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Kultur

Robert Finster: "Das klingt nach einer Frage für meine eigene Psychoanalyse"

Von Lukas Luger  14. März 2020 00:04 Uhr

Robert Finster: "Das klingt nach einer Frage für meine eigene Psychoanalyse"
Wien, 1886: Robert Finster als junger Sigmund Freud

Ab Sonntag feiert das Serien-Event "Freud" mit Robert Finster in der Hauptrolle als junger Sigmund Freud seine ORF-Premiere.

Er ist verbissen. Er ist genial. Er ist ein Psychiater, wie es ihn im Wien des Jahres 1886 wahrlich kein zweites Mal gibt. Ab Sonntag geht der Steirer Robert Finster (36) als junger Sigmund Freud in der achtteiligen ORF/Netflix-Co-Produktion "Freud" auf Mörderjagd.

OÖN: Sigmund Freud ist eine Ikone. Nicht nur in medizinhistorischer Hinsicht, sondern auch als popkulturelle Figur. Wie nähert man sich als Schauspieler einer solchen Rolle an?

Robert Finster: Ich hatte das große Glück, tolle Drehbücher zu bekommen. Mit denen habe ich mich beschäftigt, sie immer wieder und wieder gelesen und meinen Text gelernt. Manche Szenen erschließen sich schneller oder einfacher, andere bereiten einem Kopfzerbrechen. Der Regisseur, Marvin Kren, ist ja auch einer der Autoren der Serie, er war schon in der Vorbereitung eine große Bereicherung, nicht nur während der Dreharbeiten. Im besten Fall herrscht dann nach der Vorbereitung, zu Drehbeginn, relative Klarheit. Und vor Ort, am Set, ist dann doch wieder alles anders als gedacht. Das Zimmer ist plötzlich ein Saal, die Couch ein Stuhl, der Hamster ein Wolfshund, und die Pistole wurde gestrichen. Da hilft es, flexibel zu bleiben.

Ihr Freud ist ein schwieriger, ja zerrissener Charakter. Er ist ehrgeizig, rennt mit seinen Theorien aber gegen Wände. Auch sein Verhältnis zu seiner Familie sowie zur Frauenwelt ist kein friktionsfreies. Wie charakterisieren Sie selbst den jungen Freud?

Sie haben mir die Worte aus dem Mund genommen. In einer Zeit, in der man erst im Alter etwas galt, hatte es Freud als junger Wilder naturgemäß nicht leicht.

Haben Sie sich näher mit Freuds Theorien beschäftigt?

Nur grob . Es, Ich, Über-Ich; nicht ins Detail. Freud ist ein Fass ohne Boden. Ich hätte Jahre recherchieren können. So viel Zeit war freilich nicht, ich musste mich also eingrenzen: ein junger Sigmund Freud, der seine späteren Erkenntnisse bestenfalls erahnen kann. Da schien mir die Beschäftigung mit seinem frühen Leben bis zum Spielalter, dem Alter der Figur in der Serie, vorrangig.

In jede Rolle bringt ein Schauspieler Teile seiner eigenen Persönlichkeit ein, bewusst oder unbewusst. Wie viel Robert Finster steckt im jungen Sigmund Freud?

Das klingt nach einer Frage für meine eigene Psychoanalyse.

Hypnose spielt in der Serie eine zentrale Rolle. Haben Sie sich zu Testzwecken eigentlich je selbst hypnotisieren lassen?

Ja. Marvin hat Kontakt zu Dr. Rios in Wien hergestellt, einem Psychoanalytiker und Hypnosetherapeuten. Das ist mittlerweile offenbar eine rare Kombination. Hypnose ist ein sehr vielseitiges, potentes Mittel. Unter Hypnose werden ohne zusätzliche oder mit sehr geringer zusätzlicher medikamentöser Anästhesie Zähne gezogen. In meinem Umfeld hat eine Handvoll Menschen mit Hypnose erfolgreich das Rauchen aufgegeben, und aus der Traumatherapie sind hypnotherapeutische Techniken nicht wegzudenken.

