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Oberösterreich

Polizist "verlieh" Waffe an angeblichen Kollegen: "Ein sehr kurioser Vorfall"

SATTLEDT. Eine verschwundene Dienstwaffe der Polizei hat am Mittwochabend zur Suspendierung eines Beamten geführt. Der Polizist hatte die Pistole einem angeblichen Kollegen ausgehändigt, da dieser sie für einen gefährlichen Einsatz benötige.

 

„In der gesamten Kollegenschaft herrscht dazu kollektives Kopfschütteln“, sagte David Furtner, Pressesprecher der Polizei Oberösterreich, am Freitag den OÖNachrichten.

Gemeint ist damit jener Vorfall, der sich am frühen Montagabend des 1. Oktober in einer Polizeidienststelle in Sattledt abgespielt haben soll: Weil ein sehr gefährlicher Einsatz bevorstehe, er aber keine Waffe bei sich habe, soll ein angeblicher Polizist den diensthabenden Beamten um eine Pistole gebeten haben. Ohne einen Dienstausweis zu verlangen, soll der Polizist aus dem Bezirk Wels-Land – der dem Vernehmen nach seit rund 30 Jahren im Dienst und daher sehr erfahren ist – dem vermeintlichen Kollegen eine Waffe der Marke Glock 17 ausgehändigt haben. Diese gehört einem Polizeikollegen, der zu dieser Zeit auf Urlaub gewesen ist. Und sei wie üblich in einem versperrten Waffenraum der Dienststelle aufbewahrt worden.

Zweifel an der Geschichte

Mit dem Hinweis „Du bringst sie eh wieder zurück“ soll der Polizeibeamte den „Kollegen“, den er schon einmal gesehen haben will, dann verabschiedet haben.

„Alle Kollegen sagen, diese Geschichte kann so nicht stimmen“, spricht Furtner von einem „sehr, sehr kuriosen Vorfall“. Und wenn doch, sei dieser schlichtweg „ein Wahnsinn“. Vor allem auch, weil es in der fraglichen Zeit keinen solchen Ad-hoc-Einsatz gegeben habe.

„Dem besagten Polizisten wurden alle damals im Einsatz stehenden Ermittler vorgezeigt – er hat aber keinen davon wiedererkannt“, sagt Furtner. Auch dessen Beschreibung – der Mann soll zwischen 30 und 50 Jahren alt und „eher schlank“ gewesen sein – sei sehr vage. „Dies trifft wahrscheinlich auf 2000 Polizisten in Oberösterreich zu“, sagt Furtner.

Fakt ist, dass die Waffe sowie der angebliche Polizist seither verschwunden sind. Aufgeflogen ist der Zwischenfall erst zehn Tage danach, als der Wachtmeister aus seinem Urlaub zurückkehrte und seine Dienstwaffe suchte. Erst dann hat der Kollege von dem Vorfall erzählt.

Der Beamte ist seit Mittwochabend auf unbestimmte Zeit suspendiert.

Polizisten, sagt Furtner, seien als Waffenträger „mit Rechten, aber auch mit besonderen Pflichten“ ausgestattet. Eine dieser Pflichten sei die „hohe Sorgfaltspflicht in Bezug auf Waffen“. Letztere müssten „wie der eigene Augapfel“ behütet werden.

Kein Verständnis

„Dass hier einer aus der Reihe getanzt sein soll, versteht die Kollegenschaft überhaupt nicht“, sagte der Polizeisprecher gestern. Da der Polizist gegen diese Sorgfaltspflicht verstoßen haben könnte, sei mittlerweile ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Dazu wird fieberhaft nach der verschwundenen Glock gesucht. Auch in der Bevölkerung, wie Furtner sagt: „Sollte jemand Hinweise zum Verbleib der Waffe haben, bitte den Notruf der Polizei wählen.“ Hinweise würden auch anonym entgegengenommen.

Da nicht ganz auszuschließen sei, dass es sich bei dem bisher unbekannten Mann tatsächlich um einen Polizisten gehandelt haben könnte, wurde auch ein Rundschreiben an alle Polizeiinspektionen ausgeschickt.
Das Landeskriminalamt ermittelt. Falls der Fall strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht, würde wohl auch die Staatsanwaltschaft Wels ein Verfahren einleiten.

„Richtig reagiert“

„Die Reaktion der Landespolizeidirektion war absolut richtig. Der Vorfall gehört jetzt ganz genau abgeklärt“, sagte Hermann Krenn, Polizeisprecher der SP-Landtagsfraktion im OÖN-Gespräch.
Aus seiner Sicht sei es zwar grundsätzlich nicht verboten, einem Polizeikollegen eine Waffe zu leihen. „Dazu benötigt es jedoch einen eindeutigen Nachweis der Identität und eine Unterschrift des Polizisten. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, dass eine Waffe einen technischen Defekt hat“, sagte Krenn, der selbst seit 1982 Polizeibeamter ist.

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Artikel Gerhild Niedoba, Daniela Dahlke und Thomas Streif 25. Oktober 2018 - 12:07 Uhr
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