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Reisen

Die Wüste und ihre Vielfältigkeit

Von Carsten Hebestreit  22. Oktober 2022 13:00 Uhr

Die Wüste und ihre Vielfältigkeit
Ein extrem seltener Anblick: Wüstenelefanten in freier Wildbahn

Namibia überrascht jeden Tag aufs Neue: hier die Wüstenelefanten, dort die Seehundkolonie mit ihrem bestialischen Gestank. Und dann wären da noch die weichen Sanddünen der Dune 7, wo der sechsfach oscarprämierte Mad-Max-Film "Fury Road" gedreht wurde.

"Vorsicht, Gegenverkehr!" Die Beifahrerin warnt, obwohl erst die Staubfahne zu sehen ist – in vermutlich drei Kilometern Entfernung. Auf der schnurgeraden Gravel Road, der Schotterstraße mitten durch die Namib, lassen sich die Entfernungen nur schwer schätzen. Fakt ist freilich: Da kommt uns tatsächlich ein Auto entgegen. Einheimische brettern mit 80 bis 100 km/h über die Pisten, die sich abschnittsweise wie Waschrumpeln formen. Unerfahrene Urlauber wagen gerade einmal 20 bis 30 Stundenkilometer, dabei schaukelt der Leih-Pick-up wie ein Kamel – nur in einer viel höheren Frequenz. Was sich als äußerst unangenehm herausstellt.

Mit Tempo 80 über die Waschrumpel

Also: Tempo 80 ausprobieren. Und siehe da, der Wagen "fliegt" über die Unebenheiten. Wobei mit jedem Rumpler die Bewunderung für den Toyota Hilux steigt. Namibias Einheitsauto hält der immensen Belastung ohne Murren stand – bis auf die zwei Patschen, verursacht durch die spitzen Steine auf den schnurgeraden Schotterstraßen. Wobei die Reparatur an den Tankstellen 15 Minuten dauert und 200 Namibia-Dollar (zwölf Euro) kostet – je nach Verhandlung.

Der Gegenverkehr ist in der Namib schon von Weitem sichtbar.

Vom eher langweiligen Windhuk führt die klassische Urlauber-Route in Richtung der roten Dünen von Sossusvlei. Wer zwischendurch eine Übernachtung einlegen möchte, dem sei die Namibgrens Lodge im weiten Nirgendwo empfohlen. Die Villen mit den Felsen im Wohnraum stammen aus "Schöner Wohnen". Mit Sicherheit. Die prächtige Küche im Haupthaus könnte noch ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit sein.

Die letzten vier Kilometer zu den pittoresken Sossusvlei-Dünen bereiten unfassbar viel Offroad-Spaß. Allradantrieb rein, kräftig Gas geben: Der tückisch-feine Sand schmiert wie Tiefschnee, die Lenkung reagiert verspätet, passieren kann (fast) nix.

Am Rastplatz streunt ein scheinbar zahmer Schakal herum, lässt sich im Schatten eines riesigen Baumes nieder, gähnt. Abwegig ist die Vermutung, dass dann und wann ein Tourist ein Häppchen springen lässt, wohl nicht. Wer beißt schon die Hand, die ihn füttert!

Stundenlang könnte über die sanften Dünen gewandert werden, allein die Zeit fehlt vermutlich. Weiter nach Walvis Bay.

Im Marco-Polo-Reiseführer steht unmissverständlich: Kommt am Straßenrand eine Tankstelle, stoppen und tanken! Fakt ist: Alle hilfreichen Autofahrer – Einheimische wie Touristen – haben keinen Reservekanister dabei. Und keinen Schlauch zum Abpumpen. Bleibt nur noch Abschleppen, wenn der Tank leer ist. Ein dichtes Tankstellennetz wie in Österreich spielt’s in Namibia nicht. Also: Tanken, wenn die Gelegenheit dazu da ist! Die nächste Zapfsäule kann 300, 400 Kilometer entfernt sein.

Vom Dune-7-Basecamp starten Ausflüge in die prächtige Dünenlandschaft, die so aussieht, wie sich Europäer eine Wüste vorstellen. Dort, wo der mit sechs Oscars prämierte vierte Teil der Mad-Max-Reihe, "Fury Road", gedreht wurde, lässt sich die weiche Gegend per Quad erkunden.

Der deutscheste Ort Namibias

Zwischen den geschützten Dünen und dem Meer führt die Route in den deutschesten Ort Namibias – nach Swakopmund. Das Brauhaus, der Deutsche Buchladen – beides fixe Punkte beim Stadtrundgang. Empfehlenswert sind das Frühstück im Village Café an der Sam Nujoma Ave. und das Mittag- bzw. Abendessen im The Fish Deli. Dem Fischladen angeschlossen ist ein kleines, feines Restaurant mit allen Spezialitäten, die das Meer hergibt.

Der Anblick der Seehunde bei Cape Cross ist imposant, der Gestank bestialisch.

Apropos Meer: Weiter nördlich streckt sich Cape Cross ins Meer, eine Seehundkolonie mit bis zu 100.000 Tieren. Aber Vorsicht: Es herrscht Wäschekluppen-Pflicht! Für die Nase. Der Anblick der Tausenden und Abertausenden Seals ist extrem imposant, der Gestank bestialisch!

Nächster Stopp ist Twyfelfontein, der Ort mit den 2000 bis 6000 Jahre alten Felsmalereien. Die Führerin erzählt auf dem 45-minütigen Rundgang von den Medizinmännern, Schamanen und Schamaninnen, die die Tausenden Tierzeichnungen in die Felsen geritzt haben, um die Wege zu den nächsten Wasservorkommen zu weisen.

