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Landespolitik

Studie: Bei fairer Rechnung ist Atomstrom unbezahlbar

05. Oktober 2011 00:04 Uhr

Studie: Bei fairer Rechnung ist Atomstrom unbezahlbar
Für die Folgen einer Katastrophe wie in Fukushima ist nicht vorgesorgt.

LINZ. Eine Linzer Uni-Studie rechnet erstmals jene Kosten ein, würden Atomkraftwerke gegen Unfälle und Katastrophen ausreichend versichert: Der Atomstrom wäre unbezahlbar teuer.

Die Schadenssumme nach der Fukushima-Katastrophe wird auf 300 Milliarden Euro geschätzt, die Folgekosten in der Ukraine und in Weißrussland nach dem Tschernobyl-Reaktorunfall auf insgesamt rund 435 Milliarden Euro: Risiken, die in den Haftungs-und Versicherungssummen für Kernkraftwerke nicht gedeckt sind.

Dazu gibt es in Europa auch völlig unterschiedliche, aber in jedem Fall unzureichende Regelungen, geht aus der Studie des Energieinstituts der Kepler-Universität hervor (siehe Kasten). Die Kernaussage lautet jedenfalls: „Wären die Versicherungsprämien dem Risiko angepasst, könnte kein Atomkraftwerk wirtschaftlich betrieben werden“, sagt der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider.

Am Beispiel der deutschen Meiler: Wären diese gegen die Risiken ausreichend versichert, würde dies im günstigsten Fall 19,5 Milliarden Euro Jahresprämie kosten (alle AKWs werden in einem Pool versichert), im teuersten Fall (jedes AKW einzeln versichert) 175 Milliarden Euro Jahres-Versicherungsprämie.

Die Folge für die Stromkosten: Der Atomstrom-Preis wird derzeit mit zwei Cent/kWh angegeben, er würde sich auf bis zu 2,36 Euro/kWh verteuern. Derzeit werde der Atomstrom indirekt „milliardenschwer“ subventioniert, und das zum Nachteil anderer Energieträger, so die Schlussfolgerung: „Eine eindeutige Marktverzerrung.“

Die Studie, „die erste dieser Art“, sei bereits an die Bundesregierung und an die EU-Kommission in Brüssel geschickt worden, sagt Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne). Er sieht in den Berechnungen den „wirtschaftlichen Hebel“ gegen Atomkraft: „Nach diesen Ergebnissen widerspricht sie den EU-Wettbewerbsrichtlinien.“

In diesem Sinn müsse auch die Bundesregierung reagieren und in der EU für einheitliche Haftungsregelungen bei Atomkraftwerken aktiv werden. (bock)

 

Niedrige Haftungssummen

Beispiele: Summen, bis zu denen AKW-Betreiber haften:
Deutschland: 2,5 Milliarden Euro für 17 AKWs
Frankreich: 91 Millionen Euro für 59 Reaktoren
Belgien: 297 Millionen Euro für sieben Reaktoren
Schweden: 327 Millionen Euro für elf Reaktoren
Tschechien: 306 Millionen Euro für sechs Reaktoren
Slowakei: 50 Millionen Euro für vier Reaktoren
Großbritannien: 147 Millionen Euro (33 Reaktoren)

 

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