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Die fruchtbaren Gärten Kenias

Von Philipp Braun, 23. Juni 2018, 12:00 Uhr
Die fruchtbaren Gärten Kenias
Kenia steht an einem Scheideweg. Immer mehr Menschen kehren der industriellen Produktion den Rücken und setzen auf Eigenversorgung. Auch zum Wohl der Kinder. Bild: Phil

Das ostafrikanische Land steht für Safaris und eine beeindruckende Tierwelt. Kenia ist aber mehr. Die Republik wird von stolzen Menschen getragen, die gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten.

Eine Frucht zu sehen und eine Frucht zu essen, ist nicht das Gleiche besagt ein kenianisches Sprichwort. Im Ruchu-Gemeinschaftsgarten, 60 Kilometer von der Hauptstadt Nairobi entfernt, zieht eine üppige Vielfalt an Früchten die Blicke auf sich.

Kleine grüne Kaffeekirschen (die Steinfrüchte der Kaffeepflanze) wachsen wie Perlen an den Ästen entlang und verfärben sich bald ins Dunkelrote. Das Zeichen, dass mit Ernte begonnen werden kann. Daneben hängen bereits vollreife Avocados von den Bäumen. Im Minutentakt plumpsen die birnenförmigen Früchte hörbar zu Boden.

Wer Avocado sagt ...

Ein Gärtner hebt einer dieser begehrten, außen runzeligen, Avocados auf, und dreht mit einem gekonnten Griff den golfballgroßen Kern heraus und reicht mir eine Hälfte der Frucht. Mit einem Lächeln werde ich aufgefordert, davon zu kosten. Eigentlich mag ich keine Avocados. Für mich war die weltweite Begierde danach nie ganz schlüssig gewesen. Zu buttrig und ohne markanten Eigengeschmack wurden die Früchte aus der Familie der Lorbeergewächse von mir ignoriert.

Video: Interview mit John Kariuki  

 

Ich koste trotzdem. Aus Höflichkeit und aus kulinarischer Neugier. Reifes Obst und Gemüse zählt nach wie vor zu den Höhepunkten eines verantwortungsvollen Hedonisten. Das Sprichwort "der Geduldige isst reife Früchte" kommt mir in den Sinn.

Ich drücke ein wenig vom hellen Fruchtfleisch heraus, knabbere vorsichtig daran und bin begeistert. Ja, es ist von buttriger Note, aber feiner, als man es von Früchten aus den Supermärkten gewohnt ist. Zudem beeindruckt die Avocado durch dezent nussiges Aroma. Ich muss schmunzeln, dass mir der Reiz dieser Früchte bislang verwehrt geblieben ist. Der Gärtner präsentiert ein gewinnbringendes afrikanisches Lächeln, und zeigt mir im Garten die anderen Pflanzen, die in der fruchtbaren roten Erde wurzeln.

Sofort wird mir bewusst, was den Wert der Vielfalt ausmacht und wieso sich immer mehr Menschen von Monokulturen lossagen und lieber der traditionellen Bewirtschaftung – der Mischkultur – den Vorzug geben: um unabhängig zu sein, Platzbedarf und Nährstoffangebot besser nutzen zu können und Böden für eine ausgewogene Ernährung aufzubereiten.

Bildergalerie: Slowfood in Kenia

Slowfood in Kenia
(Foto: Philipp Braun) Bild 1/31
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... muss 10.000 Gärten sagen

"Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft fördern und die Menschen ermächtigen, traditionelles Wissen wieder zu beleben und eigenes Saatgut zu verwenden, zu vermehren und zu tauschen", erklärt John Kariuki, Slow-Food-Kordinator von Kenia. Der Ruchu-Gemeinschaftsgarten dient dabei als "learning center". Erwachsene arbeiten dort und setzen das gelernte Wissen in den eigenen Hausgärten um. Denn auch dort ist das Know-how um die traditionelle Bewirtschaftung verloren gegangen. Viele Menschen aus den Dörfern gehen zu sorglos mit Spritzmitteln um und tragen damit zu einer Verarmung der Biodiversität bei.

John Kariuki ist realistisch und verhehlt nicht, dass in Kenia große Herausforderungen auf die Bevölkerung warten. Neben den klimatischen Änderungen kokettiert die Regierung mit Konzernen, die auf industrielle Produktion und Gentechnik setzen. Methoden, die traditionellen Bewirtschaftungen sprichwörtlich den Boden unter den Füßen entziehen.

Auch deswegen hat die internationale Slow-Food-Gemeinschaft im Jahr 2011 das Projekt der 10.000 Slow-Food-Gärten ins Leben gerufen. Die Früchte lassen sich sehen: 3072 Gärten wurden bereits in Afrika verwirklicht, 423 befinden sich davon in Kenia. Mehr als 80.000 Personen sind involviert. Und die Früchte schmecken.

Slow-Food-Aktivistin Nancy Henrie ist stolz auf ihr Land und erklärt bei einem Festessen die Kulinarik. "Das sind traditionelle Speisen, die unseren Eltern gewidmet sind. Lokales Essen, wo du nicht hungrig zurückbleibst."

Video: Interview mit Nancy Henrie

Süßkartoffeln, schwarze Bohnen, Pfeilwurzeln, Kochbananen, Ugali – das Traditionsgericht aus Mais – oder ein gegrilltes Schaf lassen ob der vielfältigen Ernährung keine Zweifel aufkommen: Diese herzenslieben Menschen sind couragiert und engagiert. Die Zukunft Kenias. Hakuna Matata ("alles in bester Ordnung").

Slow-Food-Gärten

Der Schwerpunkt der Slow-Food-Schul- und Gemeinschaftsgärten liegt in der Förderung der biologischen Vielfalt und in der Wiederbelebung von traditionellem Wissen.
In 35 afrikanischen Ländern wurden bereits mehr als 3072 Gärten verwirklicht. Eine Auflistung aller Schulgärten, Gemeinschaftsgärten und Familiengärten inklusive Kontaktpersonen gibt es unter:
www.fondazioneslowfood.com

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3  Kommentare
3  Kommentare
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PhilippBraunOOEN (161 Kommentare)
am 26.06.2018 09:14

Hallo Jamie,
Die größten Migrationsbewegungen laufen eh innerhalb von Afrika ab...
Lg
Philipp Braun

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jamei (25.456 Kommentare)
am 26.06.2018 09:54

Hallo PhilippBraunOOEN...

Weshalb fliehen dann Somalier nach Libyen um mit Schlauchbooten nach Europa zu kommen?!? - wo doch Kenia gleich daneben liegt!........

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jamei (25.456 Kommentare)
am 25.06.2018 09:47

Die fruchtbaren Gärten Kenias

Das ostafrikanische Land steht für Safaris und eine beeindruckende Tierwelt. Kenia ist aber mehr. Die Republik wird von stolzen Menschen getragen, die gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten.

Und weshalb flüchten dann Afrikaner nach Europa? - Kenia wäre doch viel näher.......

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