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OÖN-Geldtag

"Nachhaltig anlegen bedeutet nicht Renditeverzicht“

Von Hermann Neumüller  05. Dezember 2020 00:04 Uhr

"Nachhaltig anlegen bedeutet
Andreas Fellner (Partner Bank), Stefanie Huber (Sparkasse OÖ), Helmut Nuspl (Schoellerbank), Christoph Wurm (VKB-Bank)

Nachhaltigkeit ist neben Ertrag und Risiko als weitere Dimension bei der Geldanlage dazugekommen. Mit einem Modetrend hat das nichts mehr zu tun.

Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist", zitierte Helmut Nuspl, Leiter der Schoellerbank in Linz, den französischen Schriftsteller Victor Hugo. Die Zeit der Nachhaltigkeit ist aus Nuspls Sicht gekommen, nicht nur beim Einkaufen oder bei der Unternehmensführung, sondern auch bei der Geldanlage.

Geldtag 2020: Nachhaltigkeit ergänzt die Kriterien Risiko und Ertrag

Auf die Frage der Moderatorin Susanne Dickstein (OÖN), ob man beim nachhaltigen Anlegen auf Rendite verzichten müsse, kam ein eindeutiges Nein. Das zeige eine Vielzahl an Studien. Auch in der ersten Lockdown-Phase im Frühling habe sich gezeigt, dass nachhaltige Instrumente der Geldanlage besser abgeschnitten hätten.

Nachhaltige Geldanlage sei die Bezeichnung für nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment, sagte Stefanie Christina Huber, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse OÖ. Dafür gebe es die so genannten ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Dass diese viel Raum für Interpretation ließen, räumte Huber ein. "Man darf nie das Bauchgefühl ausschalten." Das sei wie beim Einkaufen. Eine Flug-Papaya sei eben weniger nachhaltig als ein Apfel aus heimischer Produktion.

Die Entscheidung für ein nachhaltiges Investment habe immer mit einer persönlichen Entscheidung zu tun, sagte Andreas Fellner, Vorstand der Partner Bank. Wer beispielsweise Atomkraft ausschließen will, werde entsprechende Aktien oder Fonds wählen, die genau das gewährleisten.

Christoph Wurm, Generaldirektor der VKB-Bank, rät zu einer eingehenden Beratung bei der Bank. Dort habe man das entsprechende Know-how, auch in der Hinsicht, dass man dem sogenannten "Greenwashing" entgehen könne, also dem Versuch von Unternehmen, sich nur ökologisch zu geben, ohne es zu sein.

Den Wendepunkt hin zur Nachhaltigkeit sieht Nuspl in der Finanzkrise vor zehn Jahren. Seither habe sich die Nachhaltigkeit bei der Geldanlage etabliert und weise derzeit ein Volumen von rund 15 Prozent des insgesamt investierten Kapitals auf.

Nachhaltige Geldanlage gebe es aber schon seit Jahrzehnten. Sparkassen-Chefin Huber verweist dabei auf die drei in Oberösterreich angesiedelten Kapitalanlagegesellschaften, die bereits seit langem so genannte Ethik-Fonds anbieten würden. "Breit aufstellen bleibt ja wichtig", sagte Huber. Diese Grundregel der Geldanlage dürfe man auch bei einem nachhaltigen Investment nicht vergessen.

Auf die Frage, wie nachhaltig die derzeit gute Entwicklung auf den Aktienmärkten sei, verwies Partner-Bank-Vorstand Fellner

auf das derzeitige Niedrigzins-Umfeld. Das zwinge institutionelle Anleger geradezu, in Aktien zu investieren. In Kombination mit dem vielen Notenbank-Geld auf dem Markt erwartet er auch weiterhin steigende Kurse, wenn auch mit heftigen Schwankungen.

Welche Rendite-Erwartungen man als Anleger derzeit haben darf, dazu gaben sich die Teilnehmer dieser Gesprächsrunde recht vorsichtig. "Wir haben alle keine Glaskugel. Wir wissen nicht einmal, was die nächsten Tage bringen werden", sagte Huber.

Schoellerbank-Experte Nuspl sieht keine Trendwende auf den Aktienmärkten. Dafür bräuchte es zuvor eine überschießende Euphorie, und die habe es bisher nicht gegeben.

Man dürfe derzeit zumindest einen Inflationsausgleich erwarten, sagte VKB-Bank-Generaldirektor Wurm. Eine Nettorendite im unteren einstelligen Bereich sei derzeit schon eine recht ordentliche Performance.

Artikel von

Hermann Neumüller

Redakteur Wirtschaft

Hermann Neumüller
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