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Kultur

Heftige Kritik an Stadion-Wald in Klagenfurt

Von nachrichten.at/apa   05. September 2019 14:20 Uhr

The art intervention "FOR FOREST" is seen in Klagenfurt
Wald statt Fußball

KLAGENFURT. Bei der Kunstinstallation "Far Forest" wurden fast 200 bis zu 14 Meter hohe Bäume ins Klagenfurter Wörthersee-Stadion gestellt. In den sozialen Netzwerken gehen die Wogen hoch.

Am Sonntag wird "For Forest" eröffnet, der Stadion-Wald kann bis Ende Oktober bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Die Pressekonferenz am Donnerstag war ausgesprochen gut besucht, in ihrer Begrüßung verwies Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) darauf, dass die Riege der Medienvertreter wohl zuletzt bei der Eröffnung der Elbpilharmonie in Hamburg so international war.

Scharfe Kritik

Die Präsentation des Kunstprojektes ist von Kritik begleitet worden. Die FPÖ lud zu einer Pressekonferenz in der Nähe eines "echten" Waldes, das Team Kärnten forderte lückenlose Transparenz, was die Finanzierung angeht. Und einmal mehr gingen in den Sozialen Netzwerken die Wogen rund um den Stadion-Wald hoch.

Kritiker haben sich schon seit Monaten auf die Installation im Stadion eingeschossen - dazu gab es gleich mehrere Anlässe. So wurden immer wieder Befürchtungen laut, dass - anders als von der Stadtpolitik beteuert - Steuergeld für "For Forest" aufgewendet wird. Dann wurde bekannt, dass die speziell verschulten Bäume für das Projekt aus Belgien, Norddeutschland und Bologna nach Klagenfurt gebracht würden, obwohl man zuerst auf Kärntner Bäume zurückgreifen wollte.

OÖN-TV: Stadion-Wald unter Kritik eröffnet

Europaligist WAC muss ausweichen

Und schließlich sorgte ausgerechnet eine sportliche Jubelmeldung für Misstöne: Denn der Kärntner Bundesligist WAC, der sich Ende der vorigen Saison überraschend für die Europa League qualifiziert hatte, hätte seine Spiele gerne im Wörthersee-Stadion ausgetragen. Daraus wird aber nun wegen "For Forest" nichts, die Spiele finden in Graz statt.

Video: So sieht das Stadion jetzt aus

Mit diesen Kritikpunkten gestaltete auch die Kärntner FPÖ ihre Pressekonferenz. "For Forest" sei ein "Mahnmal für eine weltfremde Politik ohne Hausverstand", sagte Landesparteiobmann Gernot Darmann, der parlamentarische Initiativen im Kärntner Landtag ankündigte. Er beklagte entgangene Mieteinnahmen, weil in der Zeit keine Veranstaltungen stattfinden könnten und befürchtete, dass die Besucherzahlen durch Schulexkursionen "künstlich in die Höhe getrieben" werden: "Mein Sohn, der in die Volksschule geht, wird dieses Projekt im Stadion nicht anschauen", sagte Darmann. Er werde ihn entschuldigen und mit ihm stattdessen in die "echte Natur" gehen. Der Klagenfurter Stadtparteichef Wolfgang Germ nannte das Projekt mit Verweis auf die langen Transportwege der Bäume eine "CO2-Schleuder": "Man sollte anders für den Klimaschutz sensibilisieren als mit einem künstlichen Wald." Das Projekt "ist in Wahrheit ein Flop".

"Hetze in Reinkultur"

Gerhard Köfer vom Team Kärnten sagte laut einer Aussendung, die Freiheit der Kunst müsse "jederzeit gesichert und außer Streit gestellt" werden. Er sehe "For Forest" kritisch, aber: "Trotz der Notwendigkeit von Kritik ist die Art und Weise, wie sich eine andere Landtagspartei im Zusammenhang mit For Forest versucht in Szene zu setzen, absolut unwürdig und Hetze in Reinkultur", meinte Köfer mit einem Seitenhieb auf die FPÖ. In Sachen Finanzierung forderte er "lückenlose Transparenz": "Es kann nicht sein, dass unter Anwendung der Salami-Taktik regelmäßig neue Zahlen und Daten rund um direkte oder indirekte Subventionen durch das Land an das Tageslicht kommen." Es sei "frech", wenn aus verschiedenen Referaten die Begleitmaßnahmen von "For Forest" mitfinanziert werden, aber gleichzeitig erklärt werde, dass kein Steuergeld für "For Forest" verwendet wird.

Wie schon in den Wochen zuvor schlug am Donnerstag den Verantwortlichen des Projekts auf Facebook heftige Ablehnung entgegen - auch wenn sich am Tag der Präsentation mehr positive Stimmen als sonst in die Diskussion mischten. Die Kritiker warfen den Projektinitiatoren - trotz all ihrer Beteuerungen - Steuergeldverschwendung vor, andere verwiesen darauf, dass sie in einen natürlichen Wald gehen würden, wenn sie Bäume sehen wollen. Und richtig tief scheint der Zorn bei so manchem Fußballfan zu sitzen.

Das sagen die Verantwortlichen

Bei der Präsentation nahmen die Verantwortlichen auch zur Kritik Stellung, die in den vergangenen Monaten laut geworden war: "Gegner haben mit Unwahrheiten und zum Teil persönlichen Diffamierungen versucht, das Projekt schlechtzumachen und Fußball gegen Kunst auszuspielen", sagte Bürgermeisterin Mathiaschitz, die erneut betonte, dass in die Umsetzung kein Steuergeld geflossen ist, auch die Wiederherstellung des Rasens sei finanziell abgesichert.

Der Hauptsponsor des Projekts, Herbert Waldner, kündigte an, dass die Bilanz des Projekts nach Abschluss von einem Wirtschaftstreuhänder geprüft und dem Rechnungshof zur Verfügung gestellt werde. Er appellierte auch, bei solchen Projekten in Zukunft die "Aufteilung in rot, schwarz und blau zu vergessen und sie außer Streit zu stellen": "Ich glaub dem Wald ist ziemlich egal, wer gerade an der Macht ist."

Initiator Klaus Littmann erzählte von dem "langen, steinigen Weg", der bis zur Umsetzung zu gehen war. Vor sechs Jahren hatte er erstmals Kontakt mit Mathiaschitz aufgenommen und ihr das Projekt präsentiert. Der Zufall hätte dabei eine große Rolle gespielt - denn auf der Suche nach einem passenden Stadion war er zuvor schon seit Jahren gewesen. "Aber wenn ein Stadion von einem internationalen Top-Fußballklub belegt wird, hat man als Kunstprojekt keine Chance", so Littmann. Das sei auch der Grund, warum man im Wörthersee-Stadion gelandet war, in dem momentan der Zweitligist Austria Klagenfurt spielt.

Littmann streute dem Stadion Rosen: "Der Kontrast aus Stahl, Beton und Glas zum Wald - das kann man nicht besser haben." Er arbeite an dem Thema der Wahrnehmung: "Jeder entwickelt seine eigenen Sehgewohnheiten, Dinge werden selbstverständlich, und dann nehmen wir sie nicht mehr wahr." Mit "For Forest" entstehe ein radikales Bild: "Ein Wald, den wir in einen völlig neuen Kontext stellen." Erfolgreich sei das Projekt, wenn ein Bild entsteht, das in den Köpfen der Menschen haften bleibt. Besucherzahlen würden für ihn keine primäre Rolle spielen.

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