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Zensurvorwürfe gegen Rai: Meloni im Kreuzfeuer der Kritik

Von nachrichten.at/apa, 22. April 2024, 08:58 Uhr
Neue Seidenstraße: Italien steigt aus der Initiative aus
Giorgia Meloni Bild: APA/AFP/TIZIANA FABI

ROM. Italiens öffentlich-rechtliche TV-Anstalt Rai und Premierministerin Giorgia Meloni sind mit Zensurvorwürfen konfrontiert.

Die Rai wird wegen der kurzfristigen Ausladung des Schriftstellers und Mussolini-Experten Antonio Scurati von der Teilnahme an einer politischen Talkshow des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kritisiert. Der 54-jährige Scurati hätte am Samstagabend in der Sendung "Chesarà" (etwa: Was wird sein) des Senders Rai 3 einen Monolog aus Anlass des "Tags der Befreiung" am 25. April verlesen sollen. An dem gesetzlichen Feiertag gedenkt das Land der Befreiung Italiens nach den Aufständen der Partisanen vom April 1945 gegen die deutschen Besatzer und deren faschistische Verbündete.

Dies löste eine hitzige Kontroverse aus. Die Rai beschloss die Auflösung von Scuratis Vertrag mit der Begründung, sie wolle nicht 1800 Euro für die Verlesung eines 3500 Zeichen langen Monologs zahlen. Daraufhin stellte Scurati der Moderatorin seinen Kurzessay kostenfrei zur Verfügung, die den Text sodann in ihrer Sendung verlas.

"Niemals von neofaschistischer Vergangenheit gelöst"

In seinem Text, der am Sonntag auch von zahlreichen Zeitungen veröffentlicht wurde, erinnert Scurati an die Ermordung des sozialistischen Politikers Giacomo Matteotti durch Mussolinis Faschisten am 10. Juni 1924 sowie an die Massaker der Wehrmacht an italienischen Zivilisten vom Frühjahr 1944. Er beklagte, dass Meloni sich niemals "von ihrer neofaschistischen Vergangenheit gelöst" hätte. Sie und ihre "postfaschistische Partei" würden stattdessen versuchen, "die Geschichte umzuschreiben".

Der Text des Monologs wurde später im Internet veröffentlicht und von Premierministerin Meloni auf ihrem Facebook-Profil geteilt. "In einem Italien mit so vielen Problemen sorgt die Linke wieder unnötig für Auseinandersetzungen. Die Linke beklagt Zensur, die Rai entgegnet, sie habe sich einfach geweigert, 1.800 Euro (das Monatsgehalt vieler Angestellter) für einen einminütigen Monolog zu zahlen. Ich weiß nicht, wo die Wahrheit liegt, aber ich veröffentliche nun selber den Text des Monologs (für den ich hoffentlich nicht bezahlen muss)", schrieb Meloni in Sozialen Netzwerken.

"Zensur und Gewalt"

Scurati erwiderte, dass das Thema seines Honorars nur ein Vorwand sei, um ihn zum Schweigen zu bringen. Dies sei Gewalt, beklagte der Autor. Die Journalistengewerkschaft Usigrai kritisierte, dass die "Kontrolle der Rai-Spitze über die Informationen von Tag zu Tag erdrückender" werde und kündigte einen fünftägigen Streik an. Meloni wird seit Monaten beschuldigt, mehrere Spitzenpositionen in der Rai mit Vertrauensleuten besetzt zu haben.

Auch in der Opposition löste die Ausladung Scuratis einen Sturm der Entrüstung aus. Elly Schlein, Chefin des sozialdemokratischen Partito Democratico, warf der Rechtsregierung "Zensur und Gewalt" vor.

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4  Kommentare
4  Kommentare
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linz2050 (6.656 Kommentare)
am 22.04.2024 15:03

Wehret den Anfängen! Darum nein zur FPÖ!

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diwe (2.396 Kommentare)
am 22.04.2024 11:15

Typisch für die Rechten. Aber wie daneben die Neofaschisten in Italien sind, hat sich gerade wieder gezeigt. Da haben die ein Gesetz erlassen, dass Dinge, die einen italienischen Namen tragen, auch in Italien produziert werden müssen. So muss Alfa Romeo den gerade vorgestellten neuen Milano in Junior umbenennen, weil er in Polen gefertigt wird. Als ob die Italiener keine anderen Probleme hätten!

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jack_candy (7.973 Kommentare)
am 22.04.2024 10:27

Hat sich irgendjemand von einer neofaschistischen Regierung etwas anderes erwartet?

Die FPÖ hat ähnliche Pläne - wie auch die AfD in Deutschland.

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gutmensch (16.774 Kommentare)
am 22.04.2024 09:46

Meloni, die Wölfin im Schafspelz kommt schön langsam in die Gänge.

Zensur im öffentlich Rechtlichen, genau das, was der FPÖ in Österreich vorschwebt. Deshalb haben sie auch diesen Vorbestraften in den Stiftungsrat entsandt. Der soll das schon vorbereiten, für die Zeit, in der sie eventuell in die Regierung kommen.

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