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Oberösterreich

Studie zeigt kirchliche Gewalt auf

WIEN/LINZ. Erstmals seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche im März wurde ein detaillierter Bericht über Täter und Opfer präsentiert. Resümee der Studie der unabhängigen Plattform für Opfer kirchlicher Gewalt: „Missbraucher hatten bei der Kirche eine Jobgarantie.“

Studie zeigt kirchliche Gewalt auf

Bild: OÖN Grafik

Das System der Gewalt habe nur durch Vertuschen und Versetzen der Täter so lange funktioniert, sagt der Wiener Psychologe Philipp Schwärzler, Verfasser des Berichts, der gestern präsentiert wurde. Durch die Berichte der Opfer ziehe sich das wie ein roter Faden. Beschuldigte seien einfach versetzt worden, wieder auffällig geworden, wieder versetzt worden und konnten „so immer wieder neue Kinder misshandeln und missbrauchen“.

325 Betroffene meldeten sich seit März bei der Hotline der kirchenunabhängigen Plattform, die meisten aus Oberösterreich. Sie erzählten von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt. Aus deren Berichten geht hervor, dass die Mehrheit der Täter (die Opfer nannten bei der Hotline insgesamt 422) Priester und die häufigsten Tatorte katholische Internate und Heime waren.

Schwärzler nannte drei Ursachen für den Missbrauchsskandal:

Vorwürfe gegen Republik:

Die Republik habe ihre Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen. Im Fall Kremsmünster könne er sich nicht vorstellen, dass man über so lange Zeit nichts mitbekommen habe. Gegen einen Pater läuft, wie berichtet, seit heuer ein Verfahren wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs und Misshandlung. Die Verfahren gegen einen weiteren Pater und einen Erzieher wegen sexuellen Missbrauchs bzw. Körperverletzung wurden wegen Verjährung eingestellt.

Autoritätsgläubigkeit: Viele Betroffene hätten von ihrem Leid erzählt, aber ihnen habe niemand geglaubt, nicht einmal Vertrauenspersonen oder die eigenen Eltern.

Vorwürfe gegen Kirche:

Als Grund für kirchliche Gewalt sieht Schwärzler die grundsätzliche Haltung der katholischen Kirche zur Sexualität. Zudem habe die autoritäre Grundstruktur das bisherige Vertuschen möglich gemacht.

Die katholische Kirche hat heuer 106 Missbrauchsfälle angezeigt. Zwar hatte sich bei 511 Personen, die kirchliche Ombudsstellen kontaktiert hatten, der Verdacht erhärtet, aber viele Fälle sind verjährt.

Über die von der Bischofskonferenz eingerichtete „Stiftung Opferschutz“ wird seit einigen Wochen das Geld an die Opfer ausbezahlt. Grundlage sind die bisher 58 von der Opferschutzkommission entschiedenen Entschädigungszahlungen.

Die Opferstudie:

325 Betroffene kontaktierten die Plattform für Betroffene kirchlicher Gewalt, davon 72 Prozent Männer. Die meisten Meldungen (73) kommen aus Oberösterreich, dicht gefolgt von Wien mit 72 und Niederösterreich mit 68 Meldungen.

Mit 59,7 Prozent betreffen die meisten Fälle die 60er- und 70er-Jahre. Die Mehrzahl der Betroffenen gibt an, dass sich die Misshandlungen über zwei bis fünf Jahre erstreckten. Der Großteil der Opfer wurde zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr misshandelt.

Die Betroffenen, die sich an die Hotline wandten, nannten zu 55,8 Prozent katholische Internate oder Heime, wo Kinder den Tätern „besonders ausgeliefert“ waren. Häufig handelte es sich laut der Studie um Kinder aus sozial schwachen Schichten.

63 Prozent der von den Betroffenen genannten Verdächtigen waren geweihte Priester, fasst man die Welt- und Ordenspriester zusammen. 20,8 Prozent waren laut Studie als nicht geweihtes Mitglied einem Orden angehörig.

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Artikel OÖNachrichten 25. November 2010 - 00:04 Uhr
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