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Kultur

Ein wissenschaftliches Buch mit künstlerischem Mehrwert

Von Hannah Winkelbauer   09. Januar 2018 00:04 Uhr

Wie wird etwas zum Zeichen? Und wie gewinnt dieses an Bedeutung? Am Beispiel der Werke von Toba Khedoori, einer in Los Angeles lebenden australischen Künstlerin mit irakischen Wurzeln, erörtert Monika Leisch-Kiesl unter dem Titel "ZeichenSetzung / BildWahrnehmung" diese Fragen. Sie schöpft dabei aus ihrem umfassenden theoretischen Wissen, arbeitet sich an Beispielen der Kunstgeschichte und an Positionen jüngerer und zeitgenössischer Zeichen- und Bildtheorie sowie Philosophie (u.a. Jacques Derrida) ab.

Das jüngste Werk der Professorin für Kunstwissenschaft und Ästhetik am Institut für Geschichte und Theorie der Kunst der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz ist ein wissenschaftliches Buch mit künstlerischem Mehrwert. Die Fußnoten sind nicht am Ende eines Kapitels, sondern mittendrin auf Halbseiten angebracht, was das Lesen erleichtert. Das Buch enthält außerdem mehrere seitenübergreifende Abbildungen von Arbeiten Khedooris, die irgendwo zwischen Malerei und Zeichnung einzuordnen sind. Die Autorin beschreibt und interpretiert diese, stellt sie in einen kunsthistorischen Kontext. Fenster, Stufen, umgeschnittene Baumstämme: Lapidar ins Bild gesetzt, scheinen diese auf den ersten Blick wenig aussagekräftigen Motive ohne Umgebung zu stehen und machen so wiederum eigene "Räume" auf: gedankliche Räume der oder des Betrachtenden.

Den Zeichen Bedeutung geben

"Bedeutung und Relevanz gewinnen Werke im Raum des Bildes, der nicht zuletzt der Raum der Betrachterin ist” (S. 181): Leisch-Kiesl betont die Rolle der Person, die das Bild ansieht, deren Interpretation den Zeichnungen, also den "Zeichen”, erst eine Bedeutung gibt. Sie führt den titelgebenden Begriff der "ZeichenSetzung” ein, der auf ein "Subjekt” ziele, das "ein Zeichen als ein solches” wahrnehmen, erkennen und interpretieren könne. Die Kunstwissenschafterin wechselt ab zwischen Exkursen über die Geschichte der Zeichnung, Bildbeschreibungen und theoretischen Begriffsklärungen und bezieht sich dabei stets auf ihre konkreten Fallbeispiele, die Werke Khedooris.

Die Lektüre des mehr als 350 Seiten umfassenden Werks setzt durchaus einiges an philosophischem und kunstwissenschaftlichem Wissen und Interesse voraus. Die Autorin bringt aber komplexe theoretische Hintergründe mit einer aktuellen künstlerischen Position in Verbindung, die hierzulande noch kaum bekannt ist. Die Publikation ist also auch abseits der akademischen Umgebung eine Empfehlung für jene, die Toba Khedoori und ihre Arbeiten entdecken möchten. Und für jene, die sich auf eine anspruchsvolle und anregende Reise durch die Philosophie und Theorie der zeitgenössischen Zeichenkunst begeben möchten.

Monika Leisch-Kiesl: "ZeichenSetzung I BildWahrnehmung.", Verlag für Moderne Kunst, 48 Euro

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