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Reportage

Studien gefälscht, kritische Wissenschafter eingeschüchtert

26. Februar 2009 00:04 Uhr

Studien gefälscht, kritische Wissenschafter eingeschüchtert
Wachsender Widerstand: José Bové (Frankreich), Vandana Shiva (Indien).

Die Biotech-Industrie ist selbst schuld, dass ihr eine kritische Zivilgesellschaft mit wachsendem Misstrauen begegnet. Mahnendes Beispiel ist das Vorgehen des US-Konzerns Monsanto aus St. Louis (Missouri).

Die französische Publizistin Marie-Monique Robin deckte in einem TV-Film für den Sender Arte, für den sie drei Jahre lang recherchiert hatte, die Machenschaften von Monsanto auf:

• Monsanto erzeugte PCB, ein chemisches Öl, das als Isoliermittel verwendet wurde und erst in den Achtzigerjahren in den USA verboten wurde, weil viele Menschen nach Kontakt erkrankten und verstarben. Bereits seit den Dreißigerjahren sei die Gefährlichkeit des Stoffs bekannt gewesen.

• Monsanto erzeugte Dioxine: 2,4,5 T war Hauptbestandteil von „Agent Orange“, das von den US-Streitkräften im Vietnam-Krieg als Entlaubungsmittel eingesetzt wurde. Drei Millionen Menschen in Vietnam wurden verseucht, darunter auch viele US-Soldaten. Sie kamen um eine Entschädigung, weil Monsanto eine Studie beibrachte, wonach Dioxine keine krebserregende Wirkung hätten.
• 1974 brachte Monsanto das Totalherbizid Round-up auf den Markt, mit der Behauptung, es sei biologisch abbaubar. Es ist das erfolgreichste Unkrautvernichtungsmittel der Welt, eingesetzt von Landwirten wie Hobbygärtnern.

Monsanto verurteilt

1996 wurde Monsanto in New York verurteilt, den Werbehinweis „biologisch abbaubar“ auf der Verpackung zu entfernen. Roundup sei hochgiftig auch für Menschen und rufe bei der Zellteilung Funktionsstörungen hervor, nicht jedoch direkt Krebs.

• 1996 wurde Roundup-Ready als erste gentechnisch veränderte Sojasorte in den USA auf den Markt gebracht. Der Pflanze wurde ein Gen eingesetzt, das sie resistent gegen den Einsatz des Superpflanzengiftes Roundup macht. Alle anderen Pflanzen werden vernichtet. Es bleibt eine biologische Einöde.

• Marie-Monique Robin dokumentierte, wie Monsanto bei Dioxin-Pannen und bei der Einführung neuer Produkte Regierungsstellen und Zulassungsbehörden beeinflusste. Führungskräfte wechselten aus der Politik und Verwaltung in die Monsanto-Führung und umgekehrt. Wenn kritische wissenschaftliche Arbeiten auftauchten, wurden die Verfasser denunziert und entfernt.

Die Fülle und Vielfalt des Materials gegen Monsanto und höchste Regierungskreise ist bestürzend. Die US-Regierung begründete ihre großzügige Haltung damit, dass die Biotechnologie ein Schlüssel zur Weltmachtstellung der USA sei.

• Die ansonsten so gestrenge US-Genehmigungsbehörde Food & Drug Administration (FDA) bescheinigt der Gentechnik, sie sei technisch neutral. Als ein britischer Wissenschafter behauptete, das sei nicht beweisbar und es sei „sehr, sehr unfair, Menschen als Versuchskaninchen einzusetzen“, wurde dieser auf Weisung der britischen Regierung entfernt.

1996 publizierte Monsanto eine Studie, die die Unschädlichkeit von Roundup-Ready beweisen sollte. Das war der Durchbruch für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf dem Weltmarkt, obwohl unabhängige Wissenschafter die Fakten anzweifelten bis widerlegten.

Milliarden-Geschäft

Zehn Jahre nach Einführung von Roundup-Ready sind in den USA 90 Prozent der Sojaernte gentechnisch verändert und 70 Prozent der Sojaprodukte im Handel. Es ist – anders als in Europa – verboten, GVO-Produkte zu kennzeichnen.

Monsanto macht mit Biotechnologie rund acht Milliarden Dollar Umsatz und eine Milliarde Dollar Gewinn im Jahr. Es beschäftigt weltweit in 50 Ländern 18.000 Menschen. Der Konzern verweigerte Marie-Monique Robin ein Interview.

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