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Ein Warnsignal des Klimawandels: Bestände der Grünfinken halbiert

Von Alfons Krieglsteiner, 02. September 2017, 00:05 Uhr
Ein Warnsignal des Klimawandels: Bestände der Grünfinken halbiert
Das melodische Trillern des Grünfinks ist in diesem Sommer vielerorts nur selten zu hören. Bild: Hannah Assil/BirdLife

LINZ/WIEN. Hitzesommer begünstigte die Ausbreitung einer Vogelseuche – Auch Jungtauben betroffen.

Wo sind all die Grünfinken geblieben? 2012 rangierte der possierliche Singvogel, der als einziger sogar in Thujenhecken nistet, mit 230.000 Brutpaaren noch auf Platz vier der häufigsten Vogelarten. Doch jetzt geht es mit ihm rapide bergab. "Seine Bestände haben sich mehr als halbiert", sagt Susanne Schreiner von BirdLife. Schuld ist der Einzeller "Trichomonas gallinae", der im Kropf schwere Entzündungen auslöst. Zwar hat er es auch auf andere Vogelarten abgesehen. Todbringend ist er aber fast nur für Grünfinken.

So schlimm wie heuer war’s noch nie: "Ein Massensterben", sagt Schreiner. Und ein Warnsignal. Denn der Parasit profitiert vom Klimawandel. Warm und feucht soll es sein – wie im Sommer 2017. Dann ist er in seinem Element. Leidtragende sind die Grünfinken. Apathisch mit aufgeplustertem Gefieder sitzen die kranken Vögel auf dem Boden. Der Schnabel ist verklebt, die Atmung flach. Wenig später verenden sie qualvoll. "Bei der Obduktion zeigen sich gelbliche Beläge im Schlund, oft auch Körner im Hals, die sie nicht mehr schlucken konnten", sagt René Brunthaler (39), Pathologe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Mehr als hundert Totfunde hat er im Sommer schon seziert – die Untersuchungen dienen als Grundlage für seine Dissertation. Darin will er herausfinden, warum gerade die Grünfinken so sensibel auf den Erreger reagieren. Denn da tappt die Wissenschaft noch im Dunkeln.

Lieber nicht im Sommer füttern

Klar ist hingegen, wo sie sich anstecken: "An offenen Futterhäuschen und Vogeltränken", sagt Stephan Weigl vom Linzer Biologie-Zentrum. Und das ausschließlich in der warmen Jahreszeit, wenn der Parasit aktiv ist. Wie kann man die Ansteckungskette unterbrechen? "Entweder man verzichtet auf die ,Sommerfütterung‘, oder man verwendet hygienisch unbedenkliche Vogelfutter-Silos", rät Weigl. Auch im Biologiezentrum haben sich Meldungen über Totfunde markant gehäuft.

"Der Parasit wird mit verkoteten Körnern aufgenommen", sagt Brunthaler. Daher soll man im Verdachtsfall Futterreste sofort entfernen und die Fütterung bis zum Winter einstellen. Für Vogeltränken gilt: Täglich mit heißem Wasser reinigen und desinfizieren.

Für Hausgeflügel besteht laut Landesveterinärdirektor Thomas Hain kein Ansteckungsrisiko. Wohl aber für Jungtauben. Typisches Symptom ist ein "Gelber Knopf" im hinteren Rachenraum. Da ist Alois Koppler auf der Hut: Der 78-Jährige züchtet in Sipbachzell (Bez. Wels-Land) Sächsische Flügeltauben: "Fünf Jungvögel sind bei mir im Frühling befallen worden, ich habe sie mit einem neuen Präparat aus Belgien behandelt, alle wurden wieder gesund".

Angesteckt haben könnten sie sich am Futterhäuschen im Garten. Deshalb rät August Heftberger, der Bundesspartenobmann der Taubenzüchter, die Vögel immer in der Voliere zu lassen.

Meldungen von kranken oder verendeten Grünfinken an BirdLife Österreich, Tel. 01-5234651.

 

Amselsterben

Der Klimawandel begünstigt nicht nur die Trichomonaden, sondern auch exotische Krankheiten: 2010 ist das tropische Usutu-Virus bei uns „angekommen“. Es befällt vor allem Amseln, deren Bestände zuletzt im Jahr 2015 stark dezimiert wurden. Fast täglich landen derzeit tote Amseln auf René Brunthalers Seziertisch: Offenbar ist das Usutu-Virus erneut auf „Seuchenzug“ durch Österreich.

 

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