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Geheime Versammlung von Rechtsextremen aufgedeckt

Von (tst), 10. Jänner 2014, 00:04 Uhr
Verfassungsschützer deckten geheime Versammlung von Rechtsextremen auf
Der Veranstalter der Buchpräsentation, Udo Voigt, war von 1996 bis 2011 Chef der rechten deutschen Partei NPD. Bild: dpa

SCHARDENBERG. Nur wenige Kilometer sind es von Schardenberg, Bezirk Schärding, bis zur deutschen Grenze.

In die Idylle der Sauwald-Gemeinde lud der ehemalige Chef der rechten Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD), Udo Voigt, am 4. Jänner zu einem "Grenzlandtreffen" in das Vier-Sterne-Hotel "Waldschloss". Dort stellte der 61-jährige Voigt das Buch "Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz – Mein Weg mit der NPD" vor.

Rechter Liederabend geplant

Lediglich bei einer Buchpräsentation hätte es aber wohl nicht bleiben sollen. Im Anschluss sei ein rechter Musikabend geplant gewesen, so Werner Buchegger, leitender Beamter beim Landesamt für Verfassungsschutz.

Als "Stargast" hatte sich der rechte "Liedermacher" Frank Rennicke angesagt. Er gilt als eine Schlüsselfigur in der rechtsextremen Szene in Deutschland, von der NPD wurde er bereits als Kandidat zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt.

"Wir haben mit dem Veranstalter Udo Voigt gesprochen und ihm gleich klipp und klar gesagt, dass nach der Präsentation des Buches Schluss sei und Rennicke gar nicht mehr kommen brauche", sagt Buchegger. Das sei so akzeptiert worden, und es habe keine Probleme gegeben, es wurden auch keine Anzeigen erstattet.

Laut der Internetseite "Freundeskreis Udo Voigt" soll die Lesung in Schardenberg rund vier Stunden gedauert haben.

Der Ort der Versammlung, an der rund 60 Personen teilnahmen, sei den Teilnehmern erst kurz vorher in Passau mitgeteilt worden. Auf Umwegen, um mögliche Verfolger abzuschütteln, sei man anschließend nach Schardenberg gefahren, ist auf dieser Internet-Plattform zu lesen. Ursprünglich planten die Rechten, sich in einem Lokal im Raum Passau zu treffen, so Buchegger, der betont, dass die Zusammenarbeit und der Austausch mit den bayerischen Beamten bestens funktioniere und mit ein Grund sei, dass die rechte Versammlung im Anschluss an die Buchpräsentation aufgelöst werden konnte.

Hotel-Manager distanziert sich

"Ich wurde von meinen Mitarbeitern angerufen, die mich darüber informierten, dass es sich hier wohl um keine ,normale‘ Buchpräsentation handle", sagt Hans-Christoph Haas, der Geschäftsführer des Schardenberger Vier-Sterne-Hauses. Ihm sei auch nicht der richtige Titel des Buches bekannt gegeben worden.

Außerdem sei von einem bayerischen Abend mit Zithermusik die Rede gewesen, betont Haas. "Wir sind sicher keine Location für Veranstaltungen dieser Art und distanzieren uns ganz eindeutig davon." Er werde, so Haas, in Zukunft bei Reservierungen noch genauer nachfragen. 

 

 

Schloss mit Vergangenheit

Ab 1944 waren im Waldschloss Schardenberg rund 30 Kleinkinder untergebracht. Das Kinderheim wurde von den Nationalsozialisten als „Ausländerkinder-Pflegestätte“ betrieben. In der Schriftenreihe des Innviertler Volkskundehauses, „Bundschuh“, Ausgabe 11 vom Jahr 2008, schreibt Matthias Huber, dass die damalige Besitzerin den zweiten und Teile des ersten Stockes des Waldschlosses aus wirtschaftlichen Gründen den Nazis zur Verfügung stellte. Nachdem alle, in einem Raum untergebrachten, Babys erkrankten, wollte die Frau die Vermietung rückgängig machen. Sie formulierte in diesem Schreiben ihr Entsetzen über die im Kinderheim herrschenden Zustände. Laut dem Schardenberger Gemeindearchiv sollen im Waldschloss fünf Kinder verstorben sein. Laut einem Bericht von 1944 des damaligen Amtsarztes wurden einige im Waldschloss untergebrachte Kinder an deutsche Frauen abgegeben. Was mit den anderen nach Kriegsende geschah, ist ungewiss.

"Bis auf wenige Kleinigkeiten ist es ruhig im Innviertel"

Der gebürtige Andorfer Werner Buchegger ist leitender Beamter beim Landesamt für Verfassungsschutz.

"Bis auf wenige Kleinigkeiten ist es ruhig im Innviertel"
Werner Buchegger Bild: OON

OÖN: Mit wie vielen Beamten waren Sie am 4. Jänner in Schardenberg im Einsatz?

Buchegger: Nachdem wir herausgefunden haben, wo das Treffen geplant ist, sind wir mit zwei Beamten des Landesverfassungsschutzes und vier Beamten der Polizei Schardenberg zum Hotel "Waldschloss" gefahren.

Wie haben Sie von diesem Treffen erfahren?

Zuerst waren wir schon mit Passauer Kollegen in Kontakt, da die Veranstaltung eigentlich dort hätte stattfinden sollen. Nachdem wir herausgefunden hatten, wo das Treffen geplant ist, sind wir hingefahren und haben den Geschäftsführer des Hotels informiert. Vor Ort haben wir gleich mit dem Veranstalter, Udo Voigt, gesprochen und ihm gesagt, dass er dem rechten Liedermacher Frank Rennicke gleich absagen soll. Der ist dann gar nicht mehr gekommen, und nach der Vorstellung des Buches haben die Teilnehmer ohne Wirbel das Hotel verlassen.

Welcher Personenkreis hat sich im Hotel Waldschloss eingefunden?

Die meisten der Personen waren älter als 50 Jahre und kamen überwiegend aus Ostdeutschland. In Summe waren es ungefähr 60 Teilnehmer, nur einer war aus Österreich.

Gab es in den vergangenen Monaten ähnliche rechte Zusammenkünfte im Innviertel?

Nein, überhaupt nicht. Auch angemeldete Veranstaltungen der rechten Szene gab es schon lange nicht mehr. Bis auf einige Kleinigkeiten ist es im Innviertel ruhig.

Worauf sollten Wirte und Hoteliers bei der Reservierung achten?

Das Problem ist, dass die Veranstaltungen meist unter einem ganz anderen Namen angemeldet werden. Aber wenn jemandem etwas verdächtig vorkommt, dann soll er sich bitte umgehend an die Polizei wenden. 

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