden von Hitler angehört. Und habe am Beginn versucht, ihn zu kopieren. Davon habe ich mich aber immer mehr verabschiedet, weil das trägt für eine kurze Slapstick-Nummer, aber nicht einen Theaterabend. Dieser Bühnen-Hitler entwickelt sich, er wird lockerer. So war die historische Figur nie.

Sie erzählen als Hitler unglaubliche Dinge, das Publikum lacht dazu. Ist das für Sie manchmal unverständlich?

Das ist jeden Abend anders. Es gibt Leute, die überhaupt nicht lachen, und andere lachen von der ersten Minute an. Aber das Publikum hat natürlich die Freiheit, zu entscheiden, was es tun will.

Darf, soll oder muss man über Hitler lachen?

All das! Das haben ja schon zahlreiche Filme getan – und das ist gut so. Das ist eben eine Möglichkeit, mit dem Grauen umzugehen.

Sie haben schon einige Rollen am Theater Phönix gespielt. Was macht das Phönix so besonders?

Vieles. Das Phönix ist ein Haus mit sehr flachen Hierarchien und sehr engagierten Menschen. Ich habe den Eindruck, dass sich hier alle für Theater interessieren, das ist nicht nur ein Job. Und außerdem bekomme ich auch immer schöne Rollen angeboten!

Sie sind freiberuflicher Schauspieler mit Wohnsitz in Wien. Wie schwierig ist es, als Freiberufler in dieser Branche zu leben?

Bisher ist es für mich gar nicht schwierig. Es hat sich immer etwas ergeben. Ich spiele ja nicht nur Theater, ich spreche auch Radio- oder Fernsehwerbungen. Das bringt Geld ein. Ich bin froh, freiberuflich zu arbeiten. Das ist mir lieber, als Zwei-Sätze-Rollen am Burgtheater zu spielen (lacht). Für mich zählt die tolle Rolle mehr!

 

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Artikel Silvia Nagl 19. Dezember 2015 - 00:04 Uhr
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