Wie war’s für Sie?

Ich selbst habe eine Armlevitation und eine kleine lokale Analgesie erlebt. Bei Letzterer wurde ein etwa zwei Münzen großer Bereich meines linken Unterarms nach etwas Suggestion annähernd empfindungsfrei. Berührungen und Kneifen waren nur dumpf und wie weit entfernt spürbar. Aber der eigentliche Clou, der Grund, warum ich jedem eine Hypnose wärmstens ans Herz legen möchte, war die Levitation: Mein Arm wurde von selbst ganz leicht und hat sich immer weiter und höher gehoben. Ohne dass ich es bewusst gesteuert hätte, ohne mein aktives Zutun. Das war eine außergewöhnliche, einzigartige Erfahrung. Versuchen Sie es!

Stünden Sie für eine zweite Staffel von "Freud" bereit?

Dazu kann, will und darf ich noch nichts sagen. Sehen wir uns erst mal die erste Staffel an.

Ganz Wien … ist heut auf Kokain

Mit „Freud“ gelingt ORF und Netflix ein herrlich morbider Serien-Volltreffer.

 

Sigmund Freud, der erste Profiler der Kriminalgeschichte? Das Wagnis, den Vater der Psychoanalyse auf eine Mörderhatz durch das Wien des Jahres 1886 zu schicken, hätte ins Auge gehen können. Zum Glück widersteht „Freud“ aber der Versuchung, aus Heurigenseligkeit, Kaiser-Nostalgie und „Küss die Hand, Gnädigste“-Charme ein „CSI Kaiserreich“ zu basteln. Der visuell stylishe Achtteiler von Regisseur Marvin Kren überzeugt als morbider Psychothriller mit Ecken und Kanten, der elegant zwischen okkulten Elementen, Kriminalrätsel und historischer Sozialstudie changiert.

Im Mittelpunkt: Robert Finster als junger Nervenarzt Sigmund Freud. Ein genialer Kopf, über dessen revolutionäre Theorien die Kollegen aber nur spotten. Ein Umstand, der seinen Kokain-Konsum befeuert.

Auf einer Séance

Als Freud auf einer Séance das fesche Medium Fleur Salome (Ella Rumpf) kennenlernt, entfacht dies nicht nur seine Lenden, auch sein Intellekt ist plötzlich gefragt. Dank des übersinnlich begabten Gspusis findet sich Freud nämlich inmitten eines mörderischen Komplotts wieder, das das Ende der Monarchie bedeuten könnte. Unterstützung bietet der von Kriegstraumata geplagte Inspektor Kiss (eine Urgewalt: Georg Friedrich).

Auf Zug inszeniert, entführt „Freud“ den Zuschauer in eine Welt, in der gleichermaßen philosophiert und filetiert wird, in der die Welt der Huren und Außenseiter gleich an jene der Reichen und Schönen grenzt. Ein echter Volltreffer! (ll)

Fakten und Infos

  • Zum Auftakt am Sonntag (ab 20.15 Uhr) stehen die Folgen „Hysterie“ und „Trauma“ auf dem Programm von ORF 1, die weiteren Folgen sind am 18. und 22. März ab 20.15 Uhr – jeweils als Triplefolgen – zu sehen. Ab 23. März sind alle acht Folgen auf Netflix abrufbar.
  • Gedreht wurde die Serie zwischen Jänner und Mai 2019 in Wien und Prag. Regie führte Marvin Kren, der auch am Drehbuch mitschrieb.
  • Neben Robert Finster spielen Ella Rumpf als Medium Fleur Salome und Georg Friedrich in der Rolle des Polizisten Alfred Kiss. In weiteren Rollen sind u. a. Brigitte Kren und Philipp Hochmair zu sehen.

Artikel von

Lukas Luger

Redakteur Kultur

Lukas Luger
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