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Fische berichten, wie der Mensch seine Umwelt vergiftet

Von Klaus Buttinger, 04. Oktober 2014, 00:04 Uhr
Fische berichten, wie der Mensch seine Umwelt vergiftet
Biologe Günter Köck und Derek Muir (Bild) bringen in einem See, 800 km südlich des Nordpols, Temperatursensoren aus - Saibling als Bioindikator. Bild: High Arctic Team

Biologe Günter Köck aus Gmunden und sein internationales High Arctic Team messen die Schwermetallbelastung von Saiblingen – aus Alpenseen und arktischen Gewässern.

Als die Flüsse Ager und Traun noch vom Abwasser der Papier- und Zellstoffindustrie verschmutzt waren, sollte der Biologe Günter Köck Fische aus diesen Gewässern untersuchen. Für derartige Messungen braucht jedoch ein Referenzsystem. Deshalb wollte der Forscher von der Uni Innsbruck seine Fische mit jenen aus hoch gelegenen Alpenseen vergleichen. Letztere assoziiert man ja mit Reinheit und Naturbelassenheit. Überraschende Erkenntnis: In manchen Bergseen lag die Belastung der Fische mit Quecksilber und Cadmium höher als bei Fischen aus industriell belasteten Flüssen 3. Wie kam das?

Die Schadstoffe aus großen Industriegebieten, etwa der Po-Ebene, waren mit dem Wind in die Berge verfrachtet worden, kondensierten in der Kälte und lagerten sich im Schnee ab. Im Frühjahr gelangen die Schadstoffe mit dem Schmelzwasser in die Seen. Die Fische nahmen die Schwermetalle mit den Kiemen und über die Nahrung auf.

Relikte aus der Eiszeit

Damals reifte im Umwelttoxikologen Köck die Idee, Fische als Bioindikatoren zu etablieren; und zwar weltweit. 1997 unternahm er mit Kollegen eine erste Expedition in die kanadische Arktis mit dem Ziel, auch dort Fische zu fangen und zu untersuchen – genauer Seesaiblinge. Diese Art zählt zu den Salmoniden und lebt in den arktischen wie auch in den alpinen Seen. Die Tiere sind quasi Relikte der vergangenen Eiszeit. Als die Eisschilde abgetaut und die Verbindungen zum Meer gekappt waren, blieben die Saiblinge im Traun-, Hallstätter- oder Grundlsee gefangen, in höheren Bergseen wurden sie hingegenausgesetzt.

Heuer blickt Köck, Koordinator der internationalen Forschungsprogramme der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, auf 18 Expeditionen in den Norden zurück. Das Fazit seiner Langzeituntersuchung: "Je höher die Wassertemperatur, desto höher die Schwermetallbelastung der Saiblinge."

Das klingt beim ersten Hören unspektakulär. Tatsächlich eröffnen sich hier Zusammenhänge mit der Klimaerwärmung: Die Sommer werden länger, der arktische Permafrostboden taut immer mehr auf, die darin befindlichen Schwermetalle werden zunehmend ausgeschwemmt und in den Seen von den Saiblingen über Nahrung (hauptsächlich Zuckmücken) und Kiemen aufgenommen.

Insbesondere Quecksilber (Hg) steht im Fokus der internationalen Gruppe um den gebürtigen Gmundner. Menschen und Tiere im Norden sind stark mit dem Umweltgift belastet, das ursprünglich aus den südlich gelegenen Industriezonen stammt und vom tauenden Permafrostboden nicht mehr zurückgehalten wird. Köck und sein Kollege Derek Muir von der kanadischen Umweltbehörde sehen dadurch die Inuit größeren Gesundheitsgefahren ausgesetzt.

Hg ist das einzige Metall, das sich in der Nahrungskette unumkehrbar anreichert. In den Muskeln, im Körperfett, aber auch in den Nervenscheiden gespeichert, kann es bereits über die Muttermilch weitergegeben werden. Hg steht folglich im Verdacht, kognitive Defizite bei Babys auszulösen.

Köcks Fazit aus seinen bisherigen Expeditionen, denen noch weitere folgen sollen, lautet: "Wir müssen versuchen, unser Umweltbewusstsein zu schärfen, unsere Umwelt weniger zu belasten und nachhaltiger zu agieren."

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12  Kommentare
12  Kommentare
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observer (22.283 Kommentare)
am 04.10.2014 19:00

der Herr hat - da kann man Beruf und Hobby prima verbinden. Manche werden sogar Bürgermeister - allerdings ist es dann mit dem schönen Beruf Essig, aber daür kriegt man dann gut bezahlt und kann öfters ein paar Achterln trinken.

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am 07.10.2014 07:30

Politiker oder Sänger zu sein. Nur Lipizzaner sind da gegenüber Hofräten im Nachteil.

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am 04.10.2014 10:46

Man braucht ja nur schauen was in Bad Ischl im Winter Salz gestreut wird egal ob es schneit oder nicht fahren die Streuwagen Tag und Nacht durch ganz Ischl. Und wo landet im Endeffekt der ganze Dreck? (Salz)

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Zaungast_17 (26.457 Kommentare)
am 04.10.2014 07:44

die Menscheit samt Umwelt munter sorglos weiter ...

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am 04.10.2014 08:12

ist ungemein anpassungsfähig, man ist ja mobil.
Und der Kommerz hat immer die passende Antwort, man lebt ja nicht auf dem Mond...
Biodiversität...brauch ma ned. Was issn dass...?

Servus

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Zaungast_17 (26.457 Kommentare)
am 04.10.2014 08:16

anpassungsfähig schon ... nur wer Gendefekte bis Sterilität aufweist, ist dann so oder so zum Aussterben verurteilt - außer die Natur hilft sich vorher schon anderwertig selbst zwinkern

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am 04.10.2014 13:08

einen 2ten Planeten, der als Vergeichsobjekt zwecks Anschauungsuntericht die Prinzipien der Nachhaltigkeit demonstriert. Und zwar solange es den Homo gibt.... zwinkern

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Zaungast_17 (26.457 Kommentare)
am 04.10.2014 13:28

also gemma auf die Suche! zwinkern

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am 04.10.2014 13:44

wenns diese Fiktion doch gäbe.
Ich hol mir die 'wahren Naturerlebnisse' aus den Nordalpenbereich. Je abseitiger umso besser.

Wenn nur nicht die permanente dazugehörige Fahrerei wäre... zwinkern

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Zaungast_17 (26.457 Kommentare)
am 04.10.2014 14:04

ob du glücklicher wärst, wenn wir zwei Platz tauschen würden!? zwinkern

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am 04.10.2014 14:28

die Umgebung wär schon recht, aber deine Hütte steht in der Erosionszone, sprich im Talgrund, bzw zu nah an den Entwässerungen.
Und wer ein Gespür für natürliche Vorgänge hat, wird einen solchen 'Dauerzeltplatz' meiden. zwinkern

Sssodala, iatzt foa i ahs Tannen schmieren.

Servus

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am 04.10.2014 07:10

der die Anreicherung von Industriefrass auf die moderne hiesige Kultur deutet, hätte recht gut dazugepasst...

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