Lade Inhalte...
  • NEWSLETTER
  • ABO / EPAPER
  • Lade Login-Box ...
    Anmeldung
    Bitte E-Mail-Adresse eingeben
    Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse oder Ihren nachrichten.at Benutzernamen ein.

gemerkt
merken
teilen

Bub in Hundebox gesperrt: 20 und 14 Jahre Haft

Von nachrichten.at/apa, 29. Februar 2024, 22:28 Uhr
NIEDER…STERREICH: PROZESS UM KIND IN HUNDEBOX: MUTTER AM WORT
In diese Hundebox soll der Bursch im Waldviertel von seiner Mutter gesperrt worden sein. Bild: CHRISTOPHER ECKL (APA)

KREMS. 20 und 14 Jahre Haft - so lauten die Urteile im Prozess gegen 2 Frauen, die einen Buben im Waldviertel gequält und in eine Hundebox gesperrt haben sollen.

Mit Schuldsprüchen für die beiden angeklagten Frauen hat am späten Donnerstagabend in Krems der Prozess um einen nunmehr 13-Jährigen geendet, der von seiner Mutter im Waldviertel in eine Hundebox gesperrt und gepeinigt worden sein soll. Die 33-jährige Hauptangeklagte muss 20 Jahre in Haft, ihre Komplizin (40) für 14 Jahre. In beiden Fällen wurde zudem die Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum ausgesprochen. Die Entscheidungen sind nicht rechtskräftig.

Verurteilt wurde die Mutter wegen versuchten Mordes, Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen sowie wegen Freiheitsentziehung. Die Hauptfrage nach versuchtem Mord wurde von sieben der acht Geschworenen nach rund siebenstündiger Beratung bejaht, die beiden weiteren Punkte einstimmig. Die ehemalige Freundin der Waldviertlerin, die Aufträge zu den Misshandlungen des Buben gegeben haben soll, wurde wegen fortgesetzter Gewaltausübung als Beitrags- oder Bestimmungstäterin belangt. Hier fiel das Votum der Laienrichter ebenfalls einstimmig aus.

"Ein Leben fast zerstört"

Die Höhe der Strafen sei erforderlich, um deutlich vor Augen zu führen, dass die Beschuldigten "mit ihren Handlungen ein Leben fast zerstört hätten", führte die vorsitzende Richterin aus. Auf psychischer Ebene sei der Bub, den es vorher gegeben habe, "auf jeden Fall zur Gänze zerstört" worden. Die beiden Frauen müssen dem Kind zudem gemeinsam insgesamt 80.000 Euro bezahlen.

Dreitägiger Prozess in Krems

Nach drei Tagen ist der Prozess am Donnerstag am Landesgericht Krems zu Ende gegangen. Die Geschworenen zogen sich am Nachmittag zu ihren Beratungen zurück. Davor war das psychiatrische Gutachten eingehend erörtert worden. 

Im von Peter Hofmann erstellten psychiatrischen Gutachten wird der 33 Jahre alten Mutter eine "schwerwiegende und nachhaltige psychische Störung" attestiert. Das Stadium der Unzurechnungsfähigkeit sei aber nicht erreicht, die Frau habe auch "nicht unter einem Wahninhalt" gehandelt. Die Steuerungsfähigkeit sei im Tatzeitraum zwar erheblich eingeschränkt, jedoch nicht aufgehoben gewesen.

Videobeitrag zum Prozess:

"Schwere emotionale Störung"

Vorliegend war laut Hofmann bei der Mutter zudem eine "schwere emotionale Störung", die 33-Jährige habe "kein Empfinden mehr für die Absurdität dieser Situation" gehabt. Der Sachverständige sprach von einer "monströsen kriminellen Handlung über langen Zeitraum". Es bestehe eine große Wahrscheinlichkeit dafür, dass die 33-Jährige in absehbarer Zeit erneut schwere Körperverletzungsdelikte begehen werde.

Ähnlich verhält es sich in Sachen Gefährlichkeit mit der 40-jährigen möglichen Komplizin. Die Beschuldigte sei aber stets zurechnungsfähig gewesen, konstatierte Hofmann. Falls sich die Zweitangeklagte tatsächlich wie in der Anklage vorgeworfen verhalten hat, deute das eindeutig auf "innerlich große Abgründe" und "mangelnde Empathie" hin. Für beide Frauen beantragte die Staatsanwaltschaft Krems zusätzlich zum Strafausspruch eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum gemäß Paragraf 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch.

