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Der US-Hauptstadt droht Cannabis-Chaos

WASHINGTON. Konsum, Anbau und Besitz von Pot erlaubt – Verkauf und Besteuerung bleiben unreguliert.

"High Times" in Washington: Der US-Hauptstadt droht Cannabis-Chaos

Die Debatte um das Rauchen von Joints geht weiter. Bild: epa

Für Ende des Monats hat die Marihuana-Industrie zwei Ballsäle auf dem Capitol Hill angemietet. Längst schon gibt es keine Stellplätze für Interessenten mehr, die auf der "grünen" Expo ihre Produkte und Dienstleistungen vorstellen wollen. Mehr als 200 Unternehmen haben sich angesagt, um die Chancen des Pot-Geschäftes in der amerikanischen Hauptstadt auszuloten.

Gesprächsbedarf besteht reichlich. Denn während der Konsum, Besitz und Anbau von Cannabis zu diesem Zeitpunkt erlaubt sein wird, gibt es keinen legalen Markt dafür. "Der District of Columbia ragt gewiss heraus", vergleicht die Mitgründerin der Pro-Legalisierungs-Organisation "ComfyTree", Tiffany Bowden, die Situation in der Hauptstadt mit jener in Colorado und Washington State, die als erste Bundesstaaten der USA Pot legalisiert und umfassend reguliert haben. "Das klassische Modell eines Verkaufs in spezialisierten Läden funktioniert hier nicht."

56 Gramm Cannabis erlaubt

Der eine Grund dafür ruht in der "Initiative 71" selbst, die von den Einwohnern Washingtons vergangenen November mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde. Sie erlaubt jedem Bürger, aber auch Besuchern der Stadt, die alt genug sind, ein Bier zu bestellen, einen Joint zu rauchen. Großzügig bemessen ist auch die Menge an Cannabis, die man legal besitzen darf. 56 Gramm füllen einen kleinen Butterbrot-Beutel und reichen für gut 100 Joints aus. Genug, um mit Freunden die "grüne Freude" aus dem Heimanbau zu teilen.

Was ebenfalls zulässig ist: Bis zu sechs Marihuana-Pflanzen dürfen privat kultiviert werden. Alles andere bleibt vage. Oder ist – wie etwa Direktverkäufe – nicht vorgesehen. Die neue Bürgermeisterin von DC, Muriel Bowser, versprach in der Wahlnacht, sie werde die zahlreichen Lücken der Initiative mit klaren Regeln füllen. Ohne Vorschriften für den Verkauf und die Besteuerung werde Volkes Wille nicht in Kraft treten.

Paradoxerweise rief die Ankündigung Bowsers die Marihuana-Opponenten im US-Kongress auf den Plan. Die Republikaner nutzten den Sonderstatus des "District of Columbia", um im Jänner alle Mittel für die Umsetzung der Bürgerinitiative zu blockieren.

Die Stadtbewohner zeigten sich über das Hineinregieren des Kongresses in lokale Angelegenheiten so empört, dass sich die Bürgermeisterin zu einer Kehrtwende veranlasst sah. Bowser ließ dem Kongress durch den Vorsitzenden des Stadtrats mitteilen, Washington werde sich an die Vorgabe halten und kein Geld für die Regulierung ausgeben. Gleichzeitig sehe sie sich in der Pflicht, den Willen der Bürger zu respektieren. Mangels anderer Alternativen werde sich das Gesetz deshalb "von selbst in Kraft setzen".

Auch die Polizei ist ratlos

Genau das wird passieren, falls der Kongress bis 26. Februar nicht die gesamte "Initiative 71" kassiert. Ein Schritt, vor dem die Konservativen zurückschrecken, weil sie andernorts die Verteidigung der Rechte der Bundesstaaten auf ihr Banner geschrieben haben. Darüber hinaus sehen sie keinen Bedarf. Der Anhang zum Haushaltsgesetz habe das Referendum schon so außer Kraft gesetzt.

Der Streit wird nun wohl vor Gericht ausgetragen. Bis dahin herrscht in DC Cannabis-"Wild West". Nicht einmal die Polizei weiß, wann sie einschreiten darf oder gar muss. Bürgermeisterin Bowser rät den Washingtonians, Cannabis-Produkte vorerst nur zuhause zu konsumieren.

Mit dieser Variante gibt sich die grüne Industrie nicht zufrieden. "ComfyTree"-Mitgründerin Bowden verrät, es werde bereits über eine Reihe an Modellen nachgedacht, die eine Alternative zum Direktverkauf böten: "Niemand verbietet Spenden." Eine andere Variante sind Cannabis-Clubs. Bezahlt wird für die Mitgliedschaft, Pot gibt es gratis.

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Artikel Thomas J. Spang 23. Februar 2015 - 00:04 Uhr
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