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Frech 09

„Kulturhauptstadt des Führers“ – „Wie bitte ?“

Von Bettina Kager   03. Februar 2009 07:11 Uhr

„Kulturhauptstadt des Führers“ – wenn Du völlig unvorbereitet diesen 09Titel auf dich wirken lässt, könnte sich als erster Gedanke „Ja sind denn die jetzt völlig wahnsinnig geworden“ einschleichen – irgend etwas zwischen „political incorrect marketing“ bis hin zum Verdacht der „Wiederbetätigung“ könnte in einem aufsteigen – Tja und so ähnlich dürfte es so manchen gewissen, weniger wohl meinenden, englischen Printmedien ergangen sein, die gar von einer „Verharmlosung“ oder „Vermarktung“ dieser Zeit schrieben.

Nun, dass Linz kein geschichtlich unbeschriebenes Blatt ist, sollte eigentlich bekannt sein.
Zumindest mir als Geschichtestudentin ist die prekäre Lage, in die Linz mit 2009 rutscht, durchaus bewusst. Um nicht Gefahr zu laufen, den Schleier des Vergessens über gewisse Phasen der Linzer Stadtentwicklung zu legen, war es sicher ein gelungener Schachzug, das Kulturhauptstadtjahr mit einer „NS – Ausstellung“ zu eröffnen.
Allerdings betont die Kuratorin Dr.in Birgit Kirchmayr in einem Interview, nicht Linz09 sei ausschlaggebend gewesen, sondern das Landesmuseum, das aus einem Projekt zum Thema Raubkunst die Idee für eine Ausstellung im Jahr 2008 entwickelt hat. Eine Gedenkausstellung also – gepaart mit einem „Quantum Linz09“.

Wir sind nicht Opfer, sondern Täter. Diese Aussage ist meines Erachtens unumstritten. Allerdings haben Menschen nach verschiedenen Wegen gesucht, um in der Zeit des Nationalsozialismus sowohl beruflich als auch im wahrsten Sinne zu überleben – auch KünstlerInnen. In zwei Bereichen sollen dem Publikum einerseits die kulturpolitische Situation und die Pläne Hitlers mit „seiner“ Kulturhauptstadt näher gebracht werden, andererseits geht man in drei Räumen genauer auf die bildenden Künste, Literatur und Theater und Musik im Gau Oberdonau ein. Eine Überleitung bildet ein Videoprojekt, in dem heutige oberösterreichische Künstler und eine Künstlerin sich zu verschiedenen Themen wie Erbe des NS-Regimes äußern – sehr geschickt eingebaut, diese Verbindung.

Ein besonderer Streitpunkt im Rahmen der Ausstellung ist der Jugendstilschreibtisch, der, unabhängig was der Text zu diesem Objekt sagt, einfach nur dasteht, weil Adolf Hitler für 10 Sekunden daran saß und eine Unterschrift in ein Buch setzte. Die gerissene Lösung, genau diese Tatsache als Frage an den/die BesucherIn weiter zu spielen, kommt trotzdem nicht bei allen gut an. Mir persönlich gefällt der Zugang ausgezeichnet: Ist der Schreibtisch deshalb mehr wert, weil Hitler kurz dran gesessen hat? Warum macht ihn das zu einem historischen Objekt? Dadurch bekommt das Publikum die Möglichkeit, einmal in die Rolle der Kuratorin zu schlüpfen. Was hättet IHR an deren Stelle getan?

Alles in allem wird unter anderem durch diese aufgeworfene Frage die Ausstellung zu einem sehenswerten 09-Auftakt. Man kann viele gestalterische Feinheiten entdecken, wenn man genügend Ausdauer beweist – allerdings ist das bei einer so großen Ausstellung gar nicht so einfach. Zum Glück spart sie an Text und wiederholt sich öfters – das erleichtert das Ganze, macht andererseits die Information aber auch teilweise platt und oberflächlich.
Für eine Vertiefung ist der Katalog empfehlenswert (als kleine Werbung nebenbei).
Die Ausstellung „Kulturhauptstadt des Führers“ Kunst und Nationalsozialismus in Linz und Oberösterreich wird noch bis 22. März im Schlossmuseum Linz zu sehen sein.
All jene, die die Ausstellung noch nicht gesehen haben, sollten die nächsten eineinhalb Monate also schleunigst nutzen um einen Blick zu riskieren – man will doch nicht gleich     die allererste Linz09 Ausstellung verpassen, oder?

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