Die Aussagen der beiden Angeklagten hatten einander im Prozessverlauf in vielen Teilen widersprochen. Am Donnerstag zeigte sich die Mutter zerknirscht und gab an, dass ihr "schrecklich leid tut, was passiert ist". Sie wisse nicht, "wie es so weit kommen hat können" und bereute die Kontaktaufnahme mit der Zweitangeklagten.

NIEDER…STERREICH: PROZESS WEGEN U.A. VERSUCHTEN MORDES GEGEN FRAU, DIE IHREN DAMALS ZW…LFJ€HRIGEN SOHN IM WALDVIERTEL IN EINE HUNDEBOX GESPERRT UND GEQU€LT HABEN SOLL
Im Landesgericht Krems wurde der Fall in den vergangenen Tagen unter großem öffentlichen Interesse verhandelt. Bild: HELMUT FOHRINGER (APA)

"Ganzes Ausmaß nicht bewusst gewesen"

Die 40-Jährige räumte dezidiert ein, einmal dabei gewesen zu sein, als der Bub in die Hundebox gesperrt worden war. Zudem unterstrich sie jedoch, dass ihr das gesamte Ausmaß der Handlungen nicht bewusst gewesen sei. "Den Fehler kann ich leider nicht mehr rückgängig machen, ich hätte da selber eingreifen müssen." Sie entschuldigte sich unter Tränen beim 13-Jährigen und bei dessen Vater. Die Staatsanwältin ortete bei der 40-Jährigen indes widersprüchliche Aussagen. "Warum sollten wir Ihnen ein Wort glauben?", stellte die Vertreterin der Anklagebehörde in den Raum.

"Die beiden Frauen" hätten den Buben "zerstört - zumindest seelisch", betonte die Staatsanwältin dann in ihrem Schlussvortrag. "Es hat einige Wochen und Monate gedauert, bis auch wir als Ermittlungsbehörden das volle Ausmaß dieser Tat erkannt haben." Die Kindsmutter habe auch den Tod des damals Zwölfjährigen in Kauf genommen. Opferanwalt Timo Ruisinger vermisste bei beiden Angeklagten echte Reue. Das nun 13-jährige Opfer wisse vom heutigen Prozesstag und wünsche sich Gerechtigkeit.

"Ein Jahrhundertfall"

"Es ist einer der schwierigsten Fälle, die man sich vorstellen kann. Es ist eigentlich ein Jahrhundertfall", führte Astrid Wagner, die Verteidigerin der Mutter, in ihrem Plädoyer aus. Ihre Mandantin habe in "verzerrter Wahrnehmung" nicht erkannt, dass das Kind in Lebensgefahr war. Versuchter Mord liege daher nicht vor. Der Anwalt der Zweitangeklagten, Sascha Flatz, sagte: "Ich bin überzeugt davon, dass meine Mandantin nicht wusste, dass das in der Form stattfindet." Die 40-Jährige habe dem Kind mit ihrem Einschreiten vielmehr sogar das Leben gerettet.

Vorwurf: geschlagen, gefesselt, geknebelt und in Hundebox gesperrt

Vorgeworfen wird der 33-jährigen Mutter und Alleinerzieherin, dass sie ihren Sohn zumindest von Juli bis November 2022 u.a. geschlagen, gefesselt, geknebelt und ihn wiederholt über Stunden in eine Hundebox eingesperrt haben soll. Zudem soll sie das Kind hungern haben lassen.

Festgenommen wurde die Frau am 24. November 2022. Anfang März 2023 klickten dann für die 40-jährige mögliche Komplizin die Handschellen. Sie und die Kindesmutter waren über Jahre hinweg sozusagen ziemlich beste Freundinnen. Die Waldviertlerin soll der Erstangeklagten darüber hinaus wiederholt detailreiche Anweisungen zur Misshandlung des Kindes gegeben haben. Auch der Vorschlag, den Buben in die Hundebox zu sperren, soll von der 40-Jährigen gekommen sein. Von der Frau wurde das allerdings bestritten.

Bub abgemagert und unterkühlt in Lebensgefahr

Zugespitzt hat sich die Sachlage von 20. bis 22. November 2022, auf diesen Zeitraum bezieht sich auch der Vorwurf des versuchten Mordes. Die Mutter dürfte den damals Zwölfjährigen bei geöffneten Fenstern mit kaltem Wasser übergossen haben. Die Körpertemperatur des abgemagerten Burschen senkte sich auf 26,8 Grad ab, der Zustand war lebensbedrohlich.

