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"Es braucht sowohl Dynamik der Jungen als auch Weisheit der Alten"

Von Susanna Sailer, 16. November 2019, 00:04 Uhr
"Es braucht sowohl Dynamik der Jungen als auch Weisheit der Alten"
Ali Mahlodji: "Jugendliche müssen verstehen, was sie gut können." Bild: Cityfoto/WolfgangKunasz// Ali Mahlodji

OÖN-Wirtschaftsakademie: Ali Mahlodji über die Lebenswerte von Jung und Alt.

"Sag mal, Ali, wie ticken die Jungen? – Das werde ich oft gefragt." Kein Wunder, denn der gebürtige Iraner Ali Mahlodji (38), einst Mitbegründer der Berufsorientierungsplattform whatchado, ist EU-Jugendbotschafter und hat in dieser Funktion viel Kontakt zu Schülern, den Arbeitnehmern von morgen. Bei der OÖN-Wirtschaftsakademie diese Woche im Linzer Brucknerhaus sprach er über Potenzialentfaltung im digitalen Zeitalter und über sich wandelnden Werte.

"Es stimmt nicht, dass Junge nicht wollen oder nicht können. Sie haben eher das Gefühl, nicht gut genug zu sein", sagte Mahlodji. "Wie soll ein Junger wissen, was er beruflich machen will, wenn 60 bis 70 Prozent der Jobs, die wir in zehn Jahren haben werden, heute noch nicht existieren? Wir müssen daher Jugendliche dazu erziehen, dass sie verstehen, was sie gut können und wo ihr Potenzial liegt."

Neue Haltung

In Wahrheit sei eine neue Haltung nötig. Für Junge seien Freizeit und Lebenszeit die neuen Währungen. Manche Arbeitgeber würden darauf reagieren. Siemens biete in Arbeitszeitmodellen mehr Freizeit statt Geld, die Energie AG habe wiederum All-in-Verträge und Überstundenpauschalen abgeschafft.

Junge würden nicht mehr nach Selbstverwirklichung streben, was auch damit zusammenhänge, dass es der westeuropäischen Gesellschaft besonders gut gehe. Ein Leben in Überfluss bewirke, dass alte Glaubenssätze, die Ältere durch harte Zeiten trugen, nicht mehr gelten. Trotzdem würden Aussagen wie ,du sollst es einmal besser haben als wir’, die einst ihre Berechtigung hatten, noch sechs Generationen weitergereicht. "Wir leben in einer Welt, die sich rasch wandelt, aber wir halten an der Vergangenheit fest".

Mahlodji ortet aber einen Mangel an tiefen Beziehungen bei Jungen. Sie würden nach dem Motto, alles sofort haben zu wollen, leben. "Es mangelt an Dankbarkeit, Geduld und Gelassenheit", meint der EU-Jugendbotschafter. Den Jungen fehle die Selbsterfahrung. Sie brauchen Orientierung und Vertrauen. Die Kunst für Führungskräfte werde sein, die Jungen durch ihr Tun mitgestalten zu lassen. Mahlodji nannte als Beispiel eine Bäckerei, in der bereits Lehrlinge im ersten Lehrjahr eigene Kreationen vorschlagen können, die dann für eine Woche in die Produktion aufgenommen werden. Beißen die Kunden an, bleibe das Produkt im Sortiment.

Chef wird zu Coach

Das zeige auch, dass Hierarchie-Modelle nicht mehr funktionieren. Chefs wüssten nicht mehr alles besser als andere. Sie brauchen mitdenkende Menschen. Eine Führungskraft müsse wie ein Coach einbinden und Neugierde schaffen. Innovation entstehe durch Vielfalt nach dem Prinzip, jeder weiß etwas, was andere nicht wissen. Mahlodji: "Es braucht sowohl die Dynamik der Jungen als auch die Weisheit der Alten."

Und es brauche die Frauen. Wir alle werden von Menschen geprägt, die uns umgeben. Etwa wenn Mädchen bereits im Elternhaus suggeriert bekämen, Softwareentwicklung sei etwas für Burschen. "Das ist Nonsens", weiß Mahlodji. "Tatsächlich waren Frauen die ersten Softwareentwickler der Welt."

Eigentlich hätten alle Menschen Innovationskraft in sich. Allerdings müssten wir Fehler zulassen. Mahlodji: "Machen wir es wie Kinder, die Laufen lernen. Wenn sie fallen, raffen sie sich immer wieder auf und probieren es erneut."

 

Termine der OÖN-Wirtschaftsakademie 2020

Die OÖN-Wirtschaftsakademie bietet auch im kommenden Jahr an sechs Abenden inspirierende Impulse:

10. März 2020: Alex Witasek (Arzt, Autor, Seminarleiter): Der neue Reichtum Gesundheit; Wege zu mehr Kreativität, Leistungsteigerung und Wohlbefinden

15. April 2020Götz Schartner (Hacker, Sicherheitsforscher): Tatort WWW 

12. Mai 2020Patricia Staniek (Profilerin und Kriminologin): Profiling – Mein Wille geschehe

2. Juni 2020: Henry Maske (Box-Weltmeister, Motivationscoach): Nur wer aufgibt, hat verloren 

13. Oktober 2020: Marc Gassert (Kampfkunstmeister, Kommunikationswissenschafter): Nicht das Anfangen wird belohnt, sondern das Durchhalten

10. November 2020: Christoph Holz (Informatiker, Digitalisierungsexperte): Bullshit 4.0 – oder die Wiederentdeckung des Unternehmertums

Ort jeweils Brucknerhaus Linz, Vortragsbeginn: 18.30 Uhr

Infos und Buchungen: E-Mail: wirtschaftsakademie@nachrichten.at, Tel: 0732/7805-800 oder online unter nachrichten.at/wirtschaftsakademie

 

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Autorin
Susanna Sailer
Susanna Sailer
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