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Unter Strom

Wenn dann ein Lkw das E-Auto überholt

Von Gerhild Niedoba  21. Oktober 2021 09:04 Uhr

Längere Fahrten mit dem E-Auto müssen gut geplant sein
Längere Fahrten mit dem E-Auto müssen gut geplant sein

LINZ. Wer längere Fahrten mit einem E-Auto vorhat, sollte zwei Dinge beherzigen: Im Vorfeld viele Details gut durchplanen - und trotzdem flexibel bleiben.

Diesmal stand eine Fahrt nach Wien an. Um dafür möglichst viele Eventualitäten im Vorhinein abzufedern, wurde die ansonsten eher unspektakuläre Autofahrt  zu einer Familienfeier diesmal genauer vorbereitet. Das begann damit, dass der Wagen spätabends noch zur örtlichen Ladestation gebracht und dreieinhalb Stunden später bei Nacht und Nebel vollgeladen wieder retour geholt werden musste. Auch hatten wir diverse Routenplaner hinsichtlich der kürzesten Strecke befragt. Schließlich wollten wir unseren Wochenendtrip so selten wie möglich Kaffee trinkend in der Nähe von Ladesäulen verbringen. 

Laut Navi lag das Ziel 197 Kilometer von uns entfernt. Angaben des Herstellers zufolge, reicht einer vollgeladene Batterie für "eine Strecke von bis zu 320 km". Demzufolge dürfte eine Strecke locker ohne Zwischenstation möglich sein. Das war zumindest unser Plan. 

Also fanden wir uns spätabends am Küchentisch ein, um noch eine kompatible Ladesäule unweit des Zielortes im vorhinein ausfindig zu machen. Wir wollten schließlich top vorbereitet sein und jegliche, im vorhinein planbare Verzögerungen in die Fahrzeit integrieren. 

Umso erfreulicher war es, als das Stromtankstellen-Verzeichnis "GoingElectric.de" gleich drei Ladesäulen in näherer Umgebung der Wiener Destination auswies. Eine davon entpuppte sich bei näherer Betrachtung allerdings als 43 kW-Anschluss (Gleichstrom), wodurch diese gleich im Vorhinein wegen zu hoher Ladekosten wieder ausschied. Schließlich kann das Test-Modell (Peugeot e-2008) maximal elf kW laden, weshalb das Zuviel an zur Verfügung stehenden Stromes nicht aufgenommen, aber dennoch bezahlt werden müsste. 

Der Zeitpolster wird dünner

Schon bald nach dem morgendlichen - und beinahe pünktlichen - Start wird mir klar, dass die am Display ausgewiesene Reichweite nicht eins zu eins mit der zu bewältigenden Strecke gegenzurechnen ist: Während noch 114 Kilometer vor uns liegen, ist die Akkuleistung bereits auf 164 km geschrumpft. Und das, obwohl ich bereits Strom sparend im "Eco"-Modus mit bescheidenen 95 km/h auf der Autobahn fahre. (Und daher Zeit habe, überholenden Lkw-Fahrern etwas zerknirscht zuzuwinken.) Auch der Blick auf die Uhr trägt wenig zur Beruhigung der Situation bei. Das nicht geplante, langsamere Fahren hat bereits ordentlich am einst dicken Zeitpolster geknabbert. 

Spontan entscheide ich mich, an an einer Raststation bei St. Pölten, die schon einige Kilometer zuvor mit seiner Stromladestation geworben hatte, anzuhalten. Zu verlockend ist das - noch rasch mittels E-Tankstellen-Verzeichnis ausgehobene - Angebot, mit sagenhaften 150 kW extrem rasch aufladen und in der Folge dann wieder deutlich schneller fahren zu können. Möglich wäre hier das maximale Laden aufgrund der schnelleren Alternative an der Gleichstrom- oder auch DC-Ladestation. Der Strom wird hier direkt in die Batterie geladen, der teure und schwere Gleichrichter ist in der Ladestation verbaut. Diese so genannten Schnellladestationen ermöglichen hohe Ladeleistungen (diese muss mindestens 50 Kilowatt aufweisen), die sich aber auch dementsprechend auf der Abrechnung niederschlagen. Dafür punktet sie mit einer deutlich kürzeren  Voll-Ladedauer von 30 Minuten bis einer Stunde. 

Da aber eben die Zeit drängt, nehme ich die Mehrkosten zugunsten einer Ladung in Kauf. Die Ladestation ist großzügig angelegt, und an der gewünschten 150-kW-Säule ist prompt ein Platz frei. Auch verfügt das Ladekabel über einen CCS-Stecker (eine Erweiterung des Typ2-Steckers), der auch mit meinem Testauto kompatibel ist. Die Sache scheint geritzt, als ich dann aber am Bezahlvorgang scheitere: Wie sich herausstellt, kann meine Ladekarte an dieser Station nicht verwendet werden. Wir müssen also unverrichteter Dinge (und mit dem Wissen, noch mehr kostbare Zeit verschwendet zu haben), wieder weiterfahren. 

Schließlich kommen wir beinahe pünktlich und sogar noch mit einer kleinen Stromreserve (40 Kilometer), aber dennoch leicht gestresst am Ziel an. Und während das Auto an der ursprünglich angepeilten 11-kW-Station angehängt ist, haben auch wir endlich Zeit, unsere Batterien im Kreise der Familie wieder aufzuladen....  

 

 

 

 

Artikel von

Gerhild Niedoba

Redakteurin Land und Leute

Gerhild Niedoba
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