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Kultur

Gustav Peichl gab Österreich ein Gesicht

Von OÖN   19. November 2019 00:04 Uhr

Gustav Peichl gab Österreich ein Gesicht
Eine Karikatur Peichls aus dem Jahr 1967: ORF-Chef Gerd Bacher wird zum „Tiger“

Der Stararchitekt und Meisterkarikaturist starb am Sonntag im 92. Lebensjahr

Gustav Peichl ist tot. Mit ihm starb eine außergewöhnliche Doppelbegabung: Peichl war einer der prägendsten Architekten und gleichzeitig als "Ironimus", einer der prominentesten Karikaturisten Österreichs. Er starb am Sonntag im Alter von 91 Jahren in dem von ihm selbst geplanten Haus in Wien-Grinzing.

Geboren am 18. März 1928 in Wien, absolvierte er die Staatsgewerbeschulen Mödling und Linz. Die heutige Grafik-HTL besuchten auch die OÖN-Karikaturisten Gerhard Haderer und Horst Haitzinger. Danach besuchte Peichl die Akademie der bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse Clemens Holzmeister. Schon während des Studiums entstanden politische Karikaturen, mit denen er in der "Süddeutschen Zeitung" und der "Presse" reüssierte und zum Medienstar avancierte. Mit legendären TV-Sendungen ("Die Karikatur der Woche", "Der Jahresrückblick in der Karikatur") erreichte Peichl alias "Ironimus" ein Millionenpublikum.

"Peichl-Torten"

1955 eröffnete er sein eigenes Architekturbüro in Wien und errang bald internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Zu seinen bekanntesten Projekten zählen neben den ORF-Landesstudios – ironisch auch als "Peichl-Torten" apostrophiert – die Bauten der Messe Wien, das neue Haus der Kammerspiele München, die Bundeskunsthalle Bonn, die Erweiterung des Städel Museums in Frankfurt, die Burgtheater-Probebühne im Arsenal, die Erdefunkstelle Aflenz und nicht zuletzt das 2001 eröffnete Karikaturmuseum in Krems mit dem Ironimus-Kabinett. Seine markanten, leicht zittrigen Tusche-Zeichnungen trafen stets den Nerv der Zeit, sie waren beim Publikum beliebt. Bei so manchem Gezeichneten weniger. Für andere, wie dem legendären ORF-Generaldirektor Gerd Bacher waren sie sogar namensgebend. Nach einer Peichl-Karikatur im Jahr 1967 wurde die Bezeichnung "Tiger" salonfähig. Den ehemaligen SP-Bundeskanzler Bruno Kreisky nannte Peichl, dessen Markenzeichen eine runde Brille war, ein "großartiges Opfer". Insgesamt schuf Peichl 14.000 Karikaturen.

Gerhard Haderer nannte Peichl einen "Meilenstein der österreichischen Karikatur". Peichl selbst sagte einmal über seine Arbeit: "Die Karikatur ist ein Ventil für mich. Sie erspart mir sozusagen den Psychiater."

Der international hoch dekorierte Architekt und Karikaturist lehrte an der Akademie für bildende Künste in Wien und war Mitglied der Linzer Künstlervereinigung MAERZ. Gustav Peichl hinterlässt drei Kinder.

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