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Überlebenskampf: "Ohne Hilfe wären wir verloren"

Von Eike-Clemens Kullmann, 06. Mai 2023, 13:33 Uhr
Überlebenskampf: "Ohne Hilfe wären wir verloren"
Ganze Landstriche wurden bei dem verheerenden Zyklon „Freddy“ überflutet. Bild: ESMABAMA

LINZ/BEIRA. In Mosambik hilft "Sei So Frei" seit 20 Jahren. Ein Zyklon hat jetzt vieles zunichtegemacht.

"2019 war es Zyklon Idai, jetzt ist es Freddy", ist Franz Hehenberger entsetzt über die Naturkatastrophe, die Mosambik, ein Land im Süden Afrikas, vor wenigen Wochen heimgesucht hat. Der Geschäftsführer der entwicklungspolitischen Organisation der Katholischen Männerbewegung, "Sei So Frei", hatte erst im Februar die Hilfsprojekte in dem Land besucht. "Da erzählten mir die Menschen noch von ihren hoffnungsvollen Zukunftsplänen."

Jetzt müssen die Menschen erneut ums reine Überleben kämpfen. "Wir müssen unser Leben neu beginnen. Ohne Hilfe wären wir verloren", sagt Amelia Bartolomeu. Die Frau ist das Oberhaupt einer zwölfköpfigen Familie in Machanga in der Provinz Sofala. Ihr Mann arbeitet in Südafrika, um die Familie ernähren zu können. "Unser Haus wurde durch die Überschwemmungen teilweise zerstört, und wir haben den größten Teil unserer Ernte verloren", sagt sie.

Überlebenskampf: "Ohne Hilfe wären wir verloren"
Viele Häuser wurden durch „Freddy“ zerstört – Familien stehen vor dem Nichts. Bild: Sei So Frei

"Ein weiteres Hungerjahr"

Völlig zerstört wurde das Haus der Familie Chalpa. Ernesto, das Oberhaupt der zehnköpfigen Familie, konzentriert sich derzeit auf die Suche nach Holzpfählen und Stroh, um sein Haus wiederaufzubauen, und arbeitet sonst beinahe rund um die Uhr auf seinen Feldern, um in einigen Monaten wieder etwas ernten zu können.

Unterstützt werden beide Familien über die Hilfsorganisation "ESMABAMA", mit der "Sei So Frei" bereits seit mehr als 20 Jahren zusammenarbeitet. Der Name der NGO setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der vier Missionsstationen Estaquinha, Mangunde, Barada und Machanga zusammen. "Viele Menschen haben nichts zu essen", sagt Mateus Machaela, Leiter der Missionsstation Machanga. Die Zahl der Malaria- und Durchfallerkrankungen steige derzeit sprunghaft. "Wir werden hier ein weiteres Hungerjahr erleben, weil die meisten Ernten verloren gegangen sind", sagt Pietro Ferlito, Leiter von "ESMABAMA". Und sein Stellvertreter Edson Balata fügt hinzu: "Im Moment gibt es keinerlei Unterstützung der Regierung für die Familien."

Schulbildung

Diesem lebensbedrohenden Mangel versuchen "ESMABAMA" und "Sei So Frei", so gut es geht, zu begegnen. "ESMABAMA" betreibt seit fast 30 Jahren in den drei südlichen Bezirken der Provinz Sofala (rund 500.000 Einwohner) Schulen (Volks-, Mittel- und Landwirtschaftsschulen), Unterkünfte, Landwirtschaften, Bäckereien und Gesundheitsstationen. Zudem werden von den vier Stationen aus die umliegenden Dörfer und Siedlungen betreut.

Die Schwerpunkte der Hilfe liegen derzeit in den Bereichen Erwachsenenbildung und Landwirtschaft. Ein Großteil der Menschen kann nicht lesen und schreiben. "Frauen sind davon besonders betroffen", sagt Hehenberger. "Um die meist aufgrund des Bürgerkrieges (1977 bis 1992, Anm. d. Red.) versäumte Bildung nachzuholen, besuchen viele die ,Schule unterm Schattenbaum‘ und lernen mitten im Busch die Amtssprache Portugiesisch, Mathematik und viele praktische, lebenserleichternde Dinge." Alleine in der Station Estaquinha werden 2000 Menschen in einer Volks- und Mittelschule unterrichtet. "ESMABAMA" betreut insgesamt 28 Alphabetisierungszentren mit 34 Lehrkräften.

In der Station Estaquinha besichtigte Hehenberger auch die Bäckerei. Bis zu 600 Weißbrote werden dort täglich produziert. Ein Stück kostet umgerechnet sieben Cent.

"Alleine wären sie chancenlos"

Nahe Mangunde besuchte Hehenberger auch das dortige Landwirtschaftsprojekt. Im Dorf Jambe konnte er mit den Menschen der Gruppe "Kushinga" (heißt so viel wie stark sein) sprechen. Ziel des Projektes ist, die Dorfbevölkerung zusammenzubringen, "um angesichts des Klimawandels besser Landwirtschaft betreiben zu können. Sie wissen, alleine wären sie chancenlos." Priorität hat dabei die Feldbearbeitung. Hauptprodukt ist nach wie vor Mais. Mittlerweile werden aber auch Süßkartoffeln, Maniok und Bohnen angebaut.

"Die 30 Mitglieder der Gruppe bekamen ein Zugtiergespann zur Feldbearbeitung, dazu Werkzeug, technische Begleitung und Trainings, um die Produktion zu festigen", sagt Hehenberger. Die Schädlingsbekämpfung wird in Jambe organisch betrieben. "Verschiedene Blätter von Bäumen werden dafür in Wasser angesetzt, mit Chili versetzt, das wird dann mit einer Handspritze etwa auf den Mais gesprüht." Das vernichte die Schädlinge zwar nicht, der unangenehme Geruch vertreibe sie jedoch.

Um den Menschen weiter helfen zu können, braucht "Sei So Frei" aber Spenden. Dafür liegt dieser Ausgabe der OÖNachrichten ein Zahlschein bei. Schon 25 Euro verhelfen einer siebenköpfigen Familie zu Mehl, Bohnen und Öl für eine Woche; 35 Euro finanzieren Saatgut für eine Familie, um zerstörte Felder neu zu bestellen.

  • "Sei So Frei", Spende für Mosambik: AT30 5400 0000 0069 1733
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Autor
Eike-Clemens Kullmann
Redakteur Außenpolitik, Weltspiegel
Eike-Clemens Kullmann

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