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Oberösterreich

Hitlers Geburtshaus: Enteignung steht bevor

BRAUNAU. Ein Gesetzesentwurf ist fast fertig, die Eigentümerin soll eine Entschädigung erhalten.

Hitlers Geburtshaus: Innenministerium bereitet die Enteignung vor

Hitler beim Einmarsch in Braunau 1938 Bild: Archiv

Das Innenministerium macht Ernst: Nach jahrelangen fruchtlosen Verhandlungen mit der Eigentümerin des "Hitler-Hauses", Gerlinde Pommer, soll eine Enteignung kommen.

Karl-Heinz Grundböck, der Sprecher des Ministeriums, bestätigte gegenüber den OÖNachrichten am Freitagabend: "Das Innenministerium hat entschieden, den Weg der Enteignung konkret zu prüfen und auch mit entsprechenden legistischen Maßnahmen vorzugehen. Es gibt dazu Gespräche mit dem Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes."

Für die Enteignung müsse eine eigene gesetzliche Grundlage geschaffen werden, weil die bisherigen Gespräche mit Frau Pommer kein Ergebnis gebracht hätten. Grundböck weiter: "Wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, dass die Enteignung der einzige Weg ist, um eine Nutzung des Gebäudes im Sinne einer nationalsozialistischen Wiederbetätigung ausschließen zu können."

Die Eigentümerin soll eine Entschädigung erhalten, wobei laut Grundböck "Bestimmungen angewendet werden, wie man sie aus Enteignungen im Zuge von Eisenbahnbauten kennt." Ein entsprechendes Gesetz geht demnächst in Begutachtung.

Die Vorgeschichte: Das Haus, in dem der spätere deutsche Reichskanzler und Diktator Adolf Hitler am 20. April 1889 geboren wurde, wurde 1952 im Rahmen eines Rückstellungsvergleichs an die ehemalige Besitzerfamilie Pommer zurückgegeben.

Es war 1938 von den Nazis zum vierfachen Verkehrswert erworben und unter Denkmalschutz gestellt worden. Durch Schenkungsvertrag innerhalb der Familie Pommer ging das historische Gebäude am 31. Dezember 1977 in das Eigentum von Gerlinde Pommer über.

Vorerst wurden dort Schulklassen untergebracht, später zog die Stadtbücherei ein. Auf Initiative der Stadtgemeinde Braunau schloss die Republik Österreich, vertreten durch das Innenministerium, einen Mietvertrag ab, der immer wieder verlängert wurde. Zeitweise waren Werkstätten sowie Tagesheimstätten für Behinderte in dem düsteren Haus untergebracht. Seit Oktober 2011 steht das Anwesen leer, der Mietvertrag blieb aufrecht. Monat für Monat wurden rund 4800 Euro Miete fällig.

Pommer wies alle Versuche der Republik zurück, eine langfristige Nutzung im Sinne der Republik sicherzustellen. Auf Kaufangebote der öffentlichen Hand blieben ohne Ergebnisse.

Aus aller Welt gab es immer wieder dubiose Versuche, einen Kauf abzuschließen, etwa durch einen russischen Duma-Abgeordneten. Jetzt will die Republik den Spuk beenden. Das Innenministerium wird laut Grundböck parallel zum Enteignungsverfahren "eine Kommission einsetzen, die bis zum Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung Empfehlungen für eine adäquate Nutzung erarbeitet."

 

Ein Haus mit Geschichte

Das sogenannte Hitler-Haus hat die Adresse Salzburger Vorstadt 15 in Braunau am Inn. Es steht unter Denkmalschutz. Ursprünglich war es ein Braugasthaus mit Mietwohnungen. Zu den Bewohnern gehörte Ende des 19. Jahrhunderts der Zollbeamte Alois Hitler mit seiner dritten Frau Klara. Dort wurde am 20. April 1889 Adolf Hitler geboren. Die Familie lebte bis 1892 in Braunau, dann wurde der Zollbeamte nach Passau versetzt.

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Artikel Christoph Kotanko 08. April 2016 - 20:56 Uhr
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