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Oberösterreich

Zwangsquarantäne? Landwirt soll 15 Erntehelfer eingesperrt haben

Von René Laglstorfer  16. April 2020 00:04 Uhr

Zwangsquarantäne? Landwirt soll 15 Erntehelfer eingesperrt haben
Pro Saison arbeiten in Oberösterreich rund 9500 Erntehelfer.

LINZ. Die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt wegen des Verdachts der Freiheitsentziehung, das Arbeitsinspektorat wegen 72 Wochenstunden

So gefragt wie wohl noch nie ist derzeit die Arbeit von Erntehelfern. Nun soll jedoch ein oberösterreichischer Landwirt 15 seiner Mitarbeiter eingesperrt haben, aus Angst, sie könnten sich mit dem Coronavirus anstecken.

Drei der 15 Erntehelfer, die alle aus der Ukraine zum Arbeiten nach Österreich gekommen sind, haben sich bereits vor etwa zwei Wochen telefonisch bei der Landarbeiterkammer Oberösterreich (LAK OÖ) gemeldet.

Sie leben während der Erntezeit in einem Gebäude am Hof des Landwirts aus dem Bezirk Linz-Land. In der Nacht soll der Arbeitgeber die Tür des Hauses versperrt haben, damit sie sich nicht mit anderen Arbeitern treffen und sich dabei vielleicht mit Covid-19 infizieren. Die Zimmertüren blieben aber offen. Zwölf der 15 Erntehelfer sollen mit der Zwangsquarantäne über Nacht einverstanden gewesen sein. Die drei, die sich an die LAK OÖ wandten, jedoch nicht.

"Mir ist die Schwierigkeit bewusst: Die Erntehelfer sind alle eng beieinander und unter sich. Wenn sich da einer ansteckt, erkranken alle. Aber Einsperren ist keine Option, das kann es nicht sein", sagt Wolfgang Ecker, Direktor LAK OÖ.

Die Landarbeiterkammer hat die Staatsanwaltschaft informiert. Einer der drei Erntehelfer hat daraufhin Anzeige erstattet. In drei Fällen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Freiheitsentziehung.

Es müsse geprüft werden, ob die Männer in einem Notfall das Haus verlassen hätten können, ob irgendwo ein Schlüssel bereitlag oder Ähnliches, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz.

Außerdem gingen bei der LAK Beschwerden über zu lange Arbeitszeiten auf dem Hof ein. Einige Arbeiter sollen bis zu 72 Stunden pro Woche und auch an Sonntagen gearbeitet haben. "Viele Erntehelfer haben auch Interesse daran, viel zu arbeiten. Aber es sind nur maximal 60 Stunden pro Woche erlaubt, und die Spargelernte muss nicht am Sonntag gemacht werden", sagt LAK-Direktor Ecker. Aus diesem Grund wurde auch das Arbeitsinspektorat informiert.

Nerven liegen blank

Bei Obst- und Gemüsebauern würden wegen der Krise die Nerven blank liegen, sagt Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ. "Aber wenn es Verfehlungen gegeben hat, dann müssen diese auch entsprechend geahndet werden."

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René Laglstorfer

Redakteur Land und Leute

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