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Mittelalterliche Hügelgräber durch Forststraße zerstört

Von Alfons Krieglsteiner, 14. Oktober 2015, 00:04 Uhr
Mittelalterliche Hügelgräber durch Forststraße zerstört
An dieser Stelle wuchert heute nur noch ein Brombeergestrüpp. Bild: Steingruber/Ruprechtsberger

ENGERWITZDORF. "Totenstadt" aus dem 8. Jahrhundert musste für den Straßenbau weichen – Die Archäologen sprechen von Pietätlosigkeit.

Sie war Oberösterreichs letzte noch intakte Totenstadt (Nekropole) des Frühmittelalters: die Hügelgräber-Anlage im Zirkenauer Wald im Engerwitzdorfer Ortsteil Niederreitern (Bez. Urfahr-Umgebung). Jetzt ist sie nur noch eine Brombeer-Gstetten. Der Grundbesitzer hat die Hügelgräber eingeebnet und das Material als Unterbau für eine Forststraße verwendet.

"Eine Sauerei", sagt der Linzer Stadtarchäologe Erwin Ruprechtsberger, der von 2000 bis 2003 mit dem Wiener Urgeschichtler Otto Urban drei der insgesamt 18 Hügelgräber geöffnet hatte – mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde. In den Grabkammern kamen Beigaben aus der Zeit der damals noch heidnischen Slawen zutage, die im 8. Jahrhundert den Wald besiedelten: Messer, Schwerter, Äxte, Keramikgefäße.

Die Funde wurden in einer Ausstellung im Gemeindeamt präsentiert und ausführlich im Engerwitzdorfer Heimatbuch erwähnt. Heute werden sie in der Studiensammlung des Linzer Stadtmuseums Nordico aufbewahrt.

"Alles war rechtens"

Doch das Bundesdenkmalamt, das den Bescheid für die Grabungen erlassen hatte, sah keinen Grund, die Nekropole unter Denkmalschutz zu stellen. Nachdem die Archäologen den ursprünglichen Zustand der drei Hügelgräber wieder hergestellt hatten, begann der Grundeigentümer, die Grabhügel einzuebnen und mit Bäumen zu bepflanzen. Jetzt ist von diesem Zeugnis der Vergangenheit nichts mehr übrig.

Der Engerwitzdorfer Bürgermeister Herbert Fürst (VP) verweist darauf, dass der Grundbesitzer rechtens gehandelt habe. Aus seiner Sicht sei nichts dagegen einzuwenden, "denn es handelt sich offenbar um keine extrem schutzwürdige Grabstätte, sonst stünde sie unter Denkmalschutz."

Entdeckt hat die Zerstörungen vor kurzem der Linzer Regionalhistoriker Christian Steingruber bei Recherchen für eine "Burgdatenbank". Er sieht darin eine "Pietätlosigkeit" und fordert von der Landwirtschaftskammer nach bayerischem Vorbild einen Kataster, in dem die Grundbesitzer auf historisch wertvolle Stellen hingewiesen und zur Rücksichtnahme angehalten werden. "Wir haben 2014 eine Broschüre aufgelegt, in der wir die Grundbesitzer auffordern, beim Forststraßenbau solche Bereiche zu umgehen", sagt Martin Höbarth von der Landwirtschaftskammer Österreich. Doch eine Pflicht dazu besteht nicht.

 

 

Planiert, zerstört

Mittelalterliche Kulturrelikte sind in Oberösterreich der Zerstörung preisgegeben. Da ist die Nekropole im Zirkenauer Wald nur ein Fall von vielen. Weitere Beispiele:

Burg Erlach in Haslach: Mangels Denkmalschutz wurden Wallgräben und Mauerwerk durch forstliche Baumaßnahmen zerstört.

Hausberg Mühlberg in Lichtenberg: Nach Sturmschäden 2007 ließ der Grundbesitzer den ganzen Burghügel roden.
Burgstall Alt-Hagenberg: Nach Unterschutzstellung 2009 kleine Teile gerettet.
Schloss Bergham in Leonding: wegen Einsturzgefahr 2011 abgerissen.

