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Wächter der Revolution: Irans Schattenherrscher

Von nachrichten.at/apa, 15. April 2024, 09:42 Uhr
BRITAIN-IRAN-US-CONFLICT-PALESTINIANS-PROTEST
Viele Iraner machen inzwischen auch die Revolutionsgarden für gesellschaftliche Probleme verantwortlich. Bild: HENRY NICHOLLS (APA/AFP/HENRY NICHOLLS)

TEHERAN/DAMASKUS. Der erste direkte Angriff des Irans auf Israel bringt die beiden Erzfeinde an den Rand eines Krieges.

Die iranische Armee griff am Samstag israelische Ziele mit rund 300 Raketen und Drohnen an. Die Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben Dutzende Drohnen und Raketen ab. Das israelische Militär wehrte nach eigenen Angaben die Attacke mit dem Titel "Aufrichtiges Versprechen" erfolgreich ab. Israel hatte Unterstützung der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Jordaniens. Als Auslöser für die jüngste Eskalation gilt der Tod des Brigadegenerals und Kommandanten der Al-Quds-Brigaden, Mohammad Reza Zahedi am 1. April.

Bei einem Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in Damaskus waren neben Zahedi sechs weitere Militärs getötet worden. Botschaften sind nach internationalen Regeln von Angriffen ausgenommen. Die UNO und die EU verurteilten die Attacke. Der Iran wirft Israel vor, den Luftangriff ausgeführt zu haben. Israel hat dies nicht bestätigt. Das US-Verteidigungsministerium geht jedoch davon aus.

Irans Eliteeinheit

Die Al-Quds-Brigaden sind für Auslandseinsätze der islamischen Revolutionsgarden zuständig und bestehen offiziell aus rund 5000 Soldaten. Die Revolutionsgarden (IRGC) sind Irans Eliteeinheit. Gegründet von Ayatollah Ruhollah Khomeini nach der Islamischen Revolution 1979 soll die Einheit einen Putsch verhindern und die Staatsideologie schützen. Hunderttausende Hilfstruppen unterstehen den IRGC, darunter auch die berüchtigten Basij-Milizen, die an der brutalen Unterdrückung der Proteste im Herbst 2022 im Iran beteiligt waren.

Die Garden sind nicht nur ein mächtiger Akteur der Außenpolitik, sondern haben auch erheblichen Einfluss im Inneren. Politisch unterstehen sie nicht dem Präsidenten oder dem Parlament, sondern dem geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei, der gemäß Verfassung das letzte Wort in allen politischen, juristischen, kulturellen und wirtschaftlichen Belangen des Iran hat. Frühere Mitglieder der Garden sind in vielen Institutionen präsent, und ihre Kommandanten haben sich wiederholt gegen den Kurs der Regierung in der Innen- und Außenpolitik gestellt.

Revolutionswächter militärisch hochgerüstet

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Revolutionswächter nicht nur militärisch hochgerüstet worden, sie haben auch ihren gesellschaftlichen und ökonomischen Einfluss ausgebaut. Heute gelten Anhänger der IRGC als Wirtschaftsmacht, mit Beteiligungen unter anderem an Hotelketten, Mobilfunkunternehmen und Airlines. Gleichzeitig kontrollieren sie Teile der von scharfen internationalen Sanktionen getroffenen Wirtschaft. Ein Insider in Teheran bezeichnete die Wächter als "Motor der Islamischen Republik".

Während sie sich selbst als "Bewahrer der Revolution und ihrer Errungenschaften" sehen, gelten sie Kritikern als größtes Hindernis für einen gemäßigteren Kurs der Islamischen Republik. Gegründet aus informellen Milizen haben sich die Garden zu einer professionellen Parallelarmee mit eigenen Boden-, Luft- und Seestreitkräften entwickelt. Ihnen untersteht auch das umstrittene Raketenprogramm, das die USA und ihre regionalen Verbündeten als Bedrohung sehen.

Nach der Revolution spielten die Garden eine wichtige Rolle beim "Export der Revolution" und unterhielten enge Kontakte zu militanten Oppositionsgruppen in den Nachbarstaaten des Iran. Insbesondere standen sie Pate bei der Gründung der libanesischen Hisbollah-Miliz. Vor allem die sunnitischen Monarchien am Golf betrachten die Garden daher als Bedrohung ihrer Macht.

Verbündete in Politik und Unterstützung schiitischer Milizen

Ob Irak, Syrien oder Libanon: Teheran setzt auf Verbündete in der Politik und die Unterstützung schiitischer Milizen, doch viele Iraner machen inzwischen auch die Revolutionsgarden für gesellschaftliche Probleme verantwortlich. IRGC-Offizieren ist die Kritik bekannt. Doch davon zeigt sich die militärische Führung unerschrocken. Aus Sicht der Revolutionsgarden ist dies der Tribut für die Unabhängigkeit von großen Mächten, allen voran dem Erzfeind USA.

Ob die Revolutionsgarden den Iran zu einem sichereren Land machen, sehen inzwischen viele Iraner kritisch. Vor allem das expansive Engagement im Nahen Osten und die Unterstützung militanter Schiiten hätten zu den Spannungen in der Außenpolitik geführt, sagen Kritiker. Auch die gewaltsame Unterdrückung von Protesten führe zu einer großen gesellschaftlichen Spaltung, beklagen Iranerinnen und Iraner verschiedener Schichten.

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