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Das Salzkammergut: Schönes, armes, reiches Land

Von Klaus Buttinger, 20. Jänner 2024, 04:30 Uhr
Glöcklerlauf in Traunkirchen, OÖ.
Glöcklerlauf in Traunkirchen Bild: Wolfgang Spitzbart

BAD ISCHL. Das Salzkammergut kann man als den facettenreichsten Landstrich Oberösterreichs bezeichnen: reich an Geschichte, voller Schönheit und Widersprüche, Gefahren und Chancen.

Das Salzkammergut ist unfassbar. Bestand es zu Anfang bloß aus den Grundherrschaften Wildenstein in Oberösterreich und Pflindsberg in der Steiermark, erstreckt es sich heute vom Ennstal bis Vöcklabruck und bis fast nach Salzburg. Der Historiker Michael Kurz verglich das Wachstum der unterschiedlich definierten Region treffend mit Baumringen. Heute zählt das zuständige Tourismus-Marketing acht Regionen, die es in einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung streng und doch flexibel umzingelt.

Zentrum war immer das weiße Gold, „die löbliche Gaab Gottes“, wie es in einer Schrift aus dem 16. Jahrhundert heißt. Das „Hall“ in Hallstadt geht auf das germanische Wort für Salz zurück. Es lagerte sich ganz profan in den warmen Lagunen des urzeitlichen Tethysmeeres vor mehr als 200 Millionen Jahren ab, wurde im weichen Haselgebirge vor 50 Millionen Jahren durch die Kräfte der Plattentektonik aufgefaltet und zog schon vor 5000 Jahren Menschen an, die es zu gewinnen trachteten. Zuerst kratzte man es mit Hirschstangen aus dem Boden, bald verkochte man Sole aus salzhaltigen Quellen, und schon 1300 Jahre vor unserer Zeitrechnung wurde Hallstatt zum Industriegebiet, welches das gewonnene Salz – vornehmlich zur Lebensmittelkonservierung – exportierte.

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Das Salzkammergut in Zahlen

Das Salzkammergut in Zahlen

PDF-Datei vom 19.01.2024 (2.870,73 KB)

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Ausserland und Ischlland 

Exkurs Kammergut: „Ausseerland und Ischlland waren schon im 14. Jahrhundert ,verstaatlichte‘ Bergbauregionen“, schreibt Historiker Kurz. Erstmals wird das „Camergút des Salltz“ 1524 urkundlich erwähnt, nämlich im 1. Reformationslibell (quasi ein Gebrauchshandbuch für die Salzförderung). Demnach müsste man eigentlich heuer das 500-Jahr-Jubiläum feiern, was gut zur Kulturhauptstadt passen würde. Die erste Erwähnung des Begriffs „Salzkammergut“ kommt aber erst im 3. Reformationslibell von 1656 vor. Das Büchlein (libel = lat. kleines Buch) hatte nichts mit der Gegenreformation zu tun, die in der Region durchaus massives Leid verursachten (siehe Reportage über die Landler, Seite 7), sondern mit dem Reformbedarf in der Salzgewinnung. Kammergut hieß, dass die Erträge aus dem Salz direkt in die Kammer (Kassa) des Herrschers flossen. Zeitweise summierten sich die Erlöse aus dem weißen Gold auf ein Viertel der Einnahmen der habsburgischen Wiener Hofkammer. Exkurs Ende.

Die Geldflüsse der Region

Die Bediensteten im Bergbau und in den Salinen hielt man kurz. Historiker sprechen von einer „gesicherten Armut“. Wenigstens war sie krisenfest (siehe Seite 2 und 3).

Die heutigen Geldflüsse in die Region kommen aus dem Tourismus, von den „Frömbden“ (Fremden), wie es in einer alten, leicht satirischen Abhandlung aus dem Ausseerland heißt. Die empfing man zu Beginn der touristischen Heimsuchung (siehe Hallstatt) reserviert, später „höfflich und devot“, noch später mit offenen Armen, sofern man „ausgebauett Stuben vermieten könnt“. Richtig warm wird man im inneren Salzkammergut auch heute nur langsam mit den Zuagroasten. Ein paar Generationen soll es durchaus dauern, bis am Stammtisch zusammengerückt wird, meinen Eingeweihte.