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26  Kommentare
26  Kommentare
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Dampfplauderer (5.900 Kommentare)
am 14.10.2015 14:22

Jahrzehntelang hat es niemanden interessiert.

Nun, beim Erstellen eines Verzeichnisses ist es aufgefallen und jetzt wird gejammert und ganz scheinheilig als pietätlos bezeichnet, dass alles mit Erde überschüttet worden ist.

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am 14.10.2015 14:02

Im Denkmalschutz wird vieles als schützenswert erkannt und deklariert, ohne den Grund- oder Hausbesitzern große Bürden aufzuerlegen. Es ist, wäre, auch vieles Privatverantwortung, die beim einfachen Volk zumindest unterschiedlich gehandhabt wird.

So besehen sind durchaus auch Stadtverwaltungen als „einfach gestrickt“ zu betrachten. MMn.

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felixh (4.908 Kommentare)
am 14.10.2015 13:11

Angeblich stimmten di eStrße mit dem Tunnel nich tüberein

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felixh (4.908 Kommentare)
am 14.10.2015 13:10

Den sie wissen nich twas sie tun

>>> egal bei was
>>> Straßenbau- Politik, usw...

deshalb geht es uns in Österreich so schlecht bzw. bergab!!!

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am 14.10.2015 13:55

Mentalitätsmässig. So schaut's aus.

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am 14.10.2015 12:26

der burgstall "alt-hagenberg" ist auch so ein fall. der eigentümer hat letztendlich den halsgraben zwecks erreichbarkeit des felsspornes eingeebnet und ein bisschen an den (nur mit viel phantasie als festes haus erkennbaren) steinresten herumplaniert.
denkmalschutz gab es keinen, der hausverstand lässt vermuten, dass keine erkenntnisse zu gewinnen wären die eine solche massnahme rechtfertigen würden.
-
anderes beispiel: pferdeeisenbahn. in lest wurde eines der unter denkmalschutz stehenden wechselhäuschen kurzerhand weggerissen. verständlich, denn jetzt ist es einfach nur noch eine abschüssige wiese, die man völlig problemlos mähen kann. ob es sanktionen gab, ist mir nicht bekannt.
-
was die "pietät" angeht darf bezweifelt werden, dass sich ramses II, der luftgselchte pfarrer oder ötzi dieses fortdauern in dieser form so gewünscht haben, respektive sie diese zurschaustellung mit deren weltbild in übereinstimmung wird bringen lassen. fangen wir doch einfach in den museen damit an.

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Walhai2008 (245 Kommentare)
am 14.10.2015 11:17

Wenn man (Archäologen) Gräber öffnen - die Gebeine herausnehmen - die Schmuckstücke und sonstige Grabbeigaben herausnehmen und ganz woanders der Öffentlichkeit zeigen ist das nicht "pietätlos".
Wenn jemand ein bereits entlehrtes Grab, wo nichts mehr drinnen ist, außer dass darüber Hügel ähnlicher Art als vor ein paar tausend Jahren neu errichtet werden, anders verwendet ist das "pietätlos".
Über wie viele Friedhöfe, die "verlegt" wurden laufen nun Straßen oder sonst was. Unter verlegen, versteht man, die Gebeine wurden anderswo begraben.
Was ist da anders als mit dem hier beschriebenen Grab.
Zumindest würde ich das nicht als "pietätlos" bezeichen, was der Grundbesitzer dort gemacht hat.

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Katzenkoerberl (1.838 Kommentare)
am 14.10.2015 11:39

Werner Rauscher - bist Du's??

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Dampfplauderer (5.900 Kommentare)
am 14.10.2015 12:46

Aha, ein Archäologe stört die Totenruhe also nicht, wenn er alles zusammenklaubt? Was soll daran ein blödes Argument sein?

Da finde ich "Erdreich darüber schieben" eigentlich hinsichtlich Pietät schöner.

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meisteral (11.724 Kommentare)
am 14.10.2015 13:35

Gleicher Kommentar wie zuvor. Nur mit Dampf....

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Dampfplauderer (5.900 Kommentare)
am 14.10.2015 13:43

Ja, manche verstehen es nach
dem zweiten Mal auch nicht. grinsen

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bauxip (187 Kommentare)
am 14.10.2015 10:44

donaubrücke!?

