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Gesundheit

Corona-Totimpfstoff von Valneva könnte Anfang 2022 verfügbar sein

Von OÖN   19. Oktober 2021 06:07 Uhr

Erste positive Daten aus der Zulassungsstudie – Impfung zeigt starke Antikörperantwort

Der österreichisch-französische Konzern Valneva hat "positive erste" Ergebnisse aus der klinischen Phase-III-Studie für seinen Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus bekanntgegeben, an der 4012 Erwachsene und 660 Jugendliche teilgenommen haben. Der Impfstoff soll effektiver als das Präparat von AstraZeneca sein und gleichzeitig zu weniger Nebenwirkungen führen, wie das Unternehmen gestern mitteilte.

Man werde daran arbeiten, den Impfstoffkandidaten schnellstmöglich zur Zulassung zu bringen, erklärte Valneva-Geschäftsführer Thomas Lingelbach. Der Wirkstoff befindet sich bereits in einem sogenannten rollierenden Zulassungsverfahren bei der britischen Gesundheitsbehörde MHRA. Man bereite sich überdies auf eine ebensolche Einreichung bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) vor.

Valneva verfolgt mit seinem Covid-19-Vakzin einen klassischen Ansatz mit inaktivierten Viren. Diese Herangehensweise ist seit vielen Jahrzehnten erprobt. Dabei wird dem Körper das gesamte abgetötete Virus präsentiert. Somit muss sich das Immunsystem mit allen Erreger-Teilen auseinandersetzen. Es handelt sich laut Valneva um den einzigen derartigen Impfstoffkandidaten in Europa. Man wolle Menschen, die bis dato noch nicht geimpft sind, "eine alternative Impfstofflösung" anbieten, so Lingelbach, der glaubt, einen wichtigen Beitrag zum weltweiten Kampf gegen die Covid-19-Pandemie leisten zu können.

Hoffnung für Ungeimpfte

Bekannt sind Totimpfstoffe von Impfungen gegen FSME, Polio, Diphtherie, Keuchhusten oder Tetanus – aber auch von der Grippe-Impfung. Es gibt jahrzehntelange Erfahrung damit. Nicht wenige Ungeimpfte argumentieren genau so. Sie seien keine Impfgegner, sie hätten nur kein Vertrauen in die neuartigen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sowie in die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson. "Manche Menschen haben hier offensichtlich mehr Vertrauen als zu den neuen mRNA- oder Vektorimpfstoffen. Letztere sind zwar keine Totimpfstoffe im klassischen Sinn, aber sie verhalten sich wie Totimpfstoffe und erlauben dem Immunsystem, an Merkmalen des Virus zu lernen beziehungsweise zu trainieren", erklärt Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler-Uniklinikum.

"Wir haben im direkten Vergleich zu dem Impfstoff von AstraZeneca gezeigt, dass unsere neutralisierenden Antikörper um etwa 40 Prozent höher sind, gleichzeitig haben wir gezeigt, dass über 95 Prozent aller Probanden in der Studie ein notwendiges Niveau von neutralisierenden Antikörpern erreicht haben", so der Valneva-Geschäftsführer.

Die Valneva-Impfung dürfte voraussichtlich Anfang 2022 in Österreich verfügbar sein. Viel Potenzial sieht Lingelbach in seinem Impfstoff vor allem langfristig mit Blick auf Auffrischungsimpfungen, der Impfstoff könnte hier eine Art Technologieplattform sein, die Auffrischungsimpfungen vereinfacht.

Valneva-Aktien mit Kurssprung

Die ermutigenden Testergebnisse bescheren der französisch-österreichischen Pharmafirma den größten Kurssprung der Firmengeschichte. Die Aktien stiegen in Paris um mehr als 40 Prozent auf 16,98 Euro.

Ein fünfter Impfstoff als neue Hoffnung

  • Vier Impfstoffe gegen Covid-19 sind derzeit in der EU zugelassen. Sie basieren auf unterschiedlichen Technologien: Vektor-Impfstoffe (AstraZeneca und Johnson & Johnson) und mRNA-Impfstoffe (Moderna und Biontech/Pfizer). Jetzt sieht es so aus, als würde sich mit Valneva bald ein fünfter dazugesellen, ein so genannter „Totimpfstoff“.
  • mRNA-Impfstoffe: Sie schleusen nur den Bauplan des zackenförmigen Spike-Proteins, das sich auf der Außenhülle des Coronavirus befindet, in unseren Körper. So wirken die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer, die immerhin einen Impfschutz von 95 Prozent erreichen.
  • Vektor-Impfstoffe bedienen sich eines Trägers, eines Vektors, auf dem ein Stück des Spike-Proteins aufgebracht ist. Unser Körper produziert dann Antikörper gezielt gegen die stachelige Außenhülle des Virus. Zu diesen Impfstoff-Typen zählen die Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson, ihr Impfschutz ist etwas geringer als jener der mRNA-Impfstoffe.
  • Totimpfstoffe: Mit den Impfstoffen der chinesischen Firmen Sinopharm und Sinovac sind bereits so genannte Totimpfstoffe verfügbar, allerdings bisher nicht in der EU. Bei einem Totimpfstoff, wie ihn die österreichisch-französische Firma Valneva entwickelt hat, werden SARS-CoV-2-Viren inaktiviert, gereinigt und konzentriert. Auch der jährlich angepasste Grippe-Impfstoff beruht auf diesem Prinzip.

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