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Slow Food

Aus dem Leben im Hühnerstall

Von Philipp Braun   16. Februar 2018 11:04 Uhr

Schauplatz bringt Farbe ins triste Hühnerleben und erklärt die Zusammenhänge.

„Ich wollt ich wär’ ein Huhn, ich hätt’ nicht viel zu tun“. Wer in Zeiten der Olympischen Spiele die Leistung der Lege- und der Masthennen schmälern möchte, verniedlicht deren Performance gewaltig.

Denn das Federvieh ist heute auf Hochleistung getrimmt. Fünf Wochen dauert es, bis die Hühner ihr Mastendgewicht von über drei Kilo auf den unterentwickelten Rippen haben. Zirka das 75fache des Geburtsgewichts. Bei Legehennen wird im Dauerstress produziert. 300 Eier sind es am Ende des Jahres. Eine Menge die notwendig ist, um den Hunger der Österreicher zu stillen. Laut Agrar-Markt Österreich vertilgt jeder Österreicher 233 Eier und 12,8 Kilo Geflügelfleisch pro Jahr. Tendenz steigend. Das helle Fleisch gilt nach wie vor als gesund und leicht verträglich, Eier als optimaler Eiweißlieferant.

Am Schauplatz: Maschine Huhn

Für die ORF Journalisten Nora Zoglauer Klaus Dutzler ein gefundenes Fressen, um dem Geflügelboom auf die Federspitzen zu fühlen. Gedreht wurde hauptsächlich auf Biohöfen. Die meisten angefragten industriell arbeitendenden Mastbetriebe verweigerten den Dialog. Auch aus Angst, an den Pranger gestellt zu werden. Das idyllische Bild des vielfältigen Bauernhofs mit Gockel, Henne und Küken existiert nur noch in Bruchstücken auf wenigen Höfen, eventuell in manchen sentimentalen Vorstellungen, mit Sicherheit aber omnipräsent in schön illustrierten Werbebotschaften.

In der Realität fristet Geflügel ein kümmerliches Dasein. Hauptakteure sind Ross 308, Ross 708 oder Cobb 500, „die weltweit effizientesten Eintagsküken haben die beste Futterverwertung, die höchste Wachstumsrate und Fähigkeit, mit weniger kostspieligem Futter ausgezeichnet zu gedeihen. Diese Eigenschaften verleihen dem Cobb 500 einen klaren Wettbewerbsvorteil: Die geringsten Kosten pro Kilogramm Lebendgewicht.” 

Kostenfaktor

Wie in kaum einer anderen Branche sind die Margen derart gering wie in der Geflügelzucht. Jedes Cent mehr oder weniger entscheidet entweder über erfolgreiche Wirtschaftlichkeit oder über Insolvenz (siehe hier). Oftmals bleibt selbst Biobetrieben maximal 50 Cent Gewinn pro Masthuhn übrig. Die männlichen Küken werden aus geringer Wirtschaftlichkeit zu Beginn getötet, eine Mast ist unrentabel und wird von Konsumenten auch nicht nachgefragt. Der will in der Regel ein Huhn mit großer Brust zu einem günstigen Preis. Tierwohl spielt eine untergeordnete Rolle. Die Wertigkeiten haben sich zugunsten Auto, Mobiltelefon und Reisen verschoben.

Um die Bedürfnisse nach massiver Brust und schnell wachsenden Hühnern zu stillen, wurden Geflügelrassen „erfolgreich“ weiterentwickelt, und ihnen zum Beispiel das Sättigungsgefühl weggezüchtet. Einer der großen „Player“ am Weltmarkt ist die „Lohmann-Wesjohann-Gruppe“. Lohmann hat „für jede Haltungsform das geeignete Huhn – für jeden Markt das richtige Ei. Mit diesem Anspruch hat Lohmann Tierzucht bis heute hervorragende Zuchtergebnisse erzielt und ist in den vergangenen fünf Jahrzehnten zum weltweit führenden Produzenten von Elterntieren und Legehennen aufgestiegen.“

Und kontrolliert damit den gesamten Geflügelmarkt.

Für Zweinutzungsrassen, also Hühner die Eier und Fleisch liefern, ist nur noch wenig Platz. Sulmtaler, Altsteirer oder Araukaner sind die Aushängeschilder der ökologisch und nachhaltig wirtschaftenden Bauern. Aber sie liefern nur einen Bruchteil an Eiern und Fleisch. Letztendlich entscheidet jedoch der Genießer, welche Eier, welches Fleisch er kaufen und welches Produktionssystem er unterstützen möchte.

Hier können Sie die Sendung nachschauen.

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