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Das Rassismus-Problem: Vom Stadion ins Gefängnis?

Von nachrichten.at/apa, 03. April 2024, 13:25 Uhr

BOCHUM. In zweieinhalb Monaten beginnt in Deutschland die Fußball-EM. Und ein Problem dieses eigentlich so völkerverbindenden Sports beschäftigt die Verbände immer mehr: der zunehmende Rassismus in den europäischen Stadien.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bereits im März ein Anti-Rassismus-Projekt zu seiner Heim-EM gestartet. Der Weltverband FIFA will im Mai bei seinem Kongress in Bangkok eine entsprechende Resolution aller 211 Mitgliedsstaaten verabschieden. Die Frage ist nur: Reicht Symbolpolitik allein noch aus angesichts der Szenen, die sich in den vergangenen Wochen vor allem in Italien und Spanien gehäuft haben? Oder braucht es andere Maßnahmen wie härtere Strafen und schnellere Spielabbrüche, wenn der Fußball rassistische Vorfälle nachhaltig bekämpfen will?

"Wurde jahrzehntelang toleriert"

"Was wir beim Fußball sehen, ist nicht nur ein gesamtgesellschaftliches Problem, sondern hat auch mit dem Fußball selbst zu tun: Denn an diesem sozialen Ort wurde viel zu lange nichts gegen Rassismus getan, es wurde jahrzehntelang toleriert, fast schon normalisiert", sagt der deutsche Rassismus-Forscher Lorenz Narku Laing von der Evangelischen Hochschule Bochum. Empfindlichere Strafen könnten helfen, meint er: "Wir müssen tatsächlich darüber nachdenken, ob man Spiele abbrechen soll und zuungunsten der rassistisch agierenden Fanblöcke wertet."

Der brasilianische Stürmerstar Vinicius Junior von Real Madrid brach in der vergangenen Woche in Tränen aus, als er bei einer Pressekonferenz seines Nationalteams zum Thema Rassismus befragt wurde. Am Osterwochenende forderte der 23-Jährige dann via X: "Rassisten müssen entlarvt werden und die Spiele dürfen nicht mit ihnen auf der Tribüne fortgesetzt werden. Wir werden nur dann gewinnen, wenn die Rassisten die Stadien direkt ins Gefängnis verlassen, den Platz, den sie verdienen."

Vinicius ist schon häufiger Opfer rassistischer Anfeindungen geworden - im Stadion und darüber hinaus. 2021 baumelte eine schwarze Puppe mit einem Trikot des Stürmers von einer Brücke in Madrid - aufgehängt wie an einem Galgen.

Von Stadionverboten oder gar Gefängnisstrafen für einzelne Täter ist Forscher Laing aber wenig überzeugt. "Mein Traum ist eigentlich, dass ein Mann, der in der Kurve eine rassistische Beleidigung loslässt, von seinen Mitmenschen gesagt bekommt, dass das nicht geht. Dann sollte der Fall gemeldet werden und dieser Mensch vom Sportverband ein Seminarangebot zum Thema Rassismus bekommen, damit er wirklich für sich verstehen lernt, was das bedeutet, wie sehr es Menschen verletzt."

Die Wahl müsse am Ende sein: Stadionverbot oder Seminar. "Es geht nicht nur um Rauswürfe, mehr Polizei in Stadien und Verbote, sondern es geht um mehr Empathie, mehr Fairness, mehr Miteinander, Vergebung und tatsächlich eine emotional persönliche Lernreise der Menschen, die sich da falsch verhalten", meint Laing.

Solidarität nach roter Karte

Zumindest in Spaniens vierter Liga setzten die Spieler jüngst ein Zeichen: Der Torhüter des Madrider Vorstadt-Clubs Rayo Majadahonda wurde von einem Zuschauer mutmaßlich rassistisch beleidigt, ging auf diesen los und sah dafür die Rote Karte. Aus Solidarität mit dem Senegalesen Cheikh Kane Sarr verließen seine Mitspieler mit ihm das Spielfeld.

In der italienischen Serie A lief es im Jänner genau andersherum. Torhüter Mike Maignan vom AC Milan verließ den Platz, weil ihn Fans von Udinese Calcio mit rassistischen Gesängen überzogen hatten. Das Spiel wurde unter-, aber nicht abgebrochen: Die eigenen Teamkollegen überredeten den Franzosen im Kabinengang zum Weitermachen. "Ganz häufig galt die Mentalität: der Fußballer auf dem Platz hat doch hart zu sein, er ist doch ein hochbezahlter Profi", erklärt Laing.

In der Gesellschaft gebe es zwar eine "neue Sensibilität dafür, dass Rassismus falsch ist, auch wenn er Millionären passiert". Nur fehle es im Fußball noch häufig an diesem Bewusstsein. "Es ist ein Problem, dass der Fußball es noch nicht schafft, Rassismus als ein eigenes Problem zu begreifen. Entweder distanziert man sich davon, weil man sagt, dass das eben in der Hitze des Gefechts passiert. Oder man distanziert sich davon, weil man es an die Justiz, an die Polizei, die Anwälte, delegiert", erklärt Laing.

"Rein kosmetische Initiativen"

Erst in der vergangenen Woche wurde der italienische Nationalspieler Francesco Acerbi von einem Sportgericht freigesprochen. Er soll den Brasilianer Juan Jesus vom SSC Napoli rassistisch beleidigt haben. Acerbi dementierte dies, sein Verein Inter Mailand verteidigte ihn. Doch der seit zwölf Jahren in Italien spielende Juan Jesus hält an seiner Anschuldigung fest. Sein Club will sich aus Protest an keiner Anti-Diskriminierungs-Maßnahme des italienischen Verbands mehr beteiligen. Das seien nur noch "rein kosmetische Initiativen", hieß es in einer Napoli-Stellungnahme.

