Lade Inhalte...

Kultur

Das Matriarchat als Exportschlager: Mathilde ter Heijne

Von Sarah Estermann   21. Januar 2011 00:04 Uhr

Das Matriarchat als Exportschlager
Echt ist nur die Künstlerin Mathilde ter Heijne – erraten Sie’s? Das Lentos Kunstmuseum Linz zeigt ihre Werke.

Ihr Name mag vielen Kunstkennern ein Begriff sein. Ab heute präsentiert das Lentos Kunstmuseum Linz in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Nürnberg die erste umfassendere Ausstellung der niederländischen Künstlerin Mathilde ter Heijne in Österreich.

Die in Berlin lebende, 41-jährige Mathilde ter Heijne vertritt eine spannende Position innerhalb des aktuellen Kunstgeschehens. Sie greift gesellschaftliche, kulturelle und politische Phänomene und Widersprüche auf und verarbeitet sie.

Die Mittel sind vielfältig, oftmals überschreitet sie ungeniert die Grenzen zwischen bildender Kunst und Unterhaltung, zwischen Skulptur, Fotografie und Film. Ihr Blickwinkel ist dabei ein dezidiert feministischer. Am Anfang eines jeden Arbeitsprozesses steht die Recherche.

In der Fotoserie „Unknown Women“ (2010) hat die Künstlerin eine Reihe von historischen Frauenporträts zusammengetragen. Unbekannte Gesichter blicken dem Betrachter stumm entgegen und scheinen nach der individuellen sowie gesellschaftlichen Identität der Frau zu fragen. Die Arbeit „Reconstruction of the Zumu of the Qiau Zi Family“ ist das Ergebnis einer China-Reise im Jahr 2007. Mathilde ter Heijne begegnet dort der Mosuo-Minderheit, die bis heute in einer matriarchalen Gesellschaftsordnung lebt. Stets interessiert an alternativen Lebensmodellen, verarbeitet die Künstlerin ihre Begegnung, indem sie das traditionelle Mosuo-Haus in der Ausstellung teilweise nachbaut und begleitend das Video „Constructing Matriarchy“ zeigt.

Ihre Puppenkinder sprechen

Besonders beeindruckend und wohl auch am bekanntesten sind die Werke aus der Gruppe „F.F.A.L.“ („Fake Female Artist Life“). Lebensgroße Abgüsse der Künstlerin werden zu Soundskulpturen mit literarischen Wurzeln. Mittels der „Doppelgängerinnen“ stellt ter Heijne fiktive Künstlerinnen nach, die Romanvorlagen entnommen sind. Zugleich rezitieren die Dummies Textfragmente, so dass sich ein vielstimmiger Sprechchor ergibt.

Die Selbstverbrennung, einerseits als Mittel des Protests, andererseits als Form der Aufopferung, thematisiert die Videoinstallation „Small things end, great things endure“ von 2001. Eine ausgezeichnete, aber auch sehr anspruchsvolle Ausstellung.

Info: „Mathilde ter Heijne – Any Day Now“, bis 27 .3., täglich 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, ab Februar montags geschlossen, www.lentos.at

0  Kommentare 0  Kommentare