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"Die Ärzte sagen, es müsste ein Wunder passieren"

Von Sarah Kowatschek, 04. Dezember 2023, 00:04 Uhr
"Die Ärzte sagen, es müsste ein Wunder passieren"
30 Stunden pro Woche arbeitet Lara* im Büro einer Rechtsanwältin. (Symbolbild/cb)

WELS. Endlich ist es so weit – die Schlüssel zur ersten eigenen Wohnung hält Lara M.* bereits in den Händen, bald zieht sie von zu Hause aus. Auf dem Weg dorthin wurden der 21-jährigen Welserin viele Steine in den Weg gelegt.

Neun Jahre war sie alt, als sie von einem Auto erfasst wurde. "Die Fahrerin war zu schnell, sie konnte nicht bremsen", erinnert sich die junge Frau zurück an jenen Tag, der ihr Leben verändern sollte.

Direkt nach den Untersuchungen wurde sie aus dem Spital entlassen. Drei Monate später konnte sie plötzlich nicht mehr aus dem Bett aufstehen, das Gefühl in den Beinen war weg. "Als meine Mama mir aufhelfen wollte, war keine Reaktion da." Im Spital fanden die Ärzte den Grund für die Querschnittslähmung: Im Rückenmark hatte sich ein Tumor gebildet, der immer wieder blutete. "Er hat ständig auf die Nerven gedrückt und sie irgendwann durchtrennt", sagt Lara. Die Hoffnung, dass die junge Frau jemals wieder gehen kann, ist gering. "Die Ärzte sagen, es müsste schon ein Wunder passieren."

Vor allem am Anfang fiel es Lara nicht leicht, ihr neues Schicksal zu akzeptieren. "Ich wollte nicht mehr rausgehen, es war mir peinlich." Besonders ihre Familie – allen voran ihre Schwestern – war in der ersten Zeit eine große Stütze. "Mit Spaziergängen und Einkaufstouren haben sie mich dazu gebracht, das Haus wieder zu verlassen."

Auch in die Schule wollte das Mädchen nicht gehen. "Niemand sollte mich im Rollstuhl sehen", erinnert sich die 21-Jährige. Ein Jahr wurde sie zu Hause unterrichtet, dann kam sie in die Mittelschule. Dort war sie die Einzige, die im Rollstuhl saß. "Die ersten beiden Jahre waren schwierig. Es hat zwar keiner etwas gesagt, aber sie haben mich komisch angeschaut."

Selbstvertrauen wiedererlangt

Mit zwölf Jahren traf das Mädchen eine Entscheidung. "Mir ging es nicht gut, ich musste mit jemandem über meine Gedanken reden. Ich hatte das Gefühl, dass es meinen Eltern noch schlechter ging als mir." Also bat sie ihre Mutter, einen Termin beim Psychologen auszumachen. Ab da wurde es leichter.

"Mein Selbstbewusstsein ist gewachsen und ich habe mich damit abgefunden, dass ich wahrscheinlich nie wieder gehen kann." Vorher sei sie verschlossen gewesen, habe nichts geredet. Das besserte sich rasch, auch ihre Mitschüler bemerkten die Veränderung. Langsam akzeptierte auch die Familie, dass die jüngste Tochter im Rollstuhl sitzt – am meisten hat noch ihre Mama damit zu kämpfen.

Die nächste Hürde war die Suche nach einer Lehrstelle – Absagen habe sie viele bekommen. Nach einem Jahr an einer Fachschule fand sie eine Lehrstelle zur Bürokauffrau. Inzwischen arbeitet sie bei einer Rechtsanwältin. "Die Arbeit gefällt mir. Ich kann nur 30 Stunden pro Woche arbeiten – länger macht es mein Körper nicht mit."

Damit sie sich in den eigenen vier Wänden wohlfühlen kann, muss die Wohnung umgebaut werden. Für den Balkon braucht Lara eine Rampe, "im Bad brauche ich Haltestangen und einen Duschsitz". Da sie diese Kosten mit ihrem Gehalt nicht stemmen kann, greift ihr das OÖN-Christkindl unter die Arme.

Neben mehr Selbstbestimmung und Platz für sich hat die neue Wohnung noch etwas Gutes: "Ich bin in der Nähe von meinem Papa." Laras Eltern trennten sich vor ein paar Jahren. Trotzdem blieb die Beziehung zu ihm gut – "wir treffen uns einmal pro Woche. Jetzt freut er sich, dass ich bald gegenüber wohne und wir uns öfter sehen", sagt Lara mit einem Lächeln.

*Name von der Redaktion geändert

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Autorin
Sarah Kowatschek
Sarah Kowatschek
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