Doch was soll der Fußball stattdessen tun? Schon 2011 führte der europäische Fußball-Verband UEFA einen Drei-Stufen-Plan ein, der im Fall rassistischer Vorfälle in einem Stadion bis zum Spielabbruch führen kann. Erster Schritt: Spielunterbrechung. Zweiter Schritt: Spieler zeitweise in die Kabine schicken. Dritter Schritt: Abbruch.

Doch das geht selbst dem umstrittenen FIFA-Chef Gianni Infantino offenbar nicht mehr weit genug. "Das Problem ist, dass wir unterschiedliche Wettbewerbe, unterschiedliche Wettbewerbsorganisatoren, unterschiedliche Regeln haben. Und alles, was wir tun, ist offensichtlich nicht mehr genug", sagte der Weltverbands-Präsident im Februar bei einem UEFA-Kongress. Infantino will die Rassismus-Bekämpfung im Mai in Bangkok zum Thema machen: "Wir brauchen eine starke Resolution. Alle zusammen. Alle 211 Länder der FIFA!"

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6  Kommentare
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jack_candy (7.844 Kommentare)
am 09.04.2024 11:38

Das Problem bei konsequenten Spielabbrüchen wäre, dass die dann eventuell absichtlich provoziert werden können. Es gibt leider auch unfaire Spieler und vor allem "Fan"gruppen, denen das Spiel eigentlich egal ist und die sich vor allem selbst inszenieren wollen.

Und so wichtig es auch ist, den Opfern zu glauben, darf auch nicht wegen jedem Wortgefecht zwischen zwei Spielern eine Partie abgebrochen werden.
Wenn einem Spieler, die viele Jahre lang mit Farbigen und Asiaten ohne die geringsten Probleme zusammen gespielt hat, auf einmal eine rassistische Beleidigung vorgeworfen wird, wirft das durchaus fragen auf.

Von daher wäre es wichtiger, die Rassisten aus den Stadien zu verbannen, und zwar sowohl Einzelpersonen als auch ganze Fangruppen.

Und es muss Schluss damit sein, dass Spieler verwarnt oder vom Platz gestellt werden, wenn sie sich mit Gesten oder Worten gegen rassistische und auch andere (z. B. homophobe) Beleidigungen aus dem Publikum wehren.

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lustiglustig (17 Kommentare)
am 03.04.2024 22:41

brax

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zlachers (7.937 Kommentare)
am 03.04.2024 19:24

Wer das böse sät wir das böse auch ernten, mehr gibt es dazu nicht zu sagen!

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zlachers (7.937 Kommentare)
am 03.04.2024 19:22

Mir ist Rassismus zuwider, das sollte es dir auch sein! Merk dir das gut! Gehe nicht fort mit dem Gedanken andere Menschen zu verachten! Du weißt ja nicht was dich selbst morgen noch erwartet! Du selbstverliebter, eingebildeter, und hochnäsiger Menschenfeind wirst die Früchte deines Tuns eines Tages ernten müssen. Und sie werden dir nicht schmecken glaub mir das!
Ich habe in meinem Leben fast alle Nation kennengelernt, und müsste mich nicht über sie erheben wie du! Hör du auch jetzt damit auf! Du bist nichts besseres, und hast kein Recht über andere zu urteilen, sie zu hassen schon gar nicht! Geh doch einmal mit dir selbst ins Gericht nicht nur mit dem Ausländer! Und sei ehrlich zu dir und der restlichen Welt dann leuchtet es dir auch mal endlich auf, die anderen sind auch nur Mensch wie du!

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zlachers (7.937 Kommentare)
am 03.04.2024 19:06

Aus Müdigkeits gründen kann ich einfach nicht so lange Artikel lesen. Meinen Senf muss ich aber trotzdem dazu geben. Ich kann Rassismus nicht ausstehen. Find gerade nicht das richtige Wort dafür, wie zuwieder mir das ist. Ich hab viel Lebenserfahrung und sehe die Welt siche ganz anders als viele die sich ihr Lebenlang in Sicherheit befinden. Ich hab schon alles gesehen, und überall wo ich war, gab’s nur Menchen. Die Sprache ist anders, der Mensch bleibt gleich! Wer hat sich das Recht genommen sich besser vor zu kommen als die anderen, der wird sich noch wundern was ihm selbst noch im Leben erwartet. Der wird mal an seine Menschenfeindlichkeit zurück denken müssen, ob er will oder nicht! Es wird sich alles einmal Rechen das gute und das böse! Du rassistischer Menschen Feind wirst zusehen müssen wie du zu dem Menschen wirst die du in deinen guten Tagen verachtet hast! Und das sagen dir gerade nicht nur die Promille in mir! Das sagt dir Gott, und dein eigenes Herz!

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TheShedEnd (890 Kommentare)
am 03.04.2024 14:05

Ist doch hier nichts anderes in den Kommentaren, dass sich diese rechte. Wirschtln in der Anonymität des Internets mit ihren rassistischen Äußerungen stark fühlen und trauen. Im Stadion dann halt in der Masse/Menge stark sein.
Alleine auf der Straße oder im Job dann alles kleine Hosensch*ißer…

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