Unbedingt einen Guide buchen

Nach einem Fahrtag ist der Etosha-Nationalpark erreicht. Wobei die Frage "Führer oder Nicht-Führer" eindeutig zu beantworten ist: Führer! Oder, anders formuliert: Unbedingt eine geführte Tour buchen! Weil die Guides wissen, wo sich wann die Wildtiere aufhalten – und untereinander Kontakt halten und Sichtungen sofort per Funk weitergeben. Abgesehen von den vielen spannenden Geschichten, die die Einheimischen erzählen.

Giraffen, Antilopen, Springböcke, Zebras, Gnus laufen zu Tausenden kreuz und quer durch den Park und über die Straßen, Elefanten zeigen sich völlig touristenresistent und gehen ihren Weg – egal wohin. Wer doch mal zu nahe an die bis zu sechs Tonnen schweren Riesen kommt, wird gewarnt: Genervte Elefanten drehen sich in die Richtung des Störenfrieds und wackeln mit den riesigen Ohren – in diesem Fall besser den Rückzug antreten!

Löwen wiederum liegen den ganzen Tag faul im verdorrten Gras und schlafen. „Da musst du Glück haben, wenn du einen gehenden Löwen siehst“, sagt Ben von „Tom Safari Namibia“. Nashörner trampeln unbeirrt zu den Wasserlöchern. Und Geparde sind in Etosha eine rare Spezies. Stoppt ein Auto am Rand der Gravel Road, weil irgendjemand irgendetwas gesehen hat, bleiben alle anderen Wagen ebenfalls stehen. Das Spiel wiederholt sich alle paar Kilometer. Um selbst ein großes Tier im Unterholz zu entdecken, braucht es jedoch sehr gute Augen.

Am legendären Okawango

500 Kilometer von Etosha fließt der legendäre Okawango. Lodges am Flußufer laden zu Dutzenden zum Übernachten ein, die luxuriösen Glamping-Zelte der „Shametu River Lodge“ stehen direkt am Wasser. Den Sonnenuntergang auf der eigenen Terrasse mitzuerleben, ist atemberaubend. Krokodile und Flusspferde schwimmen hier fast neben badenden Kindern, jährlich gibt’s Tote, erzählt der Guide auf der empfehlenswerten Sundown-Schiffstour über den mit 1600 Kilometer viertlängsten Fluss im südlichen Afrika.

Weiter zu den Victoria Falls

Die 08/15-Route führt zurück nach Windhuk, der eindrucksvollere Weg ist aber die schnurgerade Straße durch den Caprivi-Zipfel nach Kasane in Botswana. Pumbas (Wildschweine), Baboons (Paviane), Elefanten sitzen bzw. stehen gemütlich auf den Straßen und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

108 Meter stürzen die Wassermassen des Sambesi bei Victoria Falls in die Tiefe.

Wobei in Kasane auch vor Rhinos auf der Fahrbahn gewarnt wird. Von der kleinen Stadt in Botswana aus lassen sich einfach Tagesausflüge nach Victoria Falls (Simbabwe) buchen – inklusive eines 20-minütigen Hubschrauberrundfluges über die größten Wasserfälle der Welt. Der Anblick des bis zu 108 Meter in die Tiefe stürzenden Sambesi ist gigantisch. Danach, im Nationalpark, führen Wege zu den besten Aussichtspunkten entlang der Kante. Das Tosen des Wassers ist wie die Gischt gewaltig, rund um das Naturwunder wuchert ein prächtiger Urwald. Die Fotoapparate sind im Dauerbetrieb. Nach 1,2 Kilometern ist das Ende erreicht, der Ausklang beim „Lookout Café“ mit seiner atemberaubenden Aussicht ist ein würdiger Abschluss einer Reise, die jeden Tag mit neuen Höhepunkten überraschte.

Wissenswertes

  • Anreise: Die beste Verbindung von Linz aus führt über Frankfurt. Linz ab 14:35, Ankunft Windhuk 7:50 (+1) Uhr. Zurück geht’s ab Windhuk ab 20:15, Landung in Linz um 13:50 (+1) Uhr. Wer den empfehlenswerten Abstecher zu den Victoria Falls macht, kann entweder von dort oder aber Kasane (Botswana) nach Johannesburg (Südafrika) fliegen und aus Südafrika den Heimweg über Frankfurt antreten (Gabelflug).
  • Beste Reisezeit: In unserem Winter (Dezember bis März) herrscht in Namibia die Regenzeit. Dann ist zwar die gesamte Flora grün, doch an den Wasserlöchern im Etosha-Nationalpark tummeln sich nur wenige Tiere. Und bei den Victoria Falls stürzt derart viel Wasser in die Tiefe, dass die Gischt die Sicht auf die Wasserfälle versperrt. Die beste Reisezeit beginnt im Juli und endet im Oktober. Dann herrscht im Süden Afrikas zwar Winter, wodurch die Tagesfrühtemperaturen durchaus im Minusbereich sein können, tagsüber erwärmt sich die Luft aber auf 30 Grad.
  • Sonstiges: Unbedingt rechtzeitig einen Allradler (Standard ist der Toyota Hilux 4x4) buchen. Aufpassen bei der Abholung, dass alle Papiere mitgegeben werden – etwa auch die Erlaubnis, nach Botswana fahren zu dürfen. Und: Fernglas nicht vergessen (Etosha).

Artikel von

Carsten Hebestreit

Redakteur Motor

Carsten Hebestreit

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