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Österreich und Tschechien: "Mehr Zweckgemeinschaft als Freundschaft"

Von Manfred Wolf, 11. Dezember 2023, 16:31 Uhr
Bild: VOLKER WEIHBOLD

VORDERWEISSENBACH. Verein "DenkStein Eiserner Vorhang" will Auseinandersetzung mit Demokratie und Freiheit intensivieren; Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner sieht "Völkerfreundschaft ausbaubar"

Das Einende kam am 11. 12. 1989 mit einer Drahtschere. Oberösterreichs damaliger Landeshauptmann Josef Ratzenböck und sein südböhmisches Pendant Miroslav Senkyr zwickten den Stacheldraht an der Grenze zwischen Österreich und der Tschechoslowakei entzwei und einten somit Europa. Freilich, vorausgegangen war dem der Fall der Berliner Mauer am 9. November, also einen knappen Monat davor. Österreich und das Mühlviertel rückten an diesem Tag vom Rande in die Mitte Europas.

Am Montag nahm der Verein "DenkStein Eiserner Vorhang" diesen Jahrestag zum Anlass, um zum einen daran zu erinnern und zum anderen, um zahlreiche Neuerungen zu präsentieren. Allen voran den neuen Namen – "DenkStein" Eiserner Vorhang statt "Mahnmal". Der Grund der Namensänderung liege darin, sagt Obmann Bernhard Winkler, um weniger zu mahnen als vielmehr einen Denkprozess zu starten. "Bedenken, nachdenken, vordenken", sagte er. "Wir fördern die Auseinandersetzung mit Freiheit und Demokratie in einem grenzenlosen Europa." Wie wichtig das sei, sagte Winkler, zeige sich daran, dass in keinem EU-Land die EU-Skepsis größer sei als in Österreich.

Stichwort Skepsis: Der ehemalige Vizekanzler Österreichs, Reinhold Mitterlehner, der unweit des Eisernen Vorhangs aufgewachsen ist, gab zu bedenken, dass es in all den Jahren nicht gelungen sei, mit dem nördlichen Nachbarn so zusammenzuwachsen wie damals erhofft. "Der Befund ist, dass es kein Idealzustand ist. Das Zusammenleben hat sich eher schleppend entwickelt, es ist immer noch mehr Zweckgemeinschaft als Völkerfreundschaft", sagte Mitterlehner. Die Sprache sei das eine, mit der Diskussion um Temelin sei aber andererseits ein großes Erschwernis hinzugekommen – beide Parteien haben nach wie vor unverrückbare Oppositionshaltung. Und dann gebe es noch historische Gründe – Österreich habe während der Zeit der Monarchie immer eine Vormachtstellung gehabt und dies die Tschechen spüren lassen, so die eine Seite. Die andere hadere oft noch mit den Folgen der Benes-Dekrete und der damit einhergehenden grausamen Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sowie der Enteignung.

Doch, und das habe ihm der vor wenigen Tagen verstorbene ehemalige tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg einmal bestätigt, die nächste Generation sei anders, wolle wissen, aufarbeiten und sei wissbegierig.

Stichwort wissbegierig: Historiker Roman Sandgruber nannte, was die menschliche Erinnerung angeht, einen Zeitraum von 35 Jahren. Danach sei die direkte Erinnerung weg, und die geschichtliche Erinnerung – durch Geschichtsbücher – setze erst viel später ein, auch weil es noch Verwicklungen und Probleme damit gebe. Und das würde nun der Geschichte mit dem Eisernen Vorhang drohen. Daher benötige es neuer Gedenk-Impulse.

Stichwort Impuls: Einen solchen will der Verein "GedenkStein" 2024 setzen. Ein neues Logo und eine neue Homepage sind bereits umgesetzt, zahlreiche Veranstaltungen geplant, das Denkmal in Vorderweißenbach werde adaptiert. Die FH Hagenberg und die Kunstuniversität Linz sind und waren am Prozess beteiligt. Die jungen Studenten mussten allerdings zunächst recherchieren, was der Eiserne Vorhang bedeutet. Beim Denkmal soll ein Vorhang installiert werden, der weggeschoben werden kann, aber auch Schutz bieten soll, so Künstlerin Malina Merlitsch: Freiheit und Schutz statt Angst und Spaltung.

