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Kultur

Interessanter als heile Welten

Von Von Karin Schütze   27. Dezember 2008 00:04 Uhr

Elfriede Kern

„Beim Schreiben versuche ich, Emotionen weit wegzurücken, keine persönlichen Befindlichkeiten. Ich finde das nicht interessant und lese selbst auch ungern Literatur, die so unverblümt persönlich ist“, sagt Elfriede Kern. Kürzlich erhielt die gebürtige Steirerin, die seit 25 Jahren in Linz als freischaffende Autorin lebt, den Kunstwürdigungspreis der Stadt Linz für Literatur.

Wie sie zum Schreiben gekommen ist? „Über das Lesen.“ Wozu sie als Bibliothekarin in der Nationalbibliothek in Wien und später an der Kepler-Uni in Linz jede freie Minute nutzte.

Erste Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften waren ausschlaggebend, dem nicht wirklich geliebten Beruf den Rücken zu kehren. „Viel zu früh“, wie die 58-Jährige rückblickend feststellt. 1996 wurde das beharrliche Festhalten an ihrer Vision belohnt: Ihr erster Erzählband, „Geständert“, erschien in der Edition Wehrgraben (Steyr), 1997 folgte ihr erster Roman: „Etüde für Adele und einen Hund“ (Jung und Jung), in dessen Mittelpunkt ein an Arthrose leidender Klaviervirtuose steht. Es sind meist keine glücklichen Figuren einer heilen Welt, die Kern beschreibt: „Die Themen drängen sich auf, warum, weiß ich nicht. Dass jemand in meinen Büchern umkommt, möchte ich heute allerdings nicht mehr.“

Fast bedeutender als der Inhalt ist ihr „die Arbeit an der Sprache“, wobei ihr Schönfärberei fernliegt. Zu Leitsätzen wurden ihr die Worte zweier Kollegen: Ilse Aichingers „Ich gebrauche die besseren Wörter nicht mehr“ wie Gottfried Benns „Man muss sein Material kalt halten“. Emotionale Distanz beim Schreiben ist ihr wichtig.

Schreiben im Internet

Warum sie das Ende einer Geschichte gerne offenlässt? „Mir ist es angenehmer, wenn etwas ausläuft, die Figuren ins Leere entlassen werden.“ Wie Yolande, die Hauptfigur in ihrem zweiten Roman „Kopfstücke“ (Jung und Jung, 1997).

Seit ihr letzter Erzählband „Tabula Rasa“ 2003 erschienen ist, veröffentlicht Kern ihre Texte im Internet – unter einem Pseudonym: „Man kann sich zurücknehmen, bekommt unvermittelte Reaktionen.“

Für ihr Werk wurde die Mutter einer erwachsenen Tochter bereits mehrfach ausgezeichnet, u. a. 2002 mit dem Marianne-von-Willemer-Preis.

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