Gesundheit

Menü
Facebook Twitter Google+ E-Mail

Gehrin und Gewicht stehen in Wechselwirkung Bild: colourbox.de

Schädigt Übergewicht das Gehirn? - Risiko für Demenz entdeckt

Noch ist unklar, ob das Schrumpfen des Gehirns die Auswirkung oder die Ursache für Übergewicht ist.

Von nachrichten.at/apa, 10. Januar 2019 - 09:50 Uhr

Bei Menschen mit starkem Übergewicht kann das Gehirn in bestimmten Bereichen geschrumpft sein. Das berichten britische Forscher in der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Neurology". Sie zeigten in ihrer Studie, dass der Effekt vor allem bei Menschen festzustellen ist, die um die Körpermitte viel Fett ansammeln. 

Es sei allerdings bisher unklar, ob das Übergewicht die Hirnveränderungen auslöse - oder ein verändertes Gehirn die Entstehung von Übergewicht begünstige. Auch die Frage, welche Konsequenzen die festgestellten Hirnveränderungen haben, untersuchten die Forscher nicht.

Dass starkes Übergewicht ein Wegbereiter für zahlreiche Krankheiten sein kann, steht außer Frage. Auf der Liste der Krankheiten stehen Diabetes, Gelenkschäden, Kreislauferkrankungen und Atembeschwerden. Unklar ist bisher aber, ob - und wenn ja, in welchem Ausmaß - überflüssige Pfunde auch eine Gefahr fürs Gehirn darstellen. Hinweise darauf hatten Forscher in der Vergangenheit in mehreren Studien gefunden. So zeigte 2017 eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, dass Fettleibigkeit wichtige Hirn-Netzwerke beeinträchtigen und das Alzheimer-Risiko erhöhen kann. Bereits 2010 hatte eine US-Studie ergeben, dass Adipositas das biologische Altern des Gehirns beschleunigt.

Demenz, weil das Gehirn schrumpft

Britische Forscher um den Sportmediziner Mark Hamer von der Loughborough-Universität untersuchten nun, wie sich Übergewicht speziell auf die sogenannte Graue Substanz im Hirn auswirkt. Diese "Substantia grisea" setzt sich vor allem aus Nervenzellkörpern zusammen und ist eine wesentliche Komponente des Zentralnervensystems. Im Gegensatz dazu besteht die Weiße Substanz aus Nervenfasern, welche die verschiedenen Areale des Hirns miteinander verbinden.

"Die Forschung hat eine Schrumpfung des Hirns mit einem Verfall des Gedächtnisses und einem erhöhten Risiko für Demenz in Verbindung gebracht", fasst Hamer in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung zusammen. "Unklar war bisher aber, ob zusätzliches Körperfett die Gehirngröße schützt oder schädigt."

Für die Studie werteten die Forscher Daten von 9.652 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren aus. Sie ermittelten den Body-Mass-Index (BMI) der Teilnehmer, also das Verhältnis ihres Körpergewichts zur Körpergröße. Von den Teilnehmern galten knapp 19 Prozent als adipös - sie hatten einen BMI von 30 und mehr. Allerdings ist der BMI in den vergangenen Jahren durchaus in die Kritik geraten, da selbst Menschen mit viel Muskelmasse oder einer höheren Knochendichte durch die reine Fokussierung auf das Gewicht einen sehr hohen BMI haben können.

Die britischen Mediziner bezogen daher zusätzlich den Körperfettanteil und den Taille-Hüfte-Quotienten (THQ) in ihre Analyse mit ein. Bei Frauen gilt ein THQ von 0,8 oder kleiner als gesund, bei Männern liegt der Wert bei 0,9 oder darunter. Der Quotient trifft auch eine Aussage darüber, ob man mehr ein Apfeltyp ist, das Körperfett sich also zum größten Teil um die Taille befindet, oder ein Birnentyp mit Fettpolstern vor allem um Hüfte, Po und Oberschenkel: Apfeltypen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Diabetes sowie Herz- und Kreislauferkrankungen.

Ferner wurden die Teilnehmer zu ihrer Gesundheit befragt. Per Magnetresonanztomografie bestimmten die Forscher dann die Gehirnvolumina für die Graue und Weiße Substanz und bezogen hier auch Faktoren ein, die Einfluss auf das Gehirnvolumen nehmen können, wie das Alter, körperliche Aktivität, Rauchen und Bluthochdruck.

Mit steigendem Bauchumfang schrumpfen die grauen Gehirnzellen

Das zentrale Ergebnis: Menschen, die sowohl einen hohen BMI als auch einen hohen THQ hatten, verfügten über ein geringeres Volumen an Grauer Substanz als diejenigen mit einem normalen THQ. Konkret stellten die Wissenschafter fest, dass die 1.291 Teilnehmer mit einem hohen BMI und einem hohen THQ mit durchschnittlich 786 Kubikzentimetern das geringste Volumen an Grauer Substanz aufwiesen. Im Vergleich dazu betrug dieser Wert bei den 3.025 Menschen mit einem normalen Gewicht 798 Kubikzentimeter. Die 514 Teilnehmer mit einem hohen BMI, aber einem normalen THQ verfügten durchschnittlich über 793 Kubikzentimeter Graue Substanz. Bei der Weißen Substanz waren hingegen keine Unterschiede feststellbar.

Ähnliche Resultate hatten japanische Mediziner bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht, die sich in ihrer Arbeit indes auf die Auswirkungen von leichtem Übergewicht konzentriert hatten.

"Obwohl unsere Studie herausgefunden hat, dass Fettleibigkeit, vor allem in der Körpermitte, mit einem geringeren Volumen an grauer Substanz im Gehirn zusammenhängt, bleibt unklar, ob Anomalitäten in der Hirnstruktur zu Fettleibigkeit führt oder ob Fettleibigkeit diese Veränderungen im Hirn bewirkt", schränkt Mark Hamer, Autor des aktuellen Fachartikels, ein.

Ein Nachteil ihrer Studie sei auch, dass nur fünf Prozent der eingeladenen Personen an der Untersuchung teilgenommen hatten - und diese im Schnitt gesünder waren als die, die sich gegen eine Teilnahme entschieden hatten.

»zurück zu Gesundheit«

Kommentare

„Das Schicksal, oder besser gesagt die Gene haben bei allem ein Wörtlein mitzureden, so in dem ...“ LiBerta1 Das Schicksal, oder besser gesagt die Ge...
„Vermutlich ist nicht das Übergewicht die Ursache für Demenz und schon gar nicht umgekehrt. “ LiBerta1 Vermutlich ist nicht das Übergewicht die...
„Lebst du dein Leben noch oder hat man dir von dieser Populärwissenschaftlichen Information dein ...“ Fortunatus Lebst du dein Leben noch oder hat man d...

Haben Sie bereits einen Benutzernamen? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort, Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Handynummer mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
/

Sicherheitsfrage
Wie viel ist 5 + 1?