Skizze vom geplanten Umbau der Gedenkstätte in Vorderweißenbach Bild: Manfred Wolf

Lesen Sie mehr dazu:

Homepage: eisernervorhang.eu

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Autor
Manfred Wolf
Ressortleiter Lokales
Manfred Wolf

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15  Kommentare
15  Kommentare
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Gugelbua (31.633 Kommentare)
am 12.12.2023 12:13

Ich kenne Einige die zum Kriegsende aus Tschechien vertrieben wurden
und mir die Gräueltaten erzählten,
wurde bis heute nicht aufgearbeitet❗

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LASimon (10.887 Kommentare)
am 12.12.2023 14:16

Das stimmt ganz sicher, aber umgekehrt ist es anders?

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reibungslos (14.267 Kommentare)
am 12.12.2023 16:34

Was will man jetzt noch "aufarbeiten"? Lass noch 2 bis 3 Generationen vergehen und es ist vergessen. Die Gräueltaten der Gegenreformation, des Dreißigjährigen Kriegs und der Napoleonischen Kriege wurden auch nie aufgearbeitet. Die meisten wissen heute nicht einmal, dass es damals Gräueltaten gegeben hat.

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jamei (25.446 Kommentare)
am 12.12.2023 10:53

Es ist wirklich NUR eine Zweckgemeinschaft - denn die Österreicher fahren rüber zum Friseur / billiger Essen und einkaufen sowie um verbotene Pyroartikel und Crystl zu erwerben.

Die Tschechen kommen zu um in EZ`s Artikel "KOSTENLOS" mit zu nehmen oder
nächtliche Baustellen-oder Autohäuser-Besuche zu absolvieren.

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Mondseelandler (340 Kommentare)
am 12.12.2023 10:04

Ich habe bisher noch keine grantelnden oder unfreundlichen Tschechen erlebt.

Eine gute Entwicklung und es gibt noch viel zu verbessern.

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Nursogsogt (1.136 Kommentare)
am 12.12.2023 08:29

Die Tschechen haben ihre eigen Vergangenheit noch nie ehrlich aufgearbeitet. Der Völkermord an den Sudetendeutschen wird verharmlost. Die Beneschdekrete sind noch immer in Kraft. Eine ganze Menge Landsleute hat sudetendeutsche Vorfahren. Kein Wunder dass die Sympathie für die Tschechen enden wollend ist.

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LASimon (10.887 Kommentare)
am 12.12.2023 14:20

Es gab eine zwangsweise Aussiedlung von grossen Teilen der deutschsprechenden (deutschstämmigen) Bevölkerung, aber keinen Genozid (= eine planmässige Ermordung von Angehörigen einer Ethnie aufgrund ihrer Abstammung)! Was es gab, waren gewalttätige Übergriffe bis hin zu Tötungsdelikten, die später - schändlicherweise - amnestiert wurden.
Wenn ich aber an Prozesse wie den Fall Murer denke, sollten wir Österreicher uns nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wurde dieser völlig unverständliche Freispruch je im Zuge eines Wiederaufnahmeverfahrens revidiert?

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Ottokarr (1.714 Kommentare)
am 11.12.2023 21:19

Vor einigen Jahren ich war bei einen Tschechen ihm Dorf auf Besuch (.ganze Familie wohnt hier)! Ich du hast ja ein Bild von Gustav Klimt aus Krumau ( der Kuss ) an der Wand einen Tschechien Maler -er nein das war ein Deutscher! Das zum Verständnis das es auch über 3 mill Böhmen / Tschechen deutscher Muttersprache gab ! Die Tschechen ihm Grenzland -sind eigentlich keine richtigen Böhmen ( Geschichtlich gesehen ) ihre Vorfahren kommen oft selber aus der Slovakei Polen Weissrussland oder der Ukraine und wurden hier angesiedelt nach 1945! Wennst etwas Ceska a Slovak verstehst -hörst viel was eigentlich nicht hören solltest als Österreicher ! Aber Respekt vor ihrer Arbeit es geht gewaltig Aufwärts und es ist kein Billiglohnland mehr.

