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Braunauer Warte am Inn

Lautstarke Gegenwehr hat geholfen, die Neonazi-Demo früher zu beenden

16. August 2012 00:04 Uhr

Lautstarke Gegenwehr hat geholfen, die Neonazi-Demo früher zu beenden
Mit viel Lärm wurde die Kundgebung der Neonazis behindert.

BURGAHUSEN. Friedensgemeinde Hochburg-Ach beteiligte sich an der Gegen-Demo in Burghausen.

Um 13.45 Uhr war am Samstag der Spuk vorbei. Die Polizei hatte die rund 40 Neonazis zum Bahnhof begleitet, damit sie den Heimweg in den Großraum München und in die Umgebung von Landshut antreten. Nach fast vier Stunden waren der rechtsextreme Auflauf und die Gegendemonstration in Burghausens Innenstadt vorbei. Alles in allem verlief das Aufeinandertreffen friedlich. Hitzige Worte, beleidigende und provozierende Gesten sowie eine kleine Rangelei am Rande der Veranstaltung waren das Äußerste an Auseinandersetzung, in der Burghausens Bürger eindeutig und lautstark zeigten, was sie von rechtsextremem Gedankengut halten: nämlich absolut nichts.

Fast vier Stunden standen sich 40 Neonazis und zeitweise bis zu 400 Gegendemonstranten am Bürgerplatz gegenüber – getrennt durch die Berchtesgadener Straße und ein sehr präsentes Aufgebot von bis zu hundert Polizisten.

„Burghausen ist eine internationale, tolerante Stadt mit offenen Grenzen und einem offenen Herzen“, rief Burghausens Bürgermeister Hans Steindl unter dem Applaus der zahlreichen Besucher aus, die aus allen gesellschaftlichen Schichten und politischen Lagern kamen. Unter ihnen waren auch Unterstützter aus dem Innviertel sowie den angrenzenden bayerischen Landkreisen.

„Ich bin auch stolz, ein Deutscher zu sein“, sagte Steindl, „aber deswegen, weil wir die bisher beste Verfassung unserer Geschichte haben.“ Eine Verfassung, die die Würde aller Menschen wahre und schütze, „egal woher sie kommen und warum sie in Deutschland sind“, ergänzte der Bürgermeister.

Und: „Ich habe Freude an anderen Kulturkreisen. Sie können uns viel geben.“ Damit stellte er sich wie seine Amtskollegen aus Hochburg-Ach – Johann Reschenhofer – und Halsbach – Georg Pfaffinger – gegen die Rechtsextremen. Polizeisprecher Roman Hörfurter schätzte die Zahl der Gegendemonstranten auf 250. Hannes Schwankner und Franz Kammhuber vom Aktionsbündnis für Demokratie und Toleranz sprachen von bis zu 400 Gegendemonstranten.

Die rechtsextreme Organisation „Freies Netz Süd“ hatte eine Demonstration auf der Kammergruberwiese angemeldet. Rund 40 Neonazis waren aus dem Großraum München und Landshut angereist, um innerhalb der Grenzen des Versammlungsrechts ihr Gedankengut zu verbreiten. Gegen die Musik, Trillerpfeifen, Tröten und Ratschen der Gegendemonstranten hatten sie jedoch keine Chance. Hannes Schwankner brachte die Haltung der Burghauser auf den Punkt: „Wo ihr auftaucht, da sind wir auch!“

Nach vier Stunden war das verbale Kräftemessen vorbei. Die Polizei eskortierte die Neonazis zum Bahnhof. „Was heute geschah, sehen wir als gutes Zeichen für die Demokratie in Burghausen“, sagte Mitorganisator Kammhuber. Er hofft, dass die Rechtsextremen abgeschreckt wurden und sich künftig von Burghausen fernhalten.

 

3 Fragen an Johann Reschenhofer, Bürgermeister von Hochburg-Ach
Er hat bei der Gegen-Demo in Burghausen eine Ansprache gehalten.

Warum haben Sie sich an der Gegen-Demo beteiligt?

Ich bin von den Burghauser Organisatoren kurzfristig gebeten worden, weil wir ja den Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg haben und uns der Friedensbezirk Braunau, für den sich Bezirkshauptmann Georg Wojak einsetzt, ein großes Anliegen ist.

Was war der wesentliche Inhalt Ihrer Rede?

Dass wir als Friedensweg-Gemeinde zum Frieden beitragen. Dass es nicht nur den Weg gibt, sondern wir auch Taten setzen. Ich habe Bezug zu den Steinen mit Sprüchen hergestellt, die bei den Friedensweg-Stationen liegen – nicht zum Zuhauen, sondern zum Mitnehmen.

Wie haben Sie die Stimmung erlebt?

Das Aufgebot an Polizei war enorm – 90 Polizisten für 30 Neonazis. Besser wäre es, ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken. Aber es besteht die Gefahr, dass sie sich einnisten, wo sie keine Gegenbewegung spüren. An der Gegen-Demo haben sich einige Innviertler beteiligt.

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