Woher kommt die Reserviertheit? Wahrscheinlich unter anderem aus der im 3. Reformationslibell definierten Abschottung der Region. Es legte fest, dass „niemand frembder und unbekannter ohne des Hofschreibers oder Marktrichters wissen beherbergt“ werden dürfe. Diese Betretungseinschränkung war der Saline geschuldet, die international konkurrierte und deren Betriebsgeheimnisse es zu schützen galt.

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Das Salzkammergut als Staat im Staate war den lokalen Behörden ein Dorn im Auge. Ab dem 18. Jahrhundert gewann man langsam die Rechtsprechung für die „Wiener Enklave“ zurück, bis schließlich der aufgeklärte Herrscher Joseph II. das Kammergut aus dem habsburgischen Privatbesitz an den Staat übergab.

Über Armen und Reichen, über Einheimischen und Touristen aber thront noch der wahre Mächtige, der Dachsteingletscher. Er hat die Seen rundum ausgeschürft, lange bevor sich Kelten, Slawen und Germanen zu seinen Füßen zu dem vermischt haben, was sich heute echter Salzkammergütler nennt. Heute schwächelt seine Kraft, die in seiner Hochzeit bis zum Hausruck reichte. Der Gletscher schmilzt, weil die vielen kleinen Menschlein in Summe viel zu viel der üblen Gase absondern. In wenigen Jahren wird das letzte Gletschereis die dünne Traun hinunterfließen, und kein Kurarzt kann ihm ein Kältebad verschreiben. Das Salzkammergut wird darob nicht zerbrechen. Es beweist gerade anlässlich des Kulturhauptstadtjahres, welche Chancen die Region bietet. Touristen sind darin nach wie vor willkommen, keiner wird gebissen. Der steinerne Löwe, der am Eingang des Salzkammergutes wacht, hat keine Krallen.

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Autor
Klaus Buttinger
Redakteur Magazin
Klaus Buttinger

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8  Kommentare
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fischersfritz (1.578 Kommentare)
am 21.01.2024 17:09

Salzkammergut "armes-reiches Land": Seit der gestrigen Eröffnung zur Kulturhauptstadt ist das Salzkammergut, insbesonders Ischl, durch Frau Schweeger reicher geworden. Der grandiose Pudertanz, die vielen nackten Ärsche, wären ohne diese grandiose Intendantin, niemals im Salzkammergut aufgeführt worden. Viele Besucher haben während dieses Tanzes das Weite gesucht, wir auch. Vielleicht wären wir auch geblieben, hätte Frau Schweeger mit ihrem krausen Dutt und unser Vize Kogler auch die Hosen runtergelassen und mitgetanzt. Er predigt ja immer von nackten Tatsachen.

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Orlando2312 (22.374 Kommentare)
am 21.01.2024 10:01

Und so aufgeschlossen sind die Menschen im Salzkammergut. Kaum ist eine Familie seit zehn Generation dort ansässig werden die gar nicht mehr schief angschaut.

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Gugelbua (32.087 Kommentare)
am 20.01.2024 10:57

Ich durfte in meinem Leben schon viele schöne Fleckerl auf Erden sehen und da gehört Österreich dazu,
der Nachteil, leider wird alles kommerzialisiert und die überlaufenen Gegenden
haben für mich keinen Anreiz mehr

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kabi (9 Kommentare)
am 20.01.2024 08:48

…und „statt“ geht auf dsa Wort „Stätte“ zurück und heißt somit Hallstatt und nicht Hallstadt!!

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Mondseelandler (345 Kommentare)
am 20.01.2024 13:04

Jetzt, nach vier Stunden hat das die OÖN noch immer nickt korrigiert!

„Das „Hall“ in Hallstadt geht auf das germanische Wort für Salz zurück.“

Liebe OÖN Redaktion, bitte etwas mehr Qualität.

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Orlando2312 (22.374 Kommentare)
am 21.01.2024 09:58

eher auf das keltische Wort für Salz

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Melinac (3.116 Kommentare)
am 20.01.2024 07:06

Wohnen, so teuer wie nie zuvor!

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ischlfan (670 Kommentare)
am 20.01.2024 07:20

praktisch genau der richtige Kommentar zum Thema

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