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2020Hallo (4.233 Kommentare)
am 11.12.2023 19:26

Ich wäre doch für ein wenig mehr Kontrolle an der Grenze, denn was da so einige Österreicher aus CZ importieren - bringt relativ oft Schaden, denke an Böller auch viele Drogen leider haben viele von uns dabei Bedarf! 👎👎🙈

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dragon_king (164 Kommentare)
am 11.12.2023 18:21

Die sudetendeutsche Bevölkerung wurde nach dem Krieg gewaltsam vertrieben und wer Pech hatte wurde von der tschechischen Bevölkerung grausam ermordet. Meine Mutter kam ohne Papiere und völlig mittellos nach Oberösterreich. Sie hat ihre Fluchterlebnisse nie richtig verarbeitet und uns Kindern immer wieder von den "bösen Tschechen" erzählt. Nach der Öffnung des eisernen Vorhangs hat sie uns eindringlich gewarnt, in dieses Land zu fahren. Die Benes-Dekrete wurden bis heute nicht aufgehoben und belasten dementsprechend die Beziehungen unserer beiden Länder. Und ja, ich habe immer noch ein sehr ungutes Gefühl wenn ich -sehr selten - über die tschechische Grenze fahre.

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LASimon (10.887 Kommentare)
am 12.12.2023 14:15

Es gibt sehr viele Benes-Dekrete, nur einige wenige betreffen die deutschsprachige Bevölkerung. Und diese sind einerseits eine Folge der Erfahrung im Zusammenleben mit der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und anderseits ganz im Sinne der Nationalstaatsideologie, wie sie - leider - von vielen noch heute geglaubt wird: eine Sprache, eine Ethnie, ein Staat.

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sagenhaft (2.045 Kommentare)
am 12.12.2023 19:11

ja das kann ich bestaetigen. Auch meine Mutter wollte selbst im Jahr 2000 noch nicht nach Tschechien fahren weil sie 1945 die geschundenen Leute gesehen hat die vertrieben wurden. Warum Tschechien OHNE RUECKNAHME der Benesdekrete und ohne Restitution zur EU kommen konnte zeugt von der Dummheit der Deutschen und Oesterreichischen Politiker. Mehr ist dazu nicht zu sagen

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JosefBroz (4.439 Kommentare)
am 11.12.2023 17:39

Die Tschechen sind ein Volk, das historisch ähnlich wie Israel einen übermäßigen, teils schon krankhaften Nationalismus entwickelt hat. Nach der Grenzöffnung bestand etwa 10 Jahre lang eine Tendenz und relativ große Bereitschaft zur Öffnung nach außen bei leider weiterhin nicht bestehendem Interesse der westlichen Nachbarländer, darauf einzugehen. Seit 20 Jahren dunsten die Tschechen selbstgewollt wieder im eigenen Saft, mit dem Ergebnis, eine der chauvinistischsten, wenn nicht die chauvinistischste Nation in Europa zu sein. Und Chauvinisten sind nun einmal ausschließlich anstrengend, notorisch besserwisserisch, und leider in vielen Situationen auch richtig abstoßend, es gibt ansprechendere, charmantere, weltgewandtere Mitmenschen.

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lester (11.352 Kommentare)
am 11.12.2023 18:00

Wir Österreicher haben am wenigsten Grund sich über die Tschechen zu mokieren. Wie sich Österreicher nach der Grenzöffnung aufgeführt haben, wie sie den Tschechen zeigten das ihre Kronen nix wert waren, wie sie teilweise schechische Frauen als Prostituierte behandelten, wie sie jeden Tschechen als Dieb und kriminell ansahen, das gereicht Österreich nicht zur Ehre.

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reibungslos (14.267 Kommentare)
am 11.12.2023 18:09

Ich habe mit den Tschechen meist gute Erfahrungen gemacht. Österreicher treten im Ausland oft besserwisserisch, nörgelnd und mit schlechten Manieren auf. Man darf sich dann nicht wundern.

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