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Campus

Ist Forschen nur etwas für Erwachsene?

Von Johannes Reitinger   25. März 2014 00:04 Uhr

Markus Lehner aus einer Übungsschule in Enns testet einen Elektromotor aus Alltagsartikeln, der bei einer Partnerarbeit im forschungsorientierten Physikunterricht entstanden ist.

Bei der Debatte um den Unterricht der Zukunft hört man vermehrt von Forderungen nach mehr Mitsprache seitens der Lernenden.

Schülerinnen und Schüler sollen Unterrichtsinhalte mitentscheiden können und sich selbstbestimmt neue Erkenntnisse erarbeiten. Das persönliche Interesse steht dabei im Vordergrund. Motiviert durch die Eingebundenheit und unterstützt durch kompetente, flexible Lehrende würden Lernende selbständig ihren persönlichen Lernweg finden. Schulfrust verschwindet, und der Lernprozess wird auf diese Weise zur Entdeckungsreise – zum forschenden Prozess.

Gibt es das wirklich? Können Schülerinnen und Schüler tatsächlich selbständig forschen? Was ist eigentlich forschendes Lernen? Und ist forschendes Lernen tatsächlich auf die hier geschilderte Art und Weise wirksam?

Gemeinsam mit meinem Forschungsteam gehe ich seit einigen Jahren diesen Fragen nach. Unsere Arbeitsstätte, die private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz, bietet uns hierzu sowohl in Lehrveranstaltungen mit Studierenden als auch in unseren Übungsschulen das passende Forschungsfeld.

Ein Blick auf die aktuelle pädagogische Literatur wie auch auf unsere eigenen Forschungsergebnisse zeigt, dass Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen tatsächlich enormes selbständiges Handlungspotential entwickeln können. Eine unserer Studien mit Dreizehn- bis Vierzehnjährigen zeigte beispielsweise, dass sich das persönliche Zutrauen sowie die Begeisterung fürs Lernen innerhalb nur weniger Wochen signifikant erhöhen, sobald der Unterricht forschend und entdeckend angesetzt wird. Voraussetzungen sind hierfür laut Untersuchungen, dass von den Lernenden persönlich bedeutungsvolle Fragestellungen behandelt werden dürfen und Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, sich auf Unterricht mit hohem Unbestimmbarkeitsgrad einzulassen. Forschendes Lernen kann man nicht "auf Nummer sicher" planen und erfordert von den Lehrenden ein hohes Maß an Flexibilität und Coachingkompetenz.

Lehrerinnen und Lehrer, vor allem aber auch Lehramtsstudierende, zeigen oft großes Interesse an forschendem Lernen. Zugleich äußern sie auch das berechtigte Bedürfnis nach Unterstützung, wie denn solches Lernen erfolgreich in den eigenen Unterricht integriert werden kann. Meinem Forschungsteam und mir ist es deshalb im Rahmen unserer wissenschaftlichen Arbeit ein Anliegen, praxistaugliche und wirksame Konzepte für forschenden Unterricht zu entwickeln und zu veröffentlichen. Damit bleibt für uns auch die Hoffnung bestehen, dass durch die Verbreitung solcher Konzepte mehr Selbstbestimmung, mehr persönlich bedeutungsvolle Lernerlebnisse und damit auch mehr Freude in den Schulalltag kommt.

Johannes Reitinger leitet das Institut "Forschung & Entwicklung" an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz. Nähere Infos zu forschenden Lernkonzepten unter: www.inquirylearning.eu

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