NIEDER…STERREICH: PROZESS WEGEN U.A. VERSUCHTEN MORDES GEGEN FRAU, DIE IHREN DAMALS ZW…LFJ€HRIGEN SOHN IM WALDVIERTEL IN EINE HUNDEBOX GESPERRT UND GEQU€LT HABEN SOLL
Anwältin Astrid Wagner auf dem Weg zum Gerichtssaal. Bild: HELMUT FOHRINGER (APA)

Die beiden Frauen telefonierten mehrmals, abends nahm die Zweitangeklagte schließlich Kontakt mit einer an sich nicht in den Fall involvierten Sozialarbeiterin auf und fuhr mit ihr gemeinsam zum Wohnort der Hauptbeschuldigten. An Ort und Stelle alarmierte die Mutter schließlich die Rettung, allerdings erst nach mehrfacher und eindringlicher Aufforderung der Sozialarbeiterin. Das Kind wurde in ein Krankenhaus gebracht und auf der Intensivstation behandelt.

Gutachterin: Persönlichkeit des Buben dürfte "verformt bleiben"

Körperlich geht es dem Buben nun wieder gut, er lebt bei seinem Vater. Eine Gutachterin sah beim 13-Jährigen aber die "Wahrscheinlichkeit stark erhöht, dass er zukünftig in seiner Persönlichkeit verformt bleiben wird". Vorliegend sei eine posttraumatische Belastungsstörung.

Beleuchtet wurde im Prozessverlauf auch die Rolle der Kinder- und Jugendhilfe. Nach zwei Gefährdungsmeldungen gab es am 28. Oktober und am 18. November 2022 unangekündigte Hausbesuche bei Mutter und Sohn. Geortet wurden zwar Auffälligkeiten, es wurde aber keine Veranlassung für eine sogenannte Gefahr-im-Verzug-Maßnahme gesehen. Die Kinder- und Jugendhilfe betonte im Vorjahr, dass eine sofortige Prüfung der internen Abläufe nach Bekanntwerden des Falls ergeben habe, dass "alle Vorgaben eingehalten wurden". Eine sechsköpfige, unabhängige Expertengruppe wurde eingesetzt.

Neuerliche Prüfung des Falls veranlasst

Am Donnerstag bestätigte das Büro von Niederösterreichs Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) auf Anfrage, dass aufgrund neuer aus dem Gerichtsverfahren bekannt gewordener Details, die sich in der bisherigen Aktenlage nicht abgebildet hätten, eine neuerliche Prüfung des Falls veranlasst worden sei. Auch wurde mitgeteilt, dass der Bericht der Kommission Kinderschutz nun vorläge und über die Ergebnisse in der nächsten Sitzung der Landesregierung am kommenden Dienstag berichtet werde. Im Anschluss solle die Öffentlichkeit entsprechend informiert werden.

Opferanwalt Ruisinger will nach Abschluss des Geschworenenverfahrens prüfen, ob seitens der Kinder- und Jugendhilfe die richtigen Schritte gesetzt worden sind. Es dränge sich die Frage auf, ob die Geschehnisse verhindert hätten werden können. In den kommenden Wochen soll das Land mit den Vorwürfen konfrontiert werden, kündigte der Jurist im Gespräch mit der APA an.

NIEDER…STERREICH: PROZESS WEGEN U.A. VERSUCHTEN MORDES GEGEN FRAU, DIE IHREN DAMALS ZW…LFJ€HRIGEN SOHN IM WALDVIERTEL IN EINE HUNDEBOX GESPERRT UND GEQU€LT HABEN SOLL
Das Landesgericht Krems war Schauplatz der Verhandlung rund um die Vorwürfe. Bild: HELMUT FOHRINGER (APA)

Die Mutter des Sohnes könnte im Fall einer Verurteilung wegen versuchten Mordes bis zu lebenslange Haft ausfassen. Diesen Anklagepunkt bestritt die 33-Jährige. Zu den Vorwürfen des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen sowie der Freiheitsentziehung bekannte sich die Waldviertlerin schuldig. Die Strafdrohung für die Mitangeklagte wegen fortgesetzter Gewaltausübung als Beitrags- oder Bestimmungstäterin beträgt bis zu 15 Jahre. Die 40-Jährige bekannte sich grundsätzlich schuldig, schränkte diese Verantwortung aber danach bei ihrer Befragung am Montag stark ein.

mehr aus Chronik

Banküberfall in Innsbruck: Täter offenbar bewaffnet und flüchtig

Kind in Hundebox gesperrt: Vater sieht Behördenfehler

Ausgekifft: Bayern beschließt Kiff-Verbot für Volksfeste und Biergärten

Chemie-Experiment an Schule in Niederösterreich: 3 Personen im Krankenhaus

Lädt

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

Aktuelle Meldungen