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Reinhold Dessl: „Mit dem Begriff Ungehorsam hab’ ich Probleme“

Von Alfons Krieglsteiner, 16. Juni 2012, 00:04 Uhr
„Mit dem Begriff Ungehorsam hab’ ich Probleme“
Reinhold Dessl

WILHERING. Seit vergangener Woche hat das Zisterzienserstift Wilhering einen neuen Leiter: Nach dem Rücktritt des langjährigen Abtes Gottfried Hemmelmayr hat das Konventskapitel den 49-jährigen Priester und Pfarrer von Grama-stetten, Reinhold Dessl, für ein Jahr zum Administrator des Stiftes gewählt. Die OÖNachrichten haben mit Pater Reinhold gesprochen.

OÖN: Haben Sie spontan Ja gesagt?

Dessl: Ich war 26 Jahre in der Pfarrseelsorge, darum war die Entscheidung für mich nicht ganz einfach. Ich habe vorerst nur zu einer Kombination von Stifts- und Pfarrleitung Ja gesagt, weil ich nicht weiß, wie ich den neuen Herausforderungen gewachsen sein werde. Das Vertrauen der Mitbrüder und der gute Zusammenhalt in unserem Haus machen es mir aber doch wieder leicht, es einmal für ein Jahr zu probieren.

OÖN: Was sind Ihre Ziele?

Dessl: Vor allem möchte ich die Gemeinschaft nach innen hin stärken. In der Zeit einer großen spirituellen Suche der Menschen haben die Klöster bleibende Aktualität. Der Stress macht zwar vor den Klostermauern nicht halt, die Klöster sind aber immer so etwas wie Entschleunigungsorte und „Biotope des Glaubens“ gewesen. Das möchte ich mehr nach außen tragen.

OÖN: Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger?

Dessl: Erstens ist ein Administrator kein Abt, obwohl er alle Rechte und Pflichten eines Abtes hat. Zweitens muss ich sagen, dass Abt Gottfried in den fast 21 Jahren seiner Amtszeit sehr gute Arbeit geleistet hat für die Gemeinschaft und weit darüber hinaus. Viele Weichenstellungen sind in dieser Zeit geschehen, etwa jüngst der Bau eines neuen Biomasseheizwerks und eines Turnsaals. Die Leitung wird künftig noch stärker im Team geschehen müssen, im Stift und in den Pfarren. Wir werden die Pfarren mehr vernetzen müssen. Das Stift könnte da zur Kontaktstelle werden.

OÖN: Streben Sie das Amt auf lange Sicht an?

Dessl: Über die Zeit danach denke ich noch nicht nach. Ich möchte in diesem Jahr, so gut es geht, meine Kräfte in den Dienst der Gemeinschaft stellen.

OÖN: Wie ist es um den Nachwuchs im Konvent bestellt?

Dessl: Derzeit sind wir 27. Wir haben einen jungen Mitbruder, der in Salzburg studiert, einen, der in Linz den zweiten Studienabschnitt begonnen hat, und einen, der in Heiligenkreuz das Studium abgeschlossen hat. Natürlich würden wir uns freuen, wenn wieder neue junge Leute das Haus bevölkerten.

OÖN: Sie sind auch Pfarrer von Gramastetten, Eidenberg, Geng und Neußerling. Wie wollen Sie die Arbeitsteilung schaffen?

Dessl: Ich werde mir die Zeit zwischen Kloster und Pfarre aufteilen und wohl ein Pendlerdasein führen. Ein Mal im Monat wird jemand vom Stift auch in meinen Pfarren, wo ich sehr tüchtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe, aushelfen.

OÖN: Wie geht es mit dem Stiftsgymnasium weiter?

Dessl: Die von Wolfgang Haudum geleitete Schule erfreut sich großer Beliebtheit. Derzeit haben wir 503 Schüler, mehr als je zuvor. 55 Lehrkräfte unterrichten hier, ein kleiner Teil wird vom Orden gestellt.

OÖN: Wie ist die wirtschaftliche Lage des Stiftes?

Dessl: In den 1970er-Jahren wurde unsere Gärtnerei zum Markenzeichen. Trotz intensiver Bemühungen ist es aber nicht leicht, Absatzmärkte für die Blumen zu finden. Weitere Wirtschaftszweige sind der Forst, vor allem im Kürnbergerwald und in Eidenberg, und die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen.

OÖN: Können Sie der Pfarrerinitiative und dem „Aufruf zum Ungehorsam“ etwas abgewinnen?

Dessl: Mit dem Begriff „Ungehorsam“ habe ich meine Probleme, aber die sachlichen Anliegen sind in vielem durchaus berechtigt.

OÖN: Wie kann der Priestermangel überwunden werden?

Dessl: Ein erster Schritt könnte die Weihe von Frauen zu Diakoninnen sein. Auch die Weihe verheirateter Männer zu Diakonen im Gefolge des Konzils war ein richtiger Schritt.

OÖN: Was sind Ihre Hobbys?

Dessl: Die Beschäftigung mit der Geschichte und Reisen. Wenn möglich, bin ich am liebsten mit dem Fahrrad unterwegs.

 

Lebenslauf

Reinhold Dessl ist mit vier Geschwistern in Zwettl an der Rodl aufgewachsen. Er besuchte das Stiftsgymnasium Wilhering, trat nach der Matura ins Kloster ein. An der KTU Linz studierte er Theologie. Priesterweihe 1988, dann Kaplan und seit 2011 Pfarrer von Gramastetten.

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