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Linzer Informatiker warten Server "bei voller Fahrt"

10. Dezember 2013, 00:04 Uhr

LINZ. Bei Wartung kein Stoppen von Computersystemen mehr nötig

Wenn Computersysteme gewartet werden müssen, muss die Arbeit ruhen – und das meist ausgerechnet, wenn man mitten im Stress steckt. Denn für Updates und Wartungsarbeiten war es bislang nötig, die Systeme komplett abzuschalten und neu zu starten. Dies war ein großes Problem für komplexe Serversysteme, das zu lösen eines der wichtigsten Ziele großer Softwarefirmen war.

Gelungen ist es Thomas Würthinger in seiner JKU-Dissertation "Dynamic Code Evolution for Java". Würthinger hat 2012 an der JKU "sub auspiciis praesidentis" promoviert und leitet heute ein Oracle-Forschungslabor – in dem vorwiegend JKU-Informatiker beschäftigt sind.

Größtes Oracle-Labor in Linz

"Oracle" ist einer der größten Softwareentwickler weltweit mit über 115.000 Mitarbeitern und 37 Milliarden Dollar Jahresumsatz. In Österreich betreibt das Unternehmen allerdings nur ein einziges Forschungslabor, und das an der JKU. "Die JKU-Informatik hat bei Oracle einen so guten Ruf, dass das Oracle-Labor an der JKU sogar das größte Europas ist", ist Hanspeter Mössenböck, Leiter des Instituts für Systemsoftware, stolz auf den Erfolg. Die Kooperation läuft bereits seit zwölf Jahren, die neue Technik, um die Struktur von Programmen zu ändern, während sie weiterlaufen, ist ein Highlight dieser Zusammenarbeit.

"Ein Programm zu ändern, das gerade läuft, ist ein sehr komplizierter Vorgang", erklärt Mössenböck. "Es ist, als würde man bei voller Fahrt die Reifen eines Autos wechseln."

Dennoch ist es enorm wichtig: Das Starten großer Anwendungen ist zeitaufwendig, die Programme können beim Herunterfahren Daten verlieren. "Vor allem aber laufen viele Serversysteme rund um die Uhr. Man muss nur an Online-Shops denken – hier bedeutet eine längere Systemwartung einen massiven wirtschaftlichen Verlust", sagt Würthinger.

Kein Wunder also, dass die Lösung dieses Problems unter den Top Vier der Prioritätenliste der Java-Programmierer stand. In seiner Dissertation erfüllte Würthinger den Wunsch unzähliger Programmierer weltweit. Er schuf einen DCE-Algorithmus, der quasi ein "Nebenuniversum" erstellt, das parallel zum laufenden Programm existiert.

Dann wird das Originalprogramm sequentiell angepasst. "Das war die eigentliche Schwierigkeit. Programme haben einen bestimmten Ist-Zustand – verändert man den, droht ein Systemcrash", beschreibt Würthinger den Knackpunkt des Vorgangs. In seiner Arbeit konnte er auch dieses Problem lösen.

 

Daten und Fakten

1 Ehrung: Am 3. Dezember wurde Thomas Würthinger der „Heinz-Zemanek-Preis der Österreichischen Computergesellschaft“ verliehen. Dabei handelt es sich um den größten Dissertationspreis des Landes, der alle zwei Jahre für die beste Informatik-Dissertation verliehen wird.
2 Labor: Die US-IT-Firma Oracle hat dem heute 27-Jährigen bereits die Leitung seines österreichischen Forschungslabors übertragen. Dazu steht Würthinger in regem Austausch mit der Konzernzentrale im Silicon Valley (USA).
3 Forschung: Die überwiegende Mehrheit der Oracle-Labormitarbeiter sind Informatiker, die an der JKU ausgebildet wurden. Es ist das größte Oracle-Labor Europas.

 

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