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oblio (24.782 Kommentare)
am 14.10.2015 10:02

Oberösterreich, besonders auch in Linz
mit erhaltenswerten Bauten noch nie sehr
pfleglich umgegangen worden!

Lauter Kulturbanausen, die sich selbst
Denkmäler grauslichster Art setzten, nur
um mit diesen Bauten der Nachwelt in
Erinnerung zu bleiben!

In Deutschland werden sehr oft die alten
Kerne von Städten gehegt und gepflegt und
auch gerne von Touristen besucht!

Nur bei uns wird zerstört oder einfach
vernachlässigt, um fragwürdige Neubauten
danach hinzuklotzen!

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am 14.10.2015 10:15

„Nur bei uns wird zerstört“ --- vornehmlich in Linz.

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eulenauge (19.448 Kommentare)
am 14.10.2015 17:52

In Linz gibts nix zum Zerstören - das war früher ein Bauernnest wie Wels.

Steyr, Enns, Hallstadt, auch Eisenerz - das sind Städte mit Geschichte.

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am 14.10.2015 21:11

Um 1000 noch war Enns bedeutender, war!

Abgerissen? Wollzeugfabrik, Textilfabrik, Hagen, Eisenbahnbrücke, …

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-bl-ba (366 Kommentare)
am 14.10.2015 09:45

Fairerweise sollten die OÖN dem Bundesdenkmalamt die Möglichkeit geben zu erklären, warum sie die Gräber nicht Unterschutz stellten und warum sie eben nicht schützenswert sind.
Der Artikel zielt auf den Grundeigentümer ab, dem offensichtlich keine Schuld trifft. Das BDA wird eher geschont.
Wie viele der 18 Grabhügel wurden tatsächlich zerstört? Es ist doch kaum vorstellbar, dass alle vom Bau einer Forststraße betroffen waren.

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Flatline (647 Kommentare)
am 14.10.2015 14:46

Gebt mit mal die GPS Koordinaten von dem Platz dann schau ich mal hin.

Angeblich sollten in der Umgebung noch einiges anderes zu finden sein. Wurde aber nie wirklich weiterverfolgt.

Aber da müßte man mit der Sonden gehen.

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am 14.10.2015 18:44

kennst dich in der Geografie auskennst, kannst hingehen und die Daten selbst bestimmen.

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Wuhei (716 Kommentare)
am 14.10.2015 09:32

Wer Kulturdenkmäler bei uns zerstört ist genauso niveaulos wie die Moslems, die buddhistische oder antike Bauwerke zerstören.

Primitivität ist intrnational.

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Dampfplauderer (5.900 Kommentare)
am 14.10.2015 09:54

Kulturdenkmäler?

Um mehr als 1000 Jahre alte Gräber geht es.
Heutige Gräber werden auch nach einer gewissen Zeit aufgelassen, soferne nicht jemand dafür bezahlt.

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am 14.10.2015 10:14

sie werden neu belegt, mancherorts oder bei Bedarf, erfolgt eine Umbettung. Auch bei Bauarbeiten kommt das vor. Geschieht aber nicht mit der Raupe, und Grabbeigaben gibts heute wahrscheinlich heute seltener, ein Kletterseil vom Eybl vielleicht. das ist nicht unwiederbringlich.

Achtung auf den Unterschied.

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Dampfplauderer (5.900 Kommentare)
am 14.10.2015 12:42

Der Unterschied ist eher, dass Beamte aus dem geschützten Bereich ungerne Privatgrund und Privateigentum der Privaten respektieren.

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( Kommentare)
am 14.10.2015 17:38

Achte auf den Unterschied, vermeide Pauschalierenden.

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mitreden (28.669 Kommentare)
am 14.10.2015 09:28

denkmalschützer lesen im kaffesatz, was erhaltenswürdig ist und was nicht......

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( Kommentare)
am 14.10.2015 08:06

Gräber einzuebnen ist sicher eine eigene Kategorie; die größten Banausen sitzen aber immer noch in Linz, mmn.

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