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Wirt z'Zell: Ein Platz zwischen Leberkäse und "Sterneküche"

Von Philipp Braun  28. Januar 2022 00:04 Uhr

Eine vorzügliche Auswahl der Langwallners für daheim

Der Wirt z'Zell bietet Hausmannskost und gehobene Speisen unter einem ehrwürdigen Dach in Zell am Moos.

Abfahrt Mondsee. In Feinschmeckerkreisen wird empfohlen, dass man hier abbiegen sollte – wenn man einen der besten Leberkäse Österreichs ergattern möchte. Der Umweg hält sich in Grenzen: In wenigen Minuten sind das malerische Zell am Moos und der Traditionsbetrieb der Familie Langwallner erreicht. Seit 1616 steht das prächtige Haus am Kirchenplatz und vereint Dorfmetzgerei und Wirtshaus unter einem Dach. Einmal angekommen, könnten sich Gourmets eine Leberkässemmel besorgen und wieder heimwärts tingeln. Plan B ist genauso reizvoll: In der Klosterstuben mit Deckenbalken und Kachelofen Platz nehmen und darauf freuen, was die neue Generation aus den Ärmeln schüttelt.

Vor zwei Jahren übernahmen Barbara Langwallner und ihr Freund Maurice Kriegs das Wirtshaus, die Metzgerei führt Bruder Leonhard, die Eltern helfen überall mit und verleihen dem Wirtshaus zu Recht das Attribut Familienbetrieb. Langwallner und Kriegs lernten sich bei Alfons Schuhbeck kennen, sind mit Sterneküche sozialisiert worden und lassen ihr Können bei den "kulinarischen Mitbringseln" aufblitzen. Sie verstehen sich aber genauso darin, Wirtshausklassiker aus der Pfanne zu schupfen.

Zu Beginn muss es eine Kostprobe des Kult-Leberkäses sein. Angenehme Konsistenz, gute Kruste, gschmackig, wohlfeines Aroma, dazu Gurkerl, Pfefferoni und Senf. Der Umweg hat sich bereits gelohnt. Die Metzgerei grüßt weiters mit deftigem Verhackertem, guten Hauswürsteln, zart geräuchertem Schinkenspeck (4 Euro) und knusprigen Brotscheiben. Bei der Rindssuppe bietet das Kochpärchen mit Gansl Dim Sum (4,80 Euro) eine Alternative zu klassischen Einlagen. Die Füllung kokettiert mit asiatischer Küche: Geschmortes Gänseklein, Sesamöl, Koriander und etwas Kreuzkümmel lassen Hausmannskost mit internationaler Aromatik verschmelzen.

Ein Platz zwischen Leberkäse und "Sterneküche"
Eine Kostprobe vom Kultleberkäse...

Das Metzgerschnitzel (16 Euro) ist ein aromatischer Kraftlackel und zeigt jedem Cordon bleu die Muskeln. In der Pfanne mit Butterschmalz gebacken, gefüllt mit Speck, Lauch und Bergkäse. Die Variante ist allerdings nur für ambitionierte Esser gedacht. Von Feinheit getragen ist die gebratene Lachsforelle mit Bröselkarfiol und eingelegtem Karfiol. Dazu Miso Hollandaise, verfeinert mit Passionsfrucht (17,50 Euro), die mit Säure und Umami spielt und die Schwere der Butter nimmt.

Ein Platz zwischen Leberkäse und "Sterneküche"
...danach wird‘s noch zünftiger mit einem Metzgerschnitzel...

Nachspeisen sind das Steckenpferd von Langwallner, die beim Mont-Blanc-Törtchen mit Maroni-Creme, Sauerkirschen und Kaffeemousse (4,50 Euro) ein herrlich leichtes Dessert schafft. Das gilt auch für Crème Caramel (6,50 Euro) – zum Abfahren gut.

Ein Platz zwischen Leberkäse und "Sterneküche"
...ehe der Gaumen sanft landet: Crème Caramel.

Wirt z'Zell

Kategorie: Dorfmetzgerei, Gasthaus
Kirchenplatz 2, 4893 Zell am Moos
Telefon: 06234/8207
Ruhetage: Mittwoch und Donnerstag
www.gasthof-langwallner.at

Küchenleistung: 5 von 6 Kochlöffeln

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Philipp Braun

Kulinarik-Redakteur

Philipp Braun

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