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Wenn schmerzende Hände die Nachtruhe rauben

Von Ulrike Griessl, 09. März 2016, 00:04 Uhr

Im LKH Steyr werden jedes Jahr rund 400 Patienten mit Karpaltunnelsyndrom behandelt.

Wenn man in der Nacht oft aufwacht, weil die Hände schmerzen und sich die Finger taub anfühlen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass man an einem Karpaltunnelsyndrom leidet. "Wir haben sehr viele Patienten, die mit diesen Symptomen zu uns kommen", sagt der Handchirurg Gerald Schmölzer, Oberarzt im LKH Steyr. Meist sei eine Operation unausweichlich, um die Schmerzen endgültig zu beheben und den Nerv zu retten.

Grund für die Beschwerden ist eine Reizung des mittleren Armnervs (Nervus medianus), weil der Karpaltunnel, der vom Handwurzelknochen und einem Bindegewebsband gebildet wird, durch Schwellungen oder Ablagerungen verengt ist. "Dadurch kommt es zu einer Kompression des Nervus medianus, die zum einen Schmerzen verursacht und den Nerv zum anderen auf Dauer schwer schädigen kann", erklärt Schmölzer. Wer mit einer Operation zu lange zuwarte, riskiere, dass der Nerv abstirbt. Dauerhafte Bewegungseinschränkungen der Daumen- und Handballen-Muskulatur seien die Folge.

Mit einer Überlastung des Handgelenks hängt das Karpaltunnelsyndrom nicht zusammen, sie kann bestehende Schmerzen jedoch verschlimmern. Die Ursachen für diese Erkrankung können vielschichtig sein. Schmölzer: "Das Karpaltunnelsyndrom kann sich beispielsweise nach Verletzungen in der Nähe des Handgelenks entwickeln oder Begleiterscheinung einer entzündlichen Erkrankung wie Rheuma sein." Auch Veranlagung könne eine Rolle spielen.

In den meisten Fällen ist laut Schmölzer eine Operation unausweichlich. Von selbst würde sich die Verengung des Karpaltunnels nur dann zurückbilden, wenn sie durch hormonelle Veränderungen im Körper (zum Beispiel Schwangerschaft) verursacht wurde. "In diesem Fall lagert sich Wasser im Karpaltunnel ein, wodurch der Nerv bedrängt wird", erläutert der Hand-Chirurg. Sobald sich das Wasser wieder verflüchtige, würde auch die Nervenreizung wieder verschwinden.

Kleine Operation

Die Operation des Karpaltunnelsyndroms kann tagesklinisch durchgeführt werden. "Ein versierter Chirurg benötigt dafür etwa zehn Minuten", sagt Schmölzer. Drei Stunden nach dem Eingriff darf der Patient das Spital schon wieder verlassen. Etwa vier Wochen muss die operierte Hand danach geschont werden. "Wer beruflich keine schwere körperliche Arbeit verrichtet, braucht nicht einmal in den Krankenstand zu gehen", sagt der Chirurg.

Da meistens beide Hände betroffen sind, wird nach der Ausheilung der ersten Hand die andere Seite operiert. Der Eingriff sei so gut wie immer erfolgreich, wenn sich der Patient früh genug dafür entscheidet und der Nerv noch keine Schäden erlitten hat. "In der Regel sind die Schmerzen danach wie weggeblasen", sagt Schmölzer. Allein in Steyr werden jedes Jahr etwa 400 Patienten mit Karpaltunnelsyndrom operiert.

 

Diagnose und Operation

Ganz sicher kann ein Karpaltunnelsyndrom nur durch eine neurologische Untersuchung diagnostiziert werden. Mittels einer Elektroneurografie (ENG) wird gemessen, wie schnell der mittlere Armnerv (Nervus medianus) empfangene Reize weiterleitet und auf einen Muskel überträgt. Die Elektroneurografie wird mit feinen Nadelelektroden durchgeführt.

Operation: „Im Regelfall wird diese minimal offen durchgeführt“, sagt der Hand-Chirurg Gerald Schmölzer vom LKH Steyr. Von der endoskopischen Methode (Schlüsselloch-Chirurgie) sind die Spezialisten wieder abgegangen, da sich das OP-Risikos dabei als höher herausstellte. Bei der OP wird das Gewebe entfernt, das Druck auf den Nervus medianus ausübt

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