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Diagnose Zukunft: Wie das Internet die Gesundheitsversorgung vorantreibt

Von Erika Zelko   27. November 2021 03:26 Uhr

Die Digitalisierung ermöglicht uns einen effektiven Informationsaustausch, was für die Bekämpfung von Infektionen von besonderer Bedeutung ist.

Robotisierung, Digitalisierung, e-Medizin und technologische Entwicklungen werden dem notorischen Personalmangel entgegenwirken und die Gesundheitsberufe quer durch die Bank entlasten.

Eine Schlagzeile in der Zukunft könnte lauten: "Heute vor 25 Jahren haben wir den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie gewonnen. Die Pandemie hatte die westliche Welt in großem Ausmaß überrascht, und zeigte uns Untiefen auf, die in unseren Gesundheitssystemen und der Gesellschaft bis dahin versteckt gewesen waren oder schlicht nicht wahrgenommen wurden. Aber wir haben die Herausforderung angenommen und für eine gute medizinische Entwicklung genutzt."

Wenn man in einem solchen reichlich utopischen Rückblick dem ganzen derzeitigen Geschehen etwas abgewinnen will, dann hat der Virus neben all seinen Zerstörungen auch als Katalysator der Medizinischen Entwicklung fungiert.

Was kann man heute für eine künftige Entwicklung der Allgemeinmedizin vorhersehen?

Die Covid-Pandemie hat ergänzend zu den Kernkompetenzen der Allgemeinmedizin neue Herausforderungen geschaffen: In Zukunft wird es für Hausärztinnen und Hausärzte normal sein, dass Digitalisierung, e-Medizin und das Balancieren zwischen "high tech-low touch und low tech-high touch" in der Praxis Eingang finden. Die akademische Lehre in der Medizin nennt dieses Phänomen die "Third Mission":

  • Grundausbildung und laufende Weiterbildung
  • Forschung- und Wissenstransfer
  • Gesellschaftliches Engagement

Die medizinische Fakultät der Johannes Kepler Universität bereitet die Studierenden auf eine moderne medizinische berufliche Karriere vor, mit dem Ziel der Beibehaltung und Verbesserung hoher Professionalität in der österreichischen Medizin. Dies erfordert Innovation und Flexibilität, um nicht nur auf die Herausforderungen der Zeit zu reagieren, sondern auch vorausschauend Konzepte für eine moderne medizinische Versorgung zu erstellen, die hohe Qualität und Sicherheit im Gesundheitssystem für Patienten und Personal auf Dauer garantiert. An besonderer Bedeutung hat das gesellschaftliche Engagement der Medizin gewonnen, denn nur dadurch kann man die Gesundheitskompetenzen der Bevölkerung verbessern.

Die Allgemeinmedizin nimmt seit der Pandemie in vielen Ländern der Welt wieder einen wichtigen Platz in der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung ein: Sie ist kosteneffizient, flexibel, nahe am Patienten und die Visitenkarte jedes öffentlichen Gesundheitssystems. Die Menschen haben gesehen, dass jedes Land ein gutes öffentliches Gesundheitssystem braucht, das durchaus über den Privatsektor ergänzt werden kann. Beide Systeme kooperieren in den gesetzlich gegebenen Rahmenbedingungen, die für eine faire, gleiche und allgemein zugängliche Medizin sorgen sollen.

Um die Flexibilität zu verbessern und eine bessere Reaktionsfähigkeit bei der Wahrnehmung lokaler Gesundheitsprobleme zu erreichen, wurden die Gesundheitsregionen gegründet. Diese verfolgen das Ziel, flächendeckend für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen, die gesundheitliche Prävention zu fördern, rasch die spezifischen Gesundheitsprobleme einer Region zu identifizieren und medizinische Konzepte für ein menschenwürdiges Leben in allen Lebensabschnitten zu entwickeln.

Die technologische Entwicklung wirkt dem notorischen Personalmangel entgegen und entlastet die Gesundheitsberufe quer durch die Bank.

Der neue Hausarzt fungiert als persönlicher Gesundheitsmanager für jeden seiner Patienten. Das ist wichtig, weil sich die Gesundheitskompetenzen der Bevölkerung nicht so schnell ändern können, wie sie der Fortschritt in der Medizin vorgibt. Die Gesundheitsregionen werden mit dem neuen Konzept der Allgemeinmedizin erhöhte Akzeptanz bei der Bevölkerung gewinnen müssen, nachdem das Vertrauen in die Wissenschaft, Medizin und Politik durch die Pandemie doch eher geschwächt wurde.

Veränderungen werden auch in den Krankenhäusern stattfinden. Neue Erkrankungen und Symptome erfordern neue diagnostische und therapeutische Ansätze wie Robotisierung und Digitalisierung. Die technologische Entwicklung wirkt dem notorischen Personalmangel entgegen und entlastet die Gesundheitsberufe. Das hoch spezialisierte Personal wird sich besser der Ausführung einer individualisierten Diagnostik und Therapie für die Patienten widmen können.

Die Verwaltung der Daten der Patienten wird eine zentrale Rolle in der modernen Medizin einnehmen, Daten werden aus verschiedenen Quellen zusammengeführt und die Therapie vollkommen individualisiert, dass sie auf das genetische Mapping angepasst angewandt werden können. Es werden neue Berufe im Gesundheitswesen eingebunden sein und sie werden fächerübergreifend: IT-Fachkräfte, Health Service Researchern, die werden mit anderen Gesundheitsberufen in einem interdisziplinären Verhältnis zusammenarbeiten müssen.

In der Natur der Interdisziplinarität liegt es, dass eine Vereinfachung auf einer Seite, eine Erhöhung des Komplexitätsgrades auf der anderen Seite bewirkt. Deswegen wird es notwendig sein, optimale Kommunikationswege zu schaffen, um damit eine hohe Sicherheit und Qualität der Arbeit zu gewährleisten.

Neue virale Erkrankungen

Sporadisch werden wir es auch in der Zukunft mit dem Ausbruch neuer viraler und bakterieller Erkrankungen zu tun haben, die vermehrt in den Regionen auftreten werden, die mit dem Klimawandel kämpfen und die ökologischen Probleme nur schwer bewältigen können. Die Digitalisierung ermöglicht uns einen effektiven Austausch der Informationen, die für die Bekämpfung von Infektionen von besonderer Bedeutung sind. Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft mit Screeningsprogrammen mehr als 70 Prozent der chronischen Erkrankungen im frühen Stadium erkannt werden können.

Die geringe Geburtenrate in Europa wird uns als dringliches Problem begleiten. Auf der anderen Seite wird die Lebenserwartung stark ansteigen. Die gute Nachricht ist dabei, dass auch Leute mit einer chronischen Erkrankung eine hohe Lebensqualität bis ins fortgeschrittene Alter erwarten können.

Die Medizin hat ihre Aufgabe gemacht und aus der Pandemie gelernt. Sie hat sich auf die neuen Gegebenheiten angepasst und führt eine unabhängige Forschung für die Menschen durch. Ich denke, es wird viele Gründe geben, stolz auf die medizinische Entwicklung zu sein.

Zur Autorin: Erika Zelko leitet das Institut für Allgemeinmedizin der Johannes Kepler Universität Linz

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