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Oberösterreich

Mittelalterliche Hügelgräber durch Forststraße zerstört

ENGERWITZDORF. "Totenstadt" aus dem 8. Jahrhundert musste für den Straßenbau weichen – Die Archäologen sprechen von Pietätlosigkeit.

Mittelalterliche Hügelgräber durch Forststraße zerstört

An dieser Stelle wuchert heute nur noch ein Brombeergestrüpp. Bild: Steingruber/Ruprechtsberger

Sie war Oberösterreichs letzte noch intakte Totenstadt (Nekropole) des Frühmittelalters: die Hügelgräber-Anlage im Zirkenauer Wald im Engerwitzdorfer Ortsteil Niederreitern (Bez. Urfahr-Umgebung). Jetzt ist sie nur noch eine Brombeer-Gstetten. Der Grundbesitzer hat die Hügelgräber eingeebnet und das Material als Unterbau für eine Forststraße verwendet.

"Eine Sauerei", sagt der Linzer Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger, der von 2000 bis 2003 mit dem Wiener Urgeschichtler Otto Urban drei der insgesamt 18 Hügelgräber geöffnet hatte – mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde. In den Grabkammern kamen Beigaben aus der Zeit der damals noch heidnischen Slawen zutage, die im 8. Jahrhundert den Wald besiedelten: Messer, Schwerter, Äxte, Keramikgefäße.

Die Funde wurden in einer Ausstellung im Gemeindeamt präsentiert und ausführlich im Engerwitzdorfer Heimatbuch erwähnt. Heute werden sie in der Studiensammlung des Linzer Stadtmuseums Nordico aufbewahrt.

"Alles war rechtens"

Doch das Bundesdenkmalamt, das den Bescheid für die Grabungen erlassen hatte, sah keinen Grund, die Nekropole unter Denkmalschutz zu stellen. Nachdem die Archäologen den ursprünglichen Zustand der drei Hügelgräber wieder hergestellt hatten, begann der Grundeigentümer, die Grabhügel einzuebnen und mit Bäumen zu bepflanzen. Jetzt ist von diesem Zeugnis der Vergangenheit nichts mehr übrig.

Der Engerwitzdorfer Bürgermeister Herbert Fürst (VP) verweist darauf, dass der Grundbesitzer rechtens gehandelt habe. Aus seiner Sicht sei nichts dagegen einzuwenden, "denn es handelt sich offenbar um keine extrem schutzwürdige Grabstätte, sonst stünde sie unter Denkmalschutz."

Entdeckt hat die Zerstörungen vor kurzem der Linzer Regionalhistoriker Christian Steingruber bei Recherchen für eine "Burgdatenbank". Er sieht darin eine "Pietätlosigkeit" und fordert von der Landwirtschaftskammer nach bayerischem Vorbild einen Kataster, in dem die Grundbesitzer auf historisch wertvolle Stellen hingewiesen und zur Rücksichtnahme angehalten werden. "Wir haben 2014 eine Broschüre aufgelegt, in der wir die Grundbesitzer auffordern, beim Forststraßenbau solche Bereiche zu umgehen", sagt Martin Höbarth von der Landwirtschaftskammer Österreich. Doch eine Pflicht dazu besteht nicht.

 

 

Planiert, zerstört

Mittelalterliche Kulturrelikte sind in Oberösterreich der Zerstörung preisgegeben. Da ist die Nekropole im Zirkenauer Wald nur ein Fall von vielen. Weitere Beispiele:

Burg Erlach in Haslach: Mangels Denkmalschutz wurden Wallgräben und Mauerwerk durch forstliche Baumaßnahmen zerstört.

Hausberg Mühlberg in Lichtenberg: Nach Sturmschäden 2007 ließ der Grundbesitzer den ganzen Burghügel roden.
Burgstall Alt-Hagenberg: Nach Unterschutzstellung 2009 kleine Teile gerettet.
Schloss Bergham in Leonding: wegen Einsturzgefahr 2011 abgerissen.

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Artikel Alfons Krieglsteiner 14. Oktober 2015 - 00